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Bemerkenswerter ECHO EFFECT von D. Gmuer und R. A. Bilibio







Energie, Rituale und Impulse beeinflussten Choreografie und Publikum / Auftakt von TanzArt ostwest in Giessen




Von Tanja Löchel







GIESSEN.          Zwar dauerte das Tanzstück "Echo Effect“ von Rita Aozane Bilibio und Damian Gmuer, das am Samstag im Schlachthof zum Auftakt des diesjährigen Festivals TanzArt ostwest uraufgeführt wurde, nur knapp eine Stunde, diese Zeitspanne aber war gehaltvoll ästhetisch verdichtet. Konzentrierte Ruhe und Energie freisetzende Verausgabung waren die beiden Pole des Kraftfeldes, in welchem sich die Aufführung bewegte.











Echo Effect

(Foto: Frank Sygusch)







Neben dem Energetischen ließen die Choreografen Ritualhaftes und Impulsives in ihre eigens für Giessen kreierte Arbeit einfließen. Die Impulse bezogen sich sowohl auf die Interaktionen der Tänzer untereinander, auf die Aktivitäten des Publikums sowie auf Bewegungsabläufe. Überdies stellten sich während der Vorführung auratische Wechselwirkungen ein, die ein inneres Beziehungsnetz sowohl zwischen den Gästen und Ausführenden als auch zwischen den Tänzern und ihren Darbietungen zu knüpfen schienen.







Echo Effect mit Anne Sophie van Lippevelde, Kai Guzowski, Masami Sakurai und Hirotaka Seki

(Foto: Frank Sygusch)







Die aus Brasilien stammende Rita Aozane Bilibio tanzte unter anderem bei Pina Bausch, bei Sascha Waltz in Berlin und bei der Forsythe Company. Der Schweizer Gmuer war Mitglied der Iceland Dance Company, bei MS Schrittmacher in Oldenburg und des Staatstheaters Darmstadt. "Echo Effect“ ist die dritte gemeinsame Produktion der Tanzkünstler und ihre erste in Giessen.















Echo Effect - Masami Sakurai und Hirotaka Seki

(Foto: Frank Sygusch)












Begonnen hatte der Abend – nach der Begrüßung von Festival-Leiter und Ballettdirektor des Stadttheaters, Tarek Assam, - im Freien vor der Spielstätte. Claudia Fechner und Arthur Zakirov schritten in strenger schwarzer Kleidung an der Außenwand der Spielstätte entlang und schrieben auf die Steine eine Aufforderung an die Besucher: "Bitte beachten Sie, das Ritual erfolgt ohne Anleitung. Wenn Sie den geeigneten Moment spüren, begeben Sie sich zum eisernen Tor“.












Echo Effect - Claudia Fechner und Arthur Zakirov

(Foto: Frank Sygusch)









Es folgten einige stilisierte, synchrone Bewegungssequenzen, die rhythmisch wiederholt wurden, dann durchschritten die rund 70 Zuschauer die Tür. Gewaltiges Meeresrauschen, durchsetzt mit dumpfen Schlägen erwartete das Publikum in akustischer Hinsicht.









Echo Effect - Masami Sakurai und Kai Guzowski

(Foto: Frank Sygusch)










Der mit Holzpfeilern und –balken ausgestatte Raum war in gedämpftes Licht getaucht. An den vier Masten standen die Tänzer Anne Sophie van Lippevelde, Masami Sakurai, Kai Guzowski, Hirotaka Seki mit geschlossenen Augen in meditativer Versenkung. Das Publikum nahm auf den Stühlen rund um die Bühnenfläche platz: Dieser Vorgang nahm viel Zeit in Anspruch und man konnte das beruhigende Standbild der Tänzergruppe und das Brandungsgeräusch auf sich wirken lassen. Plötzlich ging das Licht aus und einige Gäste beleuchteten mit zuvor ausgeteilten Taschenlampen die Szenerie. Das weiß gekleidete Quartett begann sich zeitlupenhaft gedehnt zu bewegen.
















Echo Effect - Anne Sophie van Lippevelde und Hirotaka Seki

(Foto: Frank Sygusch)








In einer weiteren Sequenz wurden die Tänze fließender und schneller. Die Bewegungen steigerten sich zu Läufen, wie in einem Wettrennen. Zwischendrin stoppten die Mitwirkenden den Lauf plötzlich ab, um wieder erneut über die Bühnenfläche zu rasen. Vor diesem sportiven Teil hörte man intensive Atemgeräusche vom Band, nach dem Rennen atmeten die Tänzer intensiv und schnell, aber diesmal live. Dem brasilianischen Kampftanz Capoeira entlehnt waren duettähnliche Szenen und fröhlich tänzerisch zu unbeschwerter Musik ging es gegen Ende der Aufführung zu. 










Echo Effect - Hirotaka Seki

(Foto: Frank Sygusch)









Die Choreografen haben in durchdachter und aufeinander aufbauender Abfolge die verschiedenen Aspekte des Themas Energie facettenreich variiert und beleuchtet. Das kunstvoll Regelhafte sowie der Symbolcharakter einiger Handlungen, aber auch das interaktive Einbeziehen des Publikums und eine gewisse spielerische Leichtigkeit gaben dem Festival-Auftakt einen feierlichen Charakter. Da gemäß dem Energieerhaltungssatz in einem geschlossenen System Energie zwar umgewandelt wird, aber nicht verloren geht, schwappte der entscheidende Funke auf die Besucher über: Sie zollten reichlich Beifall.










Echo Effect - (Foto: Frank Sygusch)








Echo Effect - Tanzstück von Rita Aozane Bilibio und Damian Gmuer


mit


Claudia Fechner


Arthur Zakirov


Anne Sophie van Lippevelde


Masami Sakurai


Hirotaka Seki


Kai Guzowski



von der Tanzcompagnie Giessen






Eine Wiederholungsaufführung findet im Rahmen des Festivals TanzArt ostwest am 10. Mai um 22.00 Uhr im Schlachthof C in Giessen statt.







05. Mai 2008 / Text: Tanja Löchel / Tanzfotografie: Frank Sygusch







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