KLEIN-LINDEN (fsy). Abweichend vom parlamentarischen Brauch, dass nach der Wahl durch den Souverän die Partei mit den meisten Stimmen den Vorsitz des Parlaments per Zustimmung durch alle Parteien erhält, präsentierte die SPD Fraktion in Klein-Linden in der konstituierenden Sitzung kurzfristig einen eigenen Kandidaten zur Wahl des Ortsvorstehers.
Christel Weigel von der CDU und Dr. Klaus-Dieter Greilich (FDP) appellierten vor dem Wahlvorgang an alle Mitglieder des Ortsbeirates, doch bitte nicht von dem parlamentarischen Brauch abzuweichen.
Es half nichts: Gewählt wurde in geheimer Wahl Norbert Herlein von der SPD mit 5 Stimmen bei 9 wahlberechtigten Mitgliedern.

3 Stimmen erhielt Christel Weigel von der CDU und ein Mitglied stimmte mit "Nein".

Der Vorgang wirft einen langen Schatten auf die konstituierende Sitzung des Kreistages voraus. In der Kommunalwahl im Landkreis Giessen erhielt bekanntlich die SPD die meisten Stimmen. Und so wie die SPD im Stadtparlament Giessen sich an den parlamentarischen Brauch zur Wahl des Stadtverodnetenvorsitzenden für die Stadt gehalten hatte, gehen alle Beobachter im Landkreis Giessen davon aus, dass sich die CDU im Kreistagsparlament genauso verhalten wird. Das ist jetzt nicht mehr sicher, denn Dagmar Schmidt, die den Kandidaten Herlein im Ortsbeirat vorschlug sitzt auch als Abgeordnete für die SPD im Kreistag.

Wenn nun die CDU den gleichen Weg in der 1. Kreistagssitzung geht, den die SPD im Ortsbeirat Klein-Linden eingeschlagen hat, würde das bedeuten, dass der designierte Kreistagsvorsitzende Prof. Franz Neumann (SPD) nicht gewählt wird.
Klein-Linden, 03. Mai 2006, 21.20 Uhr
Mai 2012
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