GIESSEN (mip/r). Am letzten Freitag geschah Chandler Wobble an einem Ort, der für eine öffentliche, aber nicht kulturspezifische Nutzung vorgesehen und entsprechend in der allgemeinen Wahrnehmung besetzt ist: Der Sportplatz der Universität.

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Dort trainierte gleichzeitig und zufällig eine Frauenhandballmannschaft und Chandler Wobble geschah einfach. Und alle Sportlehrinnen, der Trainer und die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten sich frei im Raum bewegen und den Klangraum entdecken und einnehmen. Ein Gast legte sich vorsichtig in die Nähe der Mitte des Rasenplatzes, ein anderer traute und wagte sich nur vorsichtig und Schritt für Schritt auf die ungewohnten Aktionsflächen vor.

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Die trainierende Mannschaft und der Trainer wirkten über das öffentliche Ereignis irritiert und fragten nach, was denn hier getestet werde: vielleicht eine funkelnagelneue Lautsprecheranlage für die Universität? Und was macht der Mann da, der da mit der Sonnebrille am Schlagwerk, was testet der?


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Konzeptuelles
Mit der Einrichtung und an einem solchen Ort spielt Chandler Wobble mit dem öffentlichen Raum und Erwartungen an diesen: technisch gesehen, dient eine Beschallung wie die hier verwendete an öffentlichen Orten eigentlich der Informations-vermittlung. Gefragt ist akustische Verständlichkeit, Eindeutigkeit; die Lautsprecher selber werden funktional und möglichst unauffällig angebracht.
Chandler Wobble nimmt diese Konventionen auf und verkehrt sie vollkommen: was die Besucher hören, verweigert gerade die Eindeutigkeit; an die Stelle akustischer Verständlichkeit tritt die Sinnlichkeit von Klängen. Die Eigenart der Technik, sonst als Einschränkung wahrgenommen, zeigt sich als ästhetische Qualität; die Lautsprecher selber werden sichtbar als klingende Objekte präsentiert.

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Die Orte der Aufführungen erfahren so eine grundlegende Umdeutung. Das ist besonders deutlich z.B. in Sportstadien, wo mit Installation der Beschallung auf dem Spielfeld dieses zum Areal der Besucher wird, die sich sonst an seinen Rändern aufhalten und die Akteure von außerhalb betrachten. Dabei wird die Spielfläche ausgerechnet durch die Lautsprecher, deren Einsatz normalerweise einer ‘ordentlichen‘ Nutzung des Platzes dienen, genau dafür blockiert.
So spielt Chandler Wobble mit der Situation eines öffentlichen Ereignisses, indem es dabei eigentlich bekannte Bestandteile gegeneinander verschiebt.

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Durch diese Wendungen rückt Chandler Wobble funktionale und ästhetische Momente öffentlicher Orte auch jenseits der Aufführungen ins Bewußtsein - scheinbar selbst-verständliche Elemente des Öffentlichen werden dann mit anderer Aufmerksamkeit wahrgenommen.
Von einer vielkanaligen, spezifischen Lautsprecher-Konstellation wird eine Klang-komposition projiziert, die durch improvisierende Musiker zur Aufführung ergänzt werden kann.

Die Einrichtung der Konzertsituation besteht aus Hornlautsprechern - sog. Druck-kammerlautsprechern -, wie sie an öffentlichen Plätzen (Sportplätzen, Bahnhöfen) für Durchsagen installiert sind. In einer ausgedehnten Aufstellung werden sie in verschiedenen Orientierungen ausgerichtet, so daß es kein einzelnes Zentrum gibt.
Das Publikum kann (und sollte) sich frei zwischen den Lautsprecher bewegen.
Giessen, 04. August 2008 / alle Fotos und Aufnahmen der Tonsequenzen von der konzertanten Klanginstallation: Giessen-Server.de
Juli 2010
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