
An den Universitäten in Frankfurt am Main hat Gabi Schaffner ein Studium der Deutschen und Amerikanischen Literatur und Ethnologie absolviert, und anschließend in Hamburg Visuelle Kommunikation studiert. "Phänomene der Inneren Topographie" so lautete der Titel ihrer Abschlussarbeit in Hamburg.

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Nun legte Gabi Schaffner im Doppelzimmer eine Schallplatte auf den Plattenteller und ging "in´s down". Die Scheibe darf als ein Ethnomix-Konzeptalbum bezeichnet werden und vereinigt unter dem Titel „Lumimusikki Kokoelma“ die finnische Schneemusik, die Gabi Schaffner irgendwo in Finnland lokalisiert und tontechnisch als Ethnographin aufgesammelt hat. Dabei handelt es sich um Feldaufnahmen von Schneespaziergängen in Finnland, die anschließend zu Stücken gemixt wurden, mit Hilfe der modernen Elektronikszene in Helsinki. Ungefähr 3 Jahre Feldforschung und Ausarbeitung stecken in dem Projekt, das mit Unterstützung des Goethe-Instituts nun auch in Finnland offiziell vorgestellt werden kann.
Alles Instrumentalaufnahmen und Gesangsstücke, die beim ersten Hören etwas gewöhnungsbedürftig klingen. Allesamt aber erstaunliche Ergebnisse einer Klangarbeit auf „gleichrangig hohem Niveau“, so die Vortragende. Jeder Titel kann einem bestimmten Ort zugeordnet werden und dokumentiert eine musikalische Tradition der Region.

Ähnlich wie ihre schriftstellerischen Publikationen, die im Selbstverlag als „Galgenmädchen Edition“ erschienen sind, haftet der LP etwas von einer gewissen Form des schrägen Humors und der Gewitztheit an, immer schon an interessanten, topographischen Orten gewesen zu sein, die von anderen erst später entdeckt werden müssen, um zu verstehen, dass es Heimat ist, das die Abenteuer entbindet. Und so entwickelt sich der Auftritt von Gabi Schaffner zu etwas, das als erzähltes ethnographisches Gespräch über sich selbst gerät und mit einer Einladung an die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem inneren Dialog über das Fremde verbunden wird.
Zweifelsohne enthalten die Geschichten, die erzählt werden, sehr viel an wahren Fakten, so wie jeder einzelne Ton der Baumharfe, der mit unserem Sinnesorgan Ohr zu hören ist. Und der Rhythmus erinnert an etwas Magisches, das sich immer und immer zu wiederholen scheint, wie ein Stampfen mit Holzklöppeln, das im gleichmäßigen Schlagrhythmus aus der Milch die Butter im Fass macht, usw. Dann aber unterbricht der Offbeat des gezupften Instrumentes die Rhythmik.
Tatsächlich: alle Geräusche und Melodien, die gehört werden sind authentisch, wie auch die Phantasien, die sich daraus entwickeln können: Solange es sich um die eigene Projektionen handelt, die sich aus den Bilder- und Lautwelten ergeben und einen Sinn vermitteln, der über Klang und Bedeutung erschlossen wird. Leider kann man den Schnee der finnischen Schneemusik noch nicht riechen; das wäre schon ganz schön aufregend und spannend, wenn ein weiterer topographischer Sinnsucher, die Nase hinzukäme, um der finnischen Schneemusik auf die Spur zu kommen.
Es lohnt sich wirklich die Arbeiten im Doppelzimmer anzuschauen, anzuhören und in den Publikationen zu lesen, die von Gabi Schaffner ausgestellt sind. Ein kurzes Hörbeispiel als Auszug von der Ausstellungseröffnung und ein Stück freie Erzählung als Erklärung von Gabi Schaffner dazu:
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(Gabi Schaffner)
Die Ausstellung geht bis zum 19. Juli 2006 und ist mittwochs zwischen 17.00 bis 20.00 Uhr und samstags zwischen 14 bis 18.00 Uhr, sowie nach tel. Vereinbarung unter 0641-9716199, geöffnet
Giessen, 08. Juli 2006 / alle Hörbeispiele der Ausstellungseröffnung sind im Sinne der journalistisch-ethnographischen Feldforschung entstanden
Mai 2012
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