Das Magazin Giessen-Server.de ist ein unabhängiges Online Magazin für die Stadt und den Landkreis Giessen. Wir berichten aktuell in Text, Bild, Ton und HD Film über Kultur und Stadtraum, die Wissenschafts- und Einkaufs-
stadt Giessen mitten in Hessen, Freizeit, Natur und Tourismus in der Stadt Giessen, Messen, Märkte, Events und viele weitere interessante Themen.
Anzeigen Gebrauchtwagen-Zentrum Autohaus Michel
Anzeigen
Mathematikum Giessen Jahresprogramm Mathematikum

TanzArt ostwest am Pfingstwochenende in Giessen

Von Tango bis zur buddhistischen Erleuchtung reichte das Spektrum der aktuellen Tanztheatertendenzen


von Tanja Löchel



GIESSEN.                  Sechs Ensembles aus Tschechien, Polen, Österreich und Deutschland haben in der traditionellen Gala im Rahmen des Festivals „TanzArt ostwest“ am Sonntagmorgen im Stadttheater in Giessen allen Freunden der Tanzkunst eindrucksvolle Ausschnitte aus ihren Stücken dargeboten. Das Thema Erotik, Mann und Frau und der damit verknüpfte ewig währende Geschlechterkampf kam in einigen Stücken zum Ausdruck. Die meisten Choreografien waren vom neoklassischen Stil beeinflusst. Allem Anschein nach hat auch der argentinische Tango nun endgültig die Tanzbühnen erobert, denn zur spannungsreichen Musik von Astor Piazzollaschwangen drei Paare des Ballettensembles des Theaters Koblenz auf hohem Niveau das Tanzbein. Die eleganten Figuren, präzisen Drehungen sowie die exakten Schrittfolgen waren eine Augenweide von hohem ästhetischem Reiz. Überdies versprühten die Tänzerinnen und Tänzer eine fesselndekühle Erotik.



(Foto: Frank Sygusch)


Zur fröhlich-feierlichen Musik von G.F. Händel tanzte das Bohemia Balet Prag eine eher heitere und helle Sequenz aus dem Stück „Verdunklung“. Wie von der Schwerkraft befreit vollführte die Kompanie fließende klassische Bewegungsfolgen, die immer wieder subtil witzig gebrochen wurden. Auf der Bühne wurde Schabernack getrieben: Da neckten die Männer die Frauen und umgekehrt. Als vollkommener Gegensatz zu dieser Leichtfüßigkeitentpuppte sich das Solo „Enjoy the Pain“ von und mit Stephen Delattre vom Ballett Augsburg. In einem fahlen blauen Lichtspottanzte Delattre spannungsreich expressiv. Das Ringen mit Schmerz und Verzweiflung drückte der auf der weiten Bühne verlassen wirkende Tänzer in zahlreichen Nuancen tief empfunden aus. Die Intensität der Darbietung nahm auch das Publikum gefangen.


(Foto: Frank Sygusch)

Michal Zabavik und Bostjan Ivanjsic von The Alpha Group Graz führten ein Duett aus „Timextensios“ (von Darrel Toulon) vor. Nicht ohne Erotik zeigten die Männer im energiereichen Pas de Deux ein Spiel von Macht und Überlegenheit, das aufregend irritierend zwischen männlichen und weiblichen Positionen changierte. Auf das Herrenduo folgte ein spielerisches Damenduett mit Risa Tateishi und Rosa Ana Chanza Hernandez vom Ballett Dortmund in einer außergewöhnlich ideenreichen Choreografie vonMauro Bigonzetti. Dieser fand zu ganz eigenen Tanzbildern, die - weit entfernt von abgedroschenen, etablierten Bewegungssequenzen - die Gattung Duett variantenreich neu belebten.

Eine gewagte Mixtur aus Zaubershow, Zirkus, Technoformation und einem Hauch Sadomasochismus präsentierte das Tanztheater Kielce (Polen). Zur eruptiv-gewaltigen Musik mit martialisch gleichförmigem Beats tanzte das Ensemble meist gleichgeschaltet synchron Formationen, die von kommerziellen Tanzshows beeinflusst zu sein schienen. Atemberaubend war die enorme Geschwindigkeit der Bewegungsabfolgen. Das Publikum wurde auch mit Käfigen, die Paare enthielten, konfrontiert. Wie beim Stangenturnenumspielten die Tänzer die Metallstäbe, umwanden diese wie Gewinde geschmeidig. Die Damen kletterten abwechselnd auf das Käfigdach, spreizten akrobatisch versiert die Beine und glitten wieder in den Käfig. An die bekannte Zirkusnummer „Zersägte Jungfrau“ erinnerten Holzkistenteile, aus denen Tänzerinnen stiegen. Diese räkelten sich dann wie verführerisch-lockend auf den Kästen. Beeindruckend war vor allem die technische Seite dieser Aufführung wie die überlegen ausgeführten, exakten Bewegungen. Alles in allem schien aber das Verdikt „Sex sells“ über dieser Performance zu stehen. Alle Mitwirkenden der Gala wurden am Ende mit kräftigem Applaus und einigen frenetischen Schreien gefeiert.


(Foto: Frank Sygusch)

An der „TanzArt ostwest“ beteiligten sich insgesamt 17 verschiedene Kompanien aus ganz Europa. Die aufgeführten Stücke gaben intensive Einblicke in die aktuellen Tendenzen der Tanzkunst.Mit zwei Abendveranstaltungen in der TiL-Studiobühne wurde das Tanzfestival am Sonntagabend beendet. Die Landschaft war das Thema der Tanzimprovisation „To the centre of the first“ von Miranda Glikson (Tanzcompagnie Giessen). Aparte, nicht menschenähnlich wirkende Figuren formte die Tänzerin mit ihrem Körper. Diese organisch-bizarren Körperskulpturen standen in Beziehung zu einer Projektion einer rötlich, zerklüfteten Felswand und einem dürren zerborstenen Baumstamm. Akkordeonist Manfred Becker untermalte mit leisen, tonlosen Windgeräusche die Darbietung, die sich zwischen den Polen von Natur und Kunst bewegte. Puristische, komplex verdichtete Figuren zeigte das Solo „Half of one“ von Melanie Clarke aus Großbritannien. Die schwebende Zartheit dieser gefühlsbetonten Performance gefiel. Seele und Ego können sich nicht auf einen gemeinsamen Todestag einigen;dies thematisierte „The next door“ vom Stahltanzwerk Lüneburg. Dabei stellte ein zwölfjähriges, mit kleinen Flügeln ausgestattetes Mädchen die Seele dar, Heidrun Stahl eine junge, normale Frau. Die Aufführung ging spielerisch unbeschwert und ohne Schrecken mit dem ernsten Thema Tod um.


Melanie Clarke zeigte das Solo „Half of one“ (Foto: Frank Sygusch)


In der Tänzerin und Choreografin Melanie Venino aus Valencia steckt auch eine Komikerin.In einem ihrer Stücke saß sie zunächst unsichtbar für die Zuschauer in einem riesigen Blumentopf. Dann sprossen die Arme einer wachsenden Pflanze ähnlich aus dem Topf, dem sich die Tänzerin in Folge ganz entwand. Aber das Fortkommen bereitete der Frau einige Schwierigkeiten: Sie legte Erde auf den Boden und schien dort wieder Wurzeln zu schlagen. Zum Abschluss führte die britische Kompanie„Naomi Lefebre Sell and dancers“ eine Performance über das buddhistische Wahrheitskörperchen „Dhamakaya“, der dem Zustand der Leere entspricht, auf. Vier Tänzerinnen in goldenen Kostümen führten sparsame, unspektakuläre Bewegungen aus, die Ausrichtungen und Ortungen in einer Art Kraftfeld zu sein schienen. Wie vom Zufall geleitet durchschritten sie den Raum, so entstanden in immer neue Anordnungen undMuster, die wieder verändert wurden. Diese instabilen Körperbilder standen im Kontrast zu einer permanent monoton vibrierenden Klangfläche. Insgesamt verfügte die sich in beruhigender Langsamkeit vollziehende Darstellung über eine hohe ästhetische Qualität und hatte als Ausklang des umfangreichen Programms eine wohltuend erhebende sowie ausgleichende Wirkung. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall.



Giessen, 12. Mai 2008 / Text: Tanja Löchel / Fotos: Frank Sygusch


Event Kalender
Februar 2012
  • Mo
  • Di
  • Mi
  • Do
  • Fr
  • Sa
  • So
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14
  • 15
  • 16
  • 17
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23
  • 24
  • 25
  • 26
  • 27
  • 28
  • 29
Anzeigen

Giessen Links

Stadt Giessen
Justus-Liebig-Universität
Fachhochschule Giessen
Tourist Information Giessen
Kunsthalle Giessen
Stadttheater Giessen (Jahresprogramm)
Mathematikum in Giessen (Jahresprogramm)
Botanischer Garten in Giessen
Liebig Museum in Giessen
Kümmerei in Giessen
Messe Giessen

Giessen Mensaspeiseplan

Ihre Meinung ist uns wichtig!


Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit und teilen Sie uns in ein paar Worten mit, was wir für Sie noch verbessern können,
was Ihnen gefällt oder was Sie eben nicht so toll finden.

Giessen-Server.de Newsletter


Sehr geehrte Damen und Herren,
gerne informieren wir Sie gezielt über aktuelle Beiträge, die auf dem Online Magazin Giessen-Server.de erscheinen. Bitte teilen Sie uns einfach mit, welche Themen Sie interessieren. Mehrfachnennungen sind möglich: