

Im Rahmen des Apero 2006, im Kunstraum Doppelzimmer in der Ludwigstrasse 33 am vergangenen Samstag, öffnete nun, kuratiert von Meike Behm, eine Ausstellung von Kerstin Cmelka mit aktuellen Arbeiten der Künstlerin. Jedes Objekt für sich alleine entdeckt, offenbart im Doppelzimmer verteilt eine faszinierende Ausstrahlung.

Kerstin Cmelka mit Werkzeug schaut durch das Fenster in den Kunstraum des Doppelzimmers (Bilder: Frank Sygusch)
Der gezeigte kurze Film, das Video "A Mechanical Theatre", 2006 (DVD) stößt den Betrachter von einer Grenzlinie zurück auf sich selbst, wenn er Bilder zwischen gewohnter Kinoerwartung und gewünschter, aber erwarteter Überraschung sucht und zunächst gar nichts Vergleichbares vorfindet. Die tanzenden Personen scheinen etwas wiederholend einzuüben.

Mit der Kamera während einer Filmpause am Set eingefangen, entstand das Kunstwerk. Nun warten die Betrachter vergeblich auf den Sinn, der sich aber nur in Gesten zeigt und nicht in der sich immer wiederholenden Handlung offenbart. Der Fernsehbildschirm steht auf dem Boden, und die Zuschauer müssen den Kopf schon nach unter verneigen, um etwas sehen zu wollen.

Kerstin Cmelka (Bild: Frank Sygusch)
Und fehlt da nicht etwas vor dem nächsten Objekt, dem farbigen Teppich, ganz alleine ausgelegt auf dem blanken Fußboden im hinteren Zimmer des „Kunstraumes Doppelzimmer“ und eben nicht angebracht als Wandteppich in Augenhöhe? Vielleicht fehlt ein Schildchen mit der Aufschrift „Vorsicht Kunstwerk, Bitte nicht betreten“; oder „Bitte vor dem Beschmutzen die Schuhe und/oder Kleidung ausziehen“; oder eine ähnliche subversive Vorschrift.
Aber sobald man nur ein paar Minuten vor dem Teppich in Andacht verharrt, dann passiert tatsächlich etwas sonderbares und „die Sinne beginnen zu fliegen“. Denn die auf dem Teppich abgebildete Person öffnet den Raum der vertikalen weißen Wand schlagartig ins Unermessliche und später kann der Betrachter ja noch den Titel des Objektes lesen, der den Weg beschreibt, den man längst gegangen ist: „Let you senses guide you“. ("Lass dich von deinen Sinnen lenken", also immer von mindestens 2 zumindest).

Die multistabile Lampenkonstruktion mit den vier innenseitig angebrachten und flackernden Laserlämpchen hängt an einem seidenen Faden und will unabhängig sein. Einige der Besucher der Ausstellung fassen das Objekt spontan an und möchten es drehen oder in Bewegung bringen. Die Kuratorin greift aber sofort ein und ruft: „Bitte nicht berühren! Das ist ein Kunstwerk!“ Aber was ist passiert, wenn die Besucher das Kunstwerk anstoßen? Wird das Kunstobjekt verstoßen, oder die Künstlerin oder verrückt man sich selbst? Die Lämpchen jedenfalls erzeugen ein zuckendes Licht, das dem Fotodruck auf dem Leuchtpapier von hinten einen schwachen Impuls geben soll. Ein Signal für den Betrachter und tatsächlich: die Konstruktion führt den Betrachter zwangsläufig auf das Bild, das rund herum zweimal die Geste der abgebildeten Person beleuchtet und vorführt. Ganz anders als der Silbergelatineabzug von 100 x 150 cm „A Mechanical Theatre“ (Foto),der in Augenhöhe an der Wand im Zimmer hängt. Die mehrfach abgebildeten Gesten und die versteckte Mimik kann vom Betrachter immer nur an einer Stelle fokussiert werden, so wie das Auge beim Betrachten unserer eigenen Haut immer nur eine Stelle verstehen will.
Giessen, 04. September 2006 / Text und alle Bilder: Frank Sygusch
Mai 2012
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