GIESSEN (mip/r). Dirigenten hält er für abkömmlich, Wagner für entbehrenswert, die Sängerin Sarah hingegen für eine sensationelle Vertreterin des weiblichen Geschlechts – schade nur, dass der Kontrabassist vom dritten Pult bisher nicht den Mut dazu gefunden hat, sie anzusprechen. Wenn sie auf der Bühne ist, spielt er besonders schön, sie aber bemerkt ihn nicht einmal – klar, denn wie reizvoll klingt denn bitte schon ein Kontrabass?
Der von Patrick Süskind geschilderte Protagonist hadert mit Berufswahl, Schicksal und mit seinem sperrigen Instrument, dem er in Liebe und Hass gleichermaßen zugetan ist. Also flüchtet er: In den Alkohol, in die Kunstkritik und in Tagträume von einer ebenso lang ersehnten wie großartigen Lebenswende. Bei der Premiere heute Abend, so phantasiert er, soll es geschehen: kurz vor Beginn will er lauthals nach Sarah rufen und mit diesem durchdringenden Schrei alles verändern ...
Erneut kehrt Johannes Lang mit der gefeierten Ein-Mann-Produktion auf die Bühne des TiL in Giessen zurück. DER KONTRABASS erzählt von Liebe und Sehnsucht, von Resignation, Unzufriedenheit und Angestelltenfrust. Hin- und her gerissen zwischen Anteilnahme, Mitleid, Lachen und Heiterkeit erlebt der Zuschauer einen Menschen, der sich seiner eigenen Welt entfremdet hat.
Leitung: Andreas Bauer
Mit: Johannes Lang
Wiederaufnahme: 29. August 2008 | 20.00 Uhr | TiL
Weitere Vorstellungen: 6., 14. und 21. September 2008, jeweils 20.00 Uhr | TiL
Giessen, 27. August 2008
Februar 2012
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