
Sarkophage in der Nekropole von Termessos. (Bild: Stefan Brenne)
GIESSEN (mip/r). Neue Medien, Interaktivität, SMS oder blogs sind für viele im Privatleben inzwischen ganz selbstverständlich. Wie man sie aber auch für eine traditionelle Lehrveranstaltung der Klassischen Archäologie gewinnbringend einsetzen kann, das testet die Medienstelle des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften (FB 04) an der Justus-Liebig-Universität Gießen vom 27. August bis 14. September 2006 während einer Exkursion in die Türkei unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfram Martini. In Zusammenarbeit mit Sabine Scheele entstand ein innovative Internetauftritt. Dort finden die Studierenden – und alle Interessierten – schon jetzt archäologische und praktische Informationen zum Reiseziel. Der Clou: die Arbeit wird während der Exkursion fortgesetzt.
Die Karte mit der Route ist interaktiv, Programm und Wetter werden während der Reise immer aktuell angezeigt. Über Menü-Leiste, Karte oder Kalender gelangt man in das Programm und zu den einzelnen Objekten, kann zwischen Textinformation und Bildergalerie wechseln und findet Literatur- oder Link-Hinweise ... und natürlich die aktuellen Tagebucheinträge. Alle Registrierten können mitmachen, Fachtexte oder Referattexte beisteuern, während der Reise die neuesten Bilder einfügen und sich an den Tagebüchern beteiligen: einem fachlich orientierten (ArchäoBlog) und einem allgemeinen (DiaBlog). Ist einmal kein Internet-Café verfügbar, gehen die Texte per SMS an Gießener Korrespondenten und werden dann auf die Web-Seite übertragen. Und per E-Mail können sich auch Gäste an einem GästeBlog beteiligen.

An der Konzeption beteiligt hat sich die Medienpädagogin Dr. Bettina Pfleging von prometheus – Das verteilte Bildarchiv, an dessen Aufbau die Universität Gießen beteiligt war. Die Deutsch-Griechische Gesellschaft Gießen unterstützt das Projekt, und als Korrespondentin konnte die freie Fotografin und Reiseautorin Barbara Tolle aus Tübingen gewonnen werden, von der viele praktische Tipps erhofft werden.
Mit der medialen Exkursion verfolgen die Professur für Klassische Archäologie und die Medienstelle am FB04 viele Ziele gleichzeitig: Die Studierenden sollen noch aktiver und nachhaltiger in die Lehrveranstaltung eingebunden werden, und der Lerneffekt soll sich
durch einen möglichst vielseitigen Umgang mit den Materialien verstärken. Das Medium Internet soll als ernsthaftes Instrument auch für die Geisteswissenschaften begriffen werden, was nur durch fachlich fundierte, überprüfbare und personalisierte Einträge gewährleistet ist. Für die Universität und den privaten Kreis der Mitreisenden, aber auch für die breite Öffentlichkeit soll die Arbeitsweise und Didaktik einer Lehrveranstaltung transparent werden, die eben mehr ist als ein Betriebsausflug unter südlicher Sonne. Und nicht zuletzt soll sich die Arbeit lohnen und möglichst vielen Nutzern und Nutzerinnen bei ihrer Vorbereitung der nächsten Türkeireise helfen.
Giessen, 25. August 2006 / Bilder: Stefan Brenne
Mai 2012
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