
GIESSEN (fsy). Im kleinen, überschaubaren Konzertraum des Kirchbergforums brillierten am vergangenen Sonntag fünf Musiker, die seit langem in der Region miteinander im Gespräch stehen und musikalisch Kontakt halten und nun in neuer Formation unter dem Namen „Twäng“ die Bühne des Jazz auf dem Kirchberg eröffneten.

Neu an der Sache und beachtenswert ist, dass das Quintett mit eigenen Arrangements und Kompositionen und an einem Ort auftritt, wo sonst klassische Musikabende stattfanden zu denen der Hausherr und Pianist Heinz Bauer seit sieben Jahren zwischen Oktober und April eingeladen hatte. Nun gastierte Twäng auf dem Kirchberg und eröffnete mit dem Konzert im Sommermonat Juli das „Kirchbergforum Jazz“, worüber sich Heinz Bauer besonders freute. Und tatsächlich, bereits zur ersten Veranstaltung des Forums „Jazz“ war der Saal komplett ausverkauft und einige der begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer mussten an diesem Abend im Vorraum oder draußen Platz nehmen.

Twäng das sind: am Schlagzeug sitzend Markus Leukel, der mit komplexer Begleitrhythmik und einem enorm druckvollen, polyrhythmischen Spielsystem vor allem die intensive und kreative Auseinandersetzung mit den traditionellen westafrikanischen Mustern und beats sucht und vorantreibt. Das gelingt dem Musiker mit seinem Werkzeug und seiner eigenen Spielweise, die an einer fundierten Kenntnis der afrikanischen Rhythmik geschult ist und durch die Entwicklung und Entfaltung einer komplexen Struktur in der Verbindung mit der Übereinanderschichtung von verschiedenen Betonungsmustern.

Dabei steht Markus Leukel immer in Rückkopplung mit seinen beiden Musikerkollegen Gerd Stein an der Gitarre und Peter Hermann am Bass, die beide an der vorgegebenen Form der Stücke, der Hintergrundstruktur und –intervalle gestalterisch mitwirken. Gemeinsam eröffnen die drei Musiker das Konzert und stimmen die Besucher mit „deep into green“ gefühlvoll in den Rhythmus, die Betonungsstrukturen und -ebenen des Abends ein.

Und Peter Hermann spielt dazu einen wunderbar weichen, entspannten und warmen Basston.

Bereits ab dem zweiten Stück, als die Bläser Hans Kreuzinger und Christof Thewes hinzukommen, treibt der gelegentlich knorrige Ton der Klarinette die Variationen voran und reichert das Arrangment derart an, dass einem das Bild eines Propellers dazu in den Sinn kommt.

Schließlich liefert der hochbegabte Posaunist Christof Thewes, der es genau versteht das geschulte Temperament des Quintetts zu erfassen und zu betonen seinen Beitrag: Er führt die Anreize zusammen, die der Musiker M. Leukel am Schlagzeug benötigt, um zu großer Begleitrhythmik aufzuspielen. Die Besucher im Saal spüren, dass die fünf Musiker in einem großartigen Zusammenspiel aufeinander treffen und in ihren verschiedenen Temperamenten sich gegenseitig motivierend schließlich in der gemeinsamen Musikkomposition zusammenfinden.
Spieltechnischer Solo-Höhepunkt des Abends war zweifelsohne ein Stück von Markus Leukel am Schlagzeug, das sich durch eine Ausgewogenheit und Vielfalt der Rhythmik quer durch Kontinente auszeichnete.

Auch betont ruhigere Stücke mit klarer Stimmungslage werden im Repertoire des Abends geboten und liefern neben eingeflossenen arabischen Harmonien und Rhythmen auch fließende Übergänge zu lateinamerikanischen und brasilianischen Musikelementen und führen zum klassischen Rock und Popstil, das im Stück „Fast Food“ einen Höhepunkt des Abends erlebte. An einem Stück von Miles Davis „time after time“ entwickelt sich ein hochintensiver und emotionaler Improvisationsstil, an dem alle fünf Mitglieder der Formation teilhaben und gemeinsam einen dezenten Sound entwickeln.

Den Abschluss des überaus gelungenen Konzertes bildete ein Stück des Gitarristen Gerd Stein „Africano“: Auch hier gelingt es dem kreativen und erfrischenden Quintett vorzüglich die beiden Bläser mit ihren individuellen und komplexen Spielarten auszuzeichnen, so dass das Publikum den Musikern schon während der letzten Takte begeistert zujubelt.

Das Auftaktkonzert des Kirchbergforum Jazz, das von Jacqueline Bauer und Peter Hermann organisiert wurde, war ein gelungener „Meilenstein“ und wichtiger Beitrag für die aktive Jazzszene und die Region. Hinzu kommt, dass das Ambiente auf dem Kirchberg bei sommerlichen Temperaturen zu weiteren Konzerten geradezu einladend wirkt..
Giessen, 05. Juli 2006 / alle Bilder: Frank Sygusch
Mai 2012
Giessen Links
Stadt Giessen
Justus-Liebig-Universität
Fachhochschule Giessen
Tourist Information Giessen
Kunsthalle Giessen
Stadttheater Giessen (Jahresprogramm)
Mathematikum in Giessen (Jahresprogramm)
Botanischer Garten in Giessen
Liebig Museum in Giessen
Kümmerei in Giessen
Messe Giessen