
Es ist bekannt, dass Gustav Mahler an einer schweren Zwangsneurose litt und sein Beziehungserleben und seine Liebesbedingungen unter einer starken Mutterbindung sehr eingeengt waren. Seine Beziehung zu Johanna Richter, denen er die vertonten Verse widmete, war nicht die einzige Liebesbeziehung Mahlers, aber die erste Beziehung, die ihn aus dem Gleichgewicht geraten ließ und in eine langsame depressive Bewegungslosigkeit und tieftraurige und einsame Selbstanklage führte.
Diese schmerzliche Erfahrung des Abschiednehmens durchklang besonders den dritten Abschnitt der Versdichtung „Ich hab ein glühend´ Messer in meiner Brust, O weh! O weh! Das schneid´ so tief, in jede Freud und jede Lust. So tief, so tief!“

Zuvor spielte das Orchester die symphonische Dichtung „Der Schwan von Tuonela op. 22 (2. Satz aus der Lemminkäinen-Suite) von Jean Sibelius, dem bedeutenden finnischen Komponisten.
Das auf dem Hintergrund der skandinavischen Sagenwelt entstandene Opus erhielt durch den verhaltenen und treffenden Ausdruck des Englischhorns mit Peter Sanders eine besondere Klangfülle.

Nach der Pause führte das Philharmonische Orchester die Sinfonie Nr.2 C-Dur von Robert Schumann vollkommen konzentriert und flüssig durch alle Einzelsätze auf. Das sehr prägnante und mit viel Überzeugung gespielte Klangbild der Aufführung zeichnete das Orchester besonders aus und das Publikum dankte den Aufführenden mit kräftigem, lang andauerndem Applaus.
Giessen, den 11. Mai 2006 / Text u. Bilder: Frank Sygusch
Mai 2012
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