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Rike Schäffer liest Animal Triste





Fenster im Foyer (Bild: Frank Sygusch)



GIESSEN (fsy).          Am vergangenen Freitag las die junge Schauspielerin Rike Schäffer im Foyer des Stadttheaters in Giessen aus dem Roman „Animal Triste“ von Monika Maron.





Rike Schäffer las aus Animal Triste (Bild: Frank Sygusch)



Auch dieser Roman der Autorin Monika Maron behandelt das Thema West- und Ostdeutschland. Doch die Geschichte ist ganz anders als frühere Erzählungen. Es ist ein Liebesroman über eine rückhaltslose Liebesgeschichte, ein Lebensrückblick der Ich-Erzählerin, einer älteren Frau, die abgeschottet in ihrer Wohnung lebt und mit sich selbst und der Liebe als den einzigen und letzten phantastischen Lebensentwurf und Lebensort ringt.





Rike Schäffer (Bild: Frank Sygusch)




"Das Vergessen ist die Ohnmacht der Seele"




Die Geschichte des Romans spielt zu Zeit der Wende und die Paläontologin Vera arbeitet in einem Ostberliner Naturkundemuseum. Dort trifft sie eines Tages Franz und beide stehen in diesem Augenblick („Es war als hätte der Himmel die Erde still geküsst“) vor dem großen Skelett eines Brachiosaurus, zu dem die Erzählerin eine besondere Beziehung unterhält.

"Man kann im Leben nichts versäumen als die Liebe. Das war die Antwort, und ich muss sie, lange bevor ich den Satz endlich ausspreche, gekannt haben.", sagt es Vera klar und deutlich. Doch Franz ist bereits verheiratet und die Gewichte in der Liebespaarbeziehung und die Kostbarkeit des Augenblicks sind ungleich verteilt.






Rike Schäffer (Bild: Frank Sygusch)




"Ich weiß noch nicht einmal, ob Liebe einbricht oder ausbricht. Manchmal glaube ich, sie bricht in uns ein wie ein anderes Wesen, das uns monatelang sogar jahrelang umlauert, bis wir irgendwann, von Erinnerungen oder Träumen heimgesucht, sehnsüchtig unsere Poren öffnen, durch die es in Sekunden eindringt und sich mit allem mischt, was unsere Haut umschließt."

Immer und immer wieder erinnert sich Vera an die vielen Begebenheiten, Einzelheiten und Momente in ihrer rückhaltlosen Liebe zu Franz und das Glück. Sie taucht tief ein in ihren Schmerz und versucht ihre Erinnerungsbilder in einer glasklaren Sprache zu schildern, um damit zu begrenzen und zu vergessen; und um sich doch immer wieder darauf einzulassen. Die Erfahrungen über die Grenzen des Ichs verschwimmen und die Bedeutungslosigkeit der Zeit greift in das selbst erlebte Beziehungsgeschehen ein. Die Bindung an die erzählten Geschichten wird immer enger und enger.





Foyer im Stadttheater (Bild: Frank Sygusch)



„Ich kümmere mich nicht mehr um die Welt und weiß darum nicht, in welcher Zeit sie gerade steckt. Wenn ich keine Lebensmittel mehr im Haus habe, gehe ich auf die Straße, um einzukaufen. Manchmal ist Markt, da kaufe ich am liebsten, weil ich unter den vielen Menschen am wenigsten auffalle.“






Rike Schäffer im Foyer des Stadttheaters (Bild: Frank Sygusch)






Rike Schäffer - Nach einem Musikstudium mit Hauptfach Gesang an der Universität Münster (1997 – 2000) erhielt die in Bochum geborene Rike Schäffer (* 1980) ihre schauspielerische Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum (2000 – 2004). In Giessen lebt und arbeitet sie 2005/2006 in ihrer zweiten Spielzeit als Mitglied im Ensemble.



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Monika Maron
(*1941 in Berlin), lebt und arbeitet in Berlin. Lebensstationen:
Fräserin in der Industrie; Regieassistentin; Studium Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte; Journalistin.
Seit 1976 freie Schriftstellerin. 1988 Umzug nach Hamburg. Ab 1993 wieder in Berlin. 2005 Poetikdozentin Frankfurt/Main.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Flugasche, Roman (1981, S. Fischer). Das Mißverständnis, Erzählungen (1982, S. Fischer). Ada und Evald, Theaterstück (1983, Wuppertal). Die Überläuferin, Roman (1986, S. Fischer). Stille Zeche sechs, Roman (1991, S. Fischer). Nach Maßgabe meiner Begreifungskaft, Essays (1993, S. Fischer Animal Triste Roman (1995, S. Fischer). Zwei Brüder, Essay (1995). Pawels Briefe, Familiengeschichte (1999, S. Fischer). Berlin (1999, Rowohlt). Quer über die Gleise, Essays (2000, S. Fischer). Herr Aurich, Novelle (1982/2001, S. Fischer). Endmoränen, Roman (2002, S. Fischer). Stille Zeile Sechs, Roman (2003, S. Fischer). Geburtsort Berlin, Aufsätze (2003, S. Fischer).

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Giessen, 16. Mai 2006 / Alle Bilder: Frank Sygusch


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