
Der Lektor für deutsche Literatur u. Herausgeber zahlreicher Autoren und Editionen, der sein Handwerk seit nunmehr 36 Jahren beim Suhrkamp Verlag versteht, berichtete vor dem gespannt lauschenden und zahlreichen Publikum über die wunderbaren Seiten der bildnerischen Gestaltung und deren Bedeutung im Leben von Hermann Hesse.

Im Begleitprogramm zur Ausstellung „Eigensinn macht Spaß", einer Koproduktion des Suhrkamp Verlags und des Hessischen Rundfunks über das Werk von Hermann Hesse, war es die letzte von sechs Veranstaltungen, die in der Kunsthalle und dem Stadttheater in Giessen im Januar und Februar 2006 stattfanden.

Fast liebevoll hörten sich die Beschreibungen über den Augenmenschen Hermann Hesse an, für den das Malen eine Art des Ausruhens und ein unermesslicher Gewinn an Lebensqualität waren. Auf die Frage einer Tageszeitung, warum er eigentlich schreibe, antwortete er als 80-jähriger: Weil man nicht den ganzen Tag malen kann.
Durch eine Traumdeutung seines Psychoanalytikers angeregt, entdeckte der Dichter seine Begabung zum Zeichnen und erarbeitete sich als Autodidakt mühsam das Malen
Von „eingetrockneten Farben" hatte er geträumt, bereits 40 Jahre alt war er damals gewesen und stand unter großem Leidensdruck und durchlebte eine persönliche Krise und die Ohnmacht und Missbrauchtheit der Sprache angesichts der Kriegsjahre zwischen 1914 und 1918.
Der Briefwechsel mit seinem Therapeuten Lang wird demnächst im Suhrkamp Verlag erscheinen und eine weitere Lücke im umfangreichen Editionswerk erschließen.
Volker Michels verwies darauf, dass die ersten Bilder von Hesse noch mit gestrichelten und auf Einzelheiten und Genauigkeiten gehalteneen Formen entstanden, die sich wenig später zu leuchtkräftiger Farbigkeit, komplexer Einfachheit und harmonischen Formen verwandelten.
Neben den ca. 3000 Aquarellen, die man in seinem Nachlass fand und von denen heute ca. 300 in einer privaten Sammlung bestehen, versah Hermann Hesse jeden 10. seiner Briefe mit einer kleinformatigen Aquarellzeichnung.


In der Ausstellung, die noch bis zum 05. März 2006 geöffnet ist, sind zahlreiche Beispiele in den Ausstellungsvitrinen zu sehen: kleine farbige und frische Miniaturen, die jeden Brief verzieren.

Weitere Aquarelle finden sich in den Gedichthandschriften, die Hermann Hesse in kleinen Auflagen selbst herstellte und zum Verkauf anbot.

Volker Michels verstand es auch zu erklären, dass das Werk Hesses unglaublich vielseitig ist und die Zeitlosigkeit seines Werkes nicht im Widerspruchzur Literaturkritik steht, die Herman Hesse oftmals als nicht ernst zu nehmenden Autor hingestellt hat, nur weil seine Bücher immens hohe und populäre Auflagen erzielt hatten.

In einem weiteren Verlagsprojekt plane und hoffe man eine umfassende Briefedition zu erarbeiten, die schrittweise in mühsamer Recherchierarbeit entstehen werde.


© Text und Fotos Frank Sygusch // Vortrag 22. Februar 2006, Kunsthalle Giessen
Mai 2012
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