GIESSEN (fsy). 88 Seiten hat das Buch, das so unendlich viel an biographischer Geschichte enthält und das Leben und Wirken der Pädagogin Hedwig Burgheim nachzeichnet, die von 1918 bis 1933 in Giessen lebte. Entstanden ist das Werk im Rahmen einer Examensarbeit an der Universität Leipzig und die Autorin Andrea Dilsner-Herfurth hat in der Vorbereitung für die Arbeit mehrere Archive besucht und zahlreiche bisher nicht entdeckte und unbekannte Dokumente gefunden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Umschlag des Buches zeigt ein Bild der Fregestrasse 22 im Leipziger Waldstrassenviertel
Aktuell, erschienen ist das Werk am 27. Februar, als sich zum 65. Mal der Todestag von Hedwig Burgheim, die in den Gaskammern im Vernichtungslager in Auschwitz ermordet wurde, jährte. Die Drucklegung des Buches hat der Neffe von Hedwig Burgheim ermöglicht. Der heute 82-jährige Rolf Kralovitz war auch Gesprächspartner und wichtiger Zeitzeuge im Rahmen der Forschungsarbeiten von Dilsner-Herfurth. Rolf Kralowitz berichtete der Forscherin ausführlich über die Zeit aus seiner Kindheit und die ständigen Begegnungen mit Hedwig Burgheim, über die „langen Spaziergänge mit ihr in den Sommerferien“ und das letzte Gespräch und den Abschied von seiner Tante, die im Februar 1943 verhaftet und abtransportiert wurde. Dem Schicksal der gesamten Familie ist auch das letzte Themenkapitel des Buches gewidmet. In dem Band sind auch zahlreiche Fotos und Dokumente abgedruckt und ausführliche Schilderungen zum Wirken von Hedwig Burgheim in Giessen, Leipzig und Darmstadt. Der Autorin gelingt es in ganz hervorragender Weise die personengeschichtliche Darstellungsform von Geschichte zu präsentieren.
In Leipzig hatte Hedwig Burgheim nach dem Abschluss der höheren Schule zunächst eine einjährige kaufmännische Ausbildung absolviert und nahm im Anschluss an wissenschaftlichen Kursen und Vorlesungen teil. An der 1911 aus dem Lyzeum hervorgegangenen ersten Hochschule für Frauen schrieb sich die damals junge Hedwig Burgheim als eine der ersten Studentinnen im Fach Pädagogik ein. An der Hochschule unterrichteten Dozenten und Professoren der Leipziger Universität und die praktische Ausbildung vollzog sich in Zusammenarbeit mit drei Volkskindergärten, acht Schulhorten, dem städtischen Säuglingsheim und der zentralen Jugendführsorge der Stadt. Nach sechs Semestern erfolgte die erfolgreiche pädagogische Prüfung u.a. bei Eduard Spranger mit dem Hochschulzeugnis, das Hedwig Burgheim dazu befähigte als Berufsschullehrerin zu arbeiten und Erzieherinnen selbstständig auszubilden. Bevor Hedwig Burgheim nach Giessen kam,arbeitete sie in der Ausbildung von Kinderpflegerinnen und hörte parallel an der Universität Leipzig Vorlesungen in Psychologie, Pädagogik und Volkswirtschaftslehre.

Der Hedwig-Burgheim-Ring in Giessen
Mit dem 30. Osttransport wird Hedwig Burgheim mit ungefähr 100 Leipziger Juden am 26. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Hedwig Burgheim „erreichte das Vernichtungslager am darauf folgenden Tag, wurde jedoch nie darin aufgenommen. Vom Zug musste sie direkt in die Gaskammern gehen. Alles was sie bei sich hatte bzw. an sich trug, wurde ihr zuvor noch abgenommen.“
Die Herausgeber des Buches „ Hedwig Burgheim – Leben und Wirken“ Rolf Kralovitz und seine Frau Brigitte haben der Stadt Giessen 500 Exemplare des Buches zu Verfügung gestellt. 300 Exemplare gehen an Giessener Schulen, die anderen werden kostenfrei an Interessierte über das Stadtarchiv und das Stadtbüro abgegeben. Das Buch (Verlag Passarge / Leipzig) kann auch über den Buchhandel (ISBN 978-3-938543-45-0) zum Preis von Euro 14.50 bezogen werden
Giessen, 24. März 2008
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