KARLSRUHE (mip/r). Zum 18. Mal feiert die Bundesrepublik am 03.10.2008 den Tag der deutschen Einheit. Und auch nach 18 Jahren sind die Folgen der jahrzehntelangen Teilung noch zu spüren. Wie KünstlerInnen sich mit Themen rund um die Wiedervereinigung auseinander setzen, hierzu lohnt anlässlich des Tages der deutschen Einheit ein Blick in die Ausstellung »Vertrautes Terrain – Aktuelle Kunst in/über Deutschland« im ZKM | Museum für Neue Kunst in Karlsruhe.
Manfred Pernice (*1963 in Hildesheim, lebt und arbeitet in Berlin) widmet sich mit seiner Arbeit »Hässliche Luise« einem der letzten Plattenbauten, der auf dem Gebiet des Regierungsviertels in Berlin stand, und welcher schließlich im Jahr 2003 gegen den Protest seiner Bewohner abgerissen wurde. Pernice dokumentierte über Monate die Zerlegung des Gebäudes in seine Einzelteile, sammelte Zeitungsartikel und führte Gespräche mit den ehemaligen Mietern. Die gesammelten Teile, zum Beispiel die im ZKM ausgestellte Badezimmerzelle sind einerseits skulpturale Objekte – Objects Trouvés – anderseits Monumente einer entsorgten DDR-Geschichte.
»Die verschwundenen Bilder« von Margarete Hoppe (*1981 in Greiz, lebt und arbeitet in Leipzig) zeigen Orte, an denen repräsentative Kunstwerke der früheren DDR ihren Platz hatten. Diese inszeniert Hoppe als Leerstellen, die allein über die Nennung von KünstlerInnen, Entstehungsjahren und Räumen einen Bezug zu jener (kunst)historischen Vergangenheit herstellen. Die fotografierten Settings sind »stille Tatorte, die auf den Punkt hinweisen, an welchem Erinnerung verlöscht«. Über die Fokussierung dessen, was in den Fotografien abwesend ist, wirft Hoppe die Frage auf, wie sich über die Sicht – beziehungsweise Unsichtbarmachung des eigenen kulturellen Erbes ein spezifisches gesellschaftliches Selbstverständnis konstituiert.
Das Projekt »Vitales Archiv« von Sandra Kuhne (*1972 in Dresden, lebt und arbeitet in Berlin) basiert auf einer Sammlung von Restbeständen geschlossener DDR-Fabriken, die derzeit 600 verschiedene Artikel umfasst. Diese Gegenstände, die den Wertewandel oder -bruch einer ganzen Nation aufzeigen, können von BesucherInnen der Ausstellung entnommen und für eigene künstlerische Arbeiten verwendet werden. Ziel des prozesshaften Projekts ist eine »Material- und damit einhergehende Erinnerungstransformation«.
Die genannten Werke sind noch bis zum 12. Oktober in der Ausstellung »Vertrautes Terrain – Aktuelle Kunst in/über Deutschland« im ZKM | Museum für Neue Kunst in Karlsruhe zu sehen.
Weitere Informationen unter: www.vertrautes-terrain.de
Giessen, 26. September 2008
Februar 2012
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