von Tanja Löchel
GIESSEN. Mit der Uraufführung von „Welt der Engel“ von Tarek Assam und Mirko Hecktor wurde das sechste Festival „TanzArt ostwest“ am Donnerstagabend in der ausverkauften Til-Studiobühne eröffnet. Eine Stunde lang sandten und vermittelten die geflügelten Wesen auf der Bühne himmlische Botschaften.

Miranda Glikson (Tanzcompagnie Giessen) - Welt der Engel
(Foto: Frank Sygusch)
Die Choreografen beleuchteten in ihrem neu kreierten Tanzstück das Engeldasein in all seinen Facetten. Engel gelten seit etwa 4000 Jahren als Überbringer von Botschaften zwischen Himmel und Erde. Dieser Aspekt wurde ideenreich durchdacht sowie in einer sehr ätherisch leichtfüßigen Weise umgesetzt. Die Performance, die gleichberechtigt Tanz, Video, Sprache, Kostüm, Licht und Musik zu einem Werk verdichtete, versetzte auch das Publikum in einen entrückten Schwebezustand.

Svende Obrocki (Tanzcompagnie Giessen) - Welt der Engel
(Foto: Frank Sygusch)
Die historische Ebene wurde in den traumhaft erlesenen Kostümen von Kristina Biedermann anschaulich, die von Darstellungen aus Antike und Empire, aus Ägypten, dem Barock und anderen Epochen inspiriert sind. Gleich nach Einlass wurden die Zuschauer mit den fünf unterschiedlichen Engeln (getanzt von Carine Auberger, Miranda Glikson, Antonia Heß, Svende Obrocki, Paul Zeplichal) in der Gasse konfrontiert. Die Filmsequenzen des Videokünstlers Hagen Wiel aus Leipzig erweiterten in Folge die Bühnenaktionen und stellten eine Art bewegtes, interaktives Bühnenbild dar.

Carine Auberger (Tanzcompagnie Giessen) - Welt der Engel
(Foto: Frank Sygusch)
So zeigten die Projektionen zum einen verschiedene Ansichten unseres Planeten von weit oben, den Himmel und die Wolken. Andere Sequenzen vervielfachten den Bühnentanz auf der Leinwand. Ebenfalls wurden Kommunikation und Botschaft in unserem Zeitalter der Computer und hoch entwickelten Informationstechnologienreflektiert. Da hielten in einer Sequenzdie Engel Aufnahme- und Abspielgeräte in den Händen, die unter anderem die Worte „Ich bin der Herr, Euer Gott“ von sich gaben. Sogar das binäre Zahlensystem der Bites, deren kleinste Einheit 0 und 1 ist, und Bytes, welches aus 8 Bites bestehen und denen somit 256 Möglichkeiten innewohnen, wurde vertanzt und die Ziffern durchgezählt.

Svende Obrocki und Antonia Heß (Tanzcompagnie Giessen) - Welt der Engel
(Foto: Frank Sygusch)
Eine Szene zu gregorianischen und polyphon sakralen Gesängen nahm Bezug auf die religiöse Ebene. Auch die Geburt eines Engels, dem Botschaften eingeflüstert wurden, konnte man miterleben. Teils war die Choreografie fließend und biegsam, die Bewegungen nach oben strebend, die vertikale Ebene der Vermittlung mitteilend, teils wurden gezuckte und verruckelte Bewegungen vorgeführt und akustisch, wie wenn die Übertragung der Nachrichten gestört ist, auch mal’ „Bandsalat“ präsentiert.

Paul Zeplichal (Tanzcompagnie Giessen) - Welt der Engel
(Foto: Frank Sygusch)
An Science-Fiction, die scheinbare Unendlichkeit des Universums erinnerte die elektronische Musik mit symphonischer Dimension. Aus biologischer Sicht haben Botschaften für das Leitungsteam auch etwas mit den Botenstoffen und Signalübertragung im menschlichen Körper zu tun. Dafür gab es auch die entsprechenden Szenen und naturwissenschaftlichen Bilder. Natürlich fehlten auch nicht die trivial-banalen Engelklischees und kindliche Engelsmalereien. Der „Welt der Engel“ ist überdies ein spielerisch unterhaltsamer Charakter eigen. Die von den Mitwirkenden versandten künstlerischen Signale trafen auf begeisterte Empfängerinnen und Empfänger: Am Ende feierten die Zuschauer alle mit jubelndem Applaus.

WELT DER ENGEL
Tanzstück von Tarek Assam und Mirko Hecktor
Musik von Tomaso Albinioni, Ennio Morricone, Mirko Hecktor und WARP
Choreographie
Tarek Assam, Mirko Hecktor
Bühne und Kostüme
Christina Biedermann
Videoinstallation
Hagen Wiel
Dramaturgie
Stefanie Fiedler
Choreographische Assistenz
Susan McDonald / Vladimir Liakine
Tänzerinnen / Tänzer
Carine Auberger
Svende Obrocki
Antonia Heß
Miranda Glikson
Paul Zeplichal
Weitere Vorstellungen finden am 17. Mai, 01. und 6. Juni jeweils 20,00 Uhr in der TiL-Studiobühne (Löbershof 8 in Giessen) statt.
Giessen, 09. Mai 2008 / Text: Tanja Löchel / Tanzfotos: Frank Sygusch
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