
GIESSEN (fsy). Ich hatte einen Traum: Wie im Landkreis Giessen, so in der Stadt Giessen. In beiden, vom Souverän gewählten Parlamenten geben die Vertreterinnen und Vertreter der Parteien, die nach dem Bundesverfassungsgericht als Sprachrohr des mündigen Bürgers gelten, zur Zeit keine glückliche Figur ab. Lässt man nur einige Ereignisse und persönliche Äußerungen von Beteiligten der letzten Woche Revue passieren, so braucht man kein Psychoanalytiker zu sein, um festzustellen, dass hier irgendetwas aus dem Lot gerät und die innere Unruhe mächtig auf der öffentlichen Bühne auftreten will.
Da stimmt ein Abgeordneter der Grünen im Stadtparlament, Herr Grothe, der gleichzeitig Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Hessen ist, aus Angst vor der Koalitionsbestrafung gegen sein eigenes Gewissen und Wissen. Vor was hat er eigentlich mehr Angst: vor der CDU, der FDP, den Flüchtlingen oder der Freiheit?

Da schreit ein FDP-Abgeordneter im Kreistag, Herr Becker dazwischen: „Extremisten unter sich“, weil die Gruppe der Linken einen ehemaligen Republikaner und CSU-Mitglied als hauptamtlichen Kreisbeigeordneten zur Wahl vorschlägt. Nun, weiß es Herr Becker denn wirklich nicht, dass im Unterbewussten ganz andere Gesetze gelten, wenn es um politische Koalitionen geht? Kann es ihm vielleicht jemand erklären? Nein, das geht nicht. Er muss es selbst verstehen.
Und da träumt die ehemalige Vorsitzende der Kreistags-CDU, Frau Dr. Watz (die nicht mehr im Kreistag Abgeordnete ist, aber weiterhin gehört werden möchte, was ihr legitimes Bürgerrecht ist) von ihrer Macht der Frauen in Parteien und Parlamenten öffentlich im Leserbrief der Tageszeitung und wünscht sich eine Frau als Kandidatin für das Amt der Kreisbeigeordneten.
Die „demokratisch durchgesetzte Gleichberechtigung“ innerhalb der CDU Fraktion im Kreistag hat aber einen Mann ausgewählt: Das ist gender-Macht, wie im Traum. Aber im Traum ist eben alles möglich … (I had a dream …).
Doch was ist mit dem Volk? Ich träumte das Volk will den realen Tagträumern in den Parlamenten nicht mehr länger zuhören und zuschauen, und der Souverän hält sich in den Parlamentswochen / Kalenderwochen die Ohren und die Augen zu? Sozusagen als eine Idee von Abwehr und Kontrapunkt für die Nacht im Tag, weil der Souverän sonst Kopfschmerzen bekommt, oder traurig wird, oder wütend wird, oder auf Reisen geht, usw.
Nun, alle Menschen, die träumen verstoßen gegen ihr Gewissen und das ist auch gut so; und die Gruppe der Linken im Kreistag arbeitet auch an ihrem Gewissen und besonders für den entstandenen persönlichen Schaden (das Tagesgeld), der bei Kreistagssitzungen nach Stunden bezahlt wird. Und je länger die Sitzung andauert, desto mehr pekuniärer Aufwand wird anschliessend als persönliche Entschädigung ausgezahlt, weil der wahre Wert eines Menschen ja sein Warenwert ist. Und der ruht in Parlamentssitzungen, es sei denn man ist Berufspolitiker.
Mit Freiheit allerdings hatte die Äußerung der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden und Bewerberin für das Amt der Bürgermeisterin, Gerda Weigel-Greilich (Grünen) sehr wohl zu tun, als sie auf einer öffentlichen Mitgliederversammlung der Grünen im Stadtverband die SPD mit „einer in die Enge getriebenen Ratte“ verglich.
Diese Äußerung gehört leider in eine andere, tiefer gelegene Schublade, und muss als besonders bedeutsam eingestuft werden, wenn das psychosoziale Ohr einer Stadt zuhört. Auch wenn sich Gerda Weigel-Greilich als Abgeordnete eines Stadtparlamentes / Magistrates für ihren Vergleich entschuldigen wird, bleibt jedem, der es jetzt weiß bewusst, dass hier eine Politikerin, öffentlich und laut geträumt hat. Und sie hat damit bereits als Politikerin besonderes bewirkt: den Mangel an politischer Kultur in eine schwindeleregende Höhe getrieben.
Für ein öffentliches Amt ist Frau Gerda Weigel-Greilich nach dieser Äußerung nicht mehr vorschlagbar; außer in meinem Träumen, die in der Regel bei Nacht stattfinden.
Giessen, 13. Juli 2006 / Bild und Kommentar (als Traum oder Alptraum): Frank Sygusch
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