WIESBADEN (mip/r). Landtagspräsident Norbert Kartmann stellte heute die von Dr. Andreas Hedwig im Auftrag des Hessischen Landtags herausgegebene Publikation „Die Kabinettsprotokolle der Hessischen Landesregierung – Kabinett Stock 1947-1950“ vor.
Das Buch ist im Rahmen des Forschungsvorhabens „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“ in das Publikationsprogramm aufgenommen und konnte damit finanziell gefördert werden. „Diese Seiten sind ein ausführliches Kompendium über die Arbeit des Kabinetts Stock. Es sind Dokumente aus der Zeit, in der die hessische Demokratie ihre Prägung erhielt“, betonte Kartmann. „Das Kabinett Stock hatte sich den Herausforderungen zu stellen, ein demokratisches Hessen aufzubauen und die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen der Bürgerinnen und Bürger Hessens und der vielen hunderttausend Flüchtlinge zu sichern. Dass sich Hessen innerhalb kürzester Zeit nach Ende der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zu einem demokratischen Bundesland entwickelt hat, ist auch ein Verdienst von Christian Stock“, so der Landtagspräsident.
Am 01. Dezember 1946 stimmten die Bürgerinnen und Bürger Hessens einer rechtsstaatlich-demokratischen Verfassung zu und wählten erstmals einen Landtag. Das von der amerikanischen Militärregierung eingesetzte Allparteienkabinett machte damit einer demokratisch legitimierten CDU/SPD-Koalitionsregierung unter dem Sozialdemokraten Christian Stock Platz. Neben der Bewältigung der schlimmsten materiellen Not und der Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft, stand nun die Verwirklichung der Hessischen Verfassung im Mittelpunkt der Regierungspolitik. Grundlegende Beschlüsse betrafen den organisatorischen Aufbau, das Zusammenwirken der Staatsorgane sowie sozial- und wirtschaftspolitische Verfassungsziele. Auch den durch die Verfassung vorgegebenen politischen Auftrag, die deutsche Einheit herbeizuführen, verfolgte die hessische Landesregierung zielstrebig und konsequent. Hessen war maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass ab September 1948 der Parlamentarische Rat in Bonn seine Arbeit aufnehmen konnte und damit der Weg zum „Weststaat“ und zum Grundgesetz offen stand.
Die umfangreiche Dokumentation zur hessischen Nachkriegsgeschichte wendet sich nicht nur an Fachwissenschaftler, sondern dient auch als Lese- und Arbeitsbuch für Universitäten, Schulen und ein zeitgeschichtlich interessiertes Publikum. Detaillierte bibliographische Daten sind im Internet abrufbar unter: http://dnb.d-nb.de ISBN 978-3-930221-20-2.
Giessen, 29. September 2008
Februar 2012
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