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Richard Foreman und Joachim Schlömer zu Gast in Giessen


(GIESSEN mip/r).     Als Gastprofessoren am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft

Zwei international renommierte Künstler kann das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft wieder in diesem Sommersemester als Gastprofessoren begrüssen.

Vom 8. bis 21. Juni 2006 setzt der amerikanische Autor und Regisseur Dr. h.c. Richard Foreman (Jg. 1937) mit den Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft einen Teil seines internationalen Großprojekts „The Bridge Project“ in Giessen und im Laubacher Schloss um. Im August wird der Choreograph, Tänzer und Regisseur Joachim Schlömer ein szenisch-mediales Tanzprojekt mit den Studierenden erarbeiten.

Richard Foreman ist mit der Vielfalt seiner preisgekrönten Tätigkeiten in Theater, Film und Literatur bereits zu Lebzeiten zur Legende geworden. Sechs Obie Awards als Autor und Regisseur, die Auszeichnung mit dem Literaturpreis der American Academy and Institute of Arts and Letters, um nur einige wenige zu nennen, und nicht zuletzt die Krönung seines Lebenswerks mit dem Lifetime Achievement Award der National Endowment for the Arts bezeugen die anerkannte Virtuosität seines Schaffens.

In den 60-er Jahren gründete Richard Foreman das Ontological-Hysteric Theatre mit derzeitigem Sitz in New York. Seine frühen stilisierten Stücke, die er hier wie auch andernorts produzierte, erzeugen eine Spannung zwischen gesprochenem Wort und visuellem Bild, die die dramatische Narration in bis dahin nicht gekannter Weise zur Disposition stellte. Noch heute provoziert Foreman durch den Minimalismus einer theatralen Form, die er auf labyrinthische Weise oft unter Einbezug von Film und Video so ausarbeitet, dass die grundlegenden Elemente des Theaters wie Schauspielerkörper, dramatischer Text, aber auch Mechanismen wie z.B. die theatrale Illusion ästhetisch wirksam konterkariert werden. Ausgangspunkt seiner Inszenierungen sind häufig „theatrale Tableaus“, die sich dennoch nicht in Formalität verlieren, sondern lebhafter Intimität, aktuellen politischen Themen und dem Amüsant-Komischen verpflichtet bleiben. Spätestens mit seinen auf ganz Europa ausstrahlenden Theaterexperimenten im Paris der 80er Jahre eroberte sich Foreman seinen Stammsitz in der europäischen Theaterlandschaft: So ernannte ihn Frankreich 2004 zum „Officier des Ordre des Arts et des Lettres“. Seine Stücke werden rund um den Globus koproduziert, z.B. mit der Wooster Group, dem New York Shakespeare Festival, der Pariser Oper, Ro Theater in Rotterdam, Maggio Musicale in Florenz, verschiedene Theaterfestivals z.B. in Berlin und Paris.

Seit August 2004 arbeitet Richard Foreman zusammen mit seiner Produzentin Sophie Haviland an einem internationalen Langzeitprojekt, das sich speziell an Studierende des Theaters richtet. Ausgehend von einer Lehrtätigkeit am Victoria College of the Arts in Melbourne/Australia produzierte Foreman mit dort ansässigen Studierenden zwei kurze Videofilme (Monologe und Tableaus), die die Grundlage bildeten für das Theaterprojekt „Zomboid“ (Premiere März 2006 in New York), einem theatralen Kontrapunkt aus Film, Text, Tableau und Live-Action, der einen neuen Interaktionsstil von Theater und Film begründete. Neben den Universitäten Lissabon/Portugal, Melbourne/Australien, Loughborough/Groß-Britannien u.a. werden die Studierenden des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen nun den deutschen Beitrag des Internationalen Bridge Projects erarbeiten. Ausgangspunkt des deutschen Teilprojekts sind von den Studierenden in Zusammenarbeit mit Richard Foreman und Sophie Haviland im Schloss Laubach angefertigte Filmaufnahmen, die Foreman und sein Ontological-Hysteric Theatre in weiteren Inszenierungen verwenden werden.

Mit Joachim Schlömer wird ein wichtiger Tänzer und Choreograph der europäischen Tanz-und Theaterlandschaft im Sommer zu Gast in Gießen sein. Joachim Schlömer reüssierte nach seiner Tanzausbildung in Essen am Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie, bevor er seine eigene Tanzcompany Josch gründete. In Ulm, Weimar und Basel übernahm er jeweils die Direktion des Tanztheaters und choreographierte darüber hinaus für das Ballet de l'Opera de Lyon, Singapore Dance Theatre, Provincial Dances Jekaterinenburg und Baryshnikovs White Oak Project. Seit Ende der 90er Jahre arbeitet Joachim Schlömer spartenübergreifend auch als Opern- und Schauspielregisseur. Unter den zahlreichen Produktionen sei exemplarisch „La guerra d'amore“ am Theater Basel zu nennen, eine Produktion, mit der er das Berliner Theatertreffen 2000 eröffnete. Dieses Projekt des Tanztheaters und der Oper basiert auf Grundlage von Monteverdis 1683 erschienenem achten Madrigalbuchs, einer Klage über die Vergänglichkeit der Liebe und den Schmerz des Verlustes. Neben Arbeiten für die Salzburger Festspiele, Staatsoper Stuttgart, das Theater Basel, Luzerner Theater, Schauspielhaus Köln, Burgtheater Wien, Zellerbach Hall San Francisco/Berkley u.a. entstanden in den letzten Jahren auch zwei Filme: „The platform“ (3sat) und „Electric boy“ (arte), zwei Tanzfilme, in denen Joachim Schlömer sowohl das Drehbuch schrieb als auch die Regie übernahm. Zur Zeit arbeitet er an verschiedenen Operninszenierungen von Mozart und Monteverdi z.B. für die Staatsoper Stuttgart, Salzburger Festspiele und die Staatsoper Hannover. Joachim Schlömers Grenzgänge zwischen Theater, Oper, Tanz und Film, sein grundsätzlich bewegungsexperimenteller Arbeitsansatz wird in einem szenischen Projekt Ende August auf der Probebühne des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen zu sehen sein.


Giessen, 09. Juni 2006


giessen-server.de bemüht sich um ein ausführliches Gespräch mit den beiden Gastprofessoren und hofft darüber berichten zu können.

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