Am Mittwoch, 15. Oktober um 20.00 Uhr im Netanya-Saal
im Alten Schloss in Giessen, Brandplatz
GIESSEN (mip/r). Der Oberhessische Geschichtsverein Giessen e.V. (OHG) beginnt seine Vortragsreihe im Winterhalbjahr 2008/2009 mit dem Thema „Fußball und Memorialkultur“.
Dr. Markwart Herzog, wissenschaftlicher Referent der Schwabenakademie Irsee, ist Spezialist für die Geschichte des deutschen Fußballs wie für Memorialkultur. Beide Themen kommen in seinem Vortrag für Giessen zusammen.

Die Geschichte deutscher Fußballvereine reicht teilweise bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die großen Traditionsvereine können auf eine mehrere Generationen umfassende Historie zurückblicken. Damit erschließen sich die verschiedensten Felder der Erinnerung: in Festschriften der Rückblick auf bedeutende sportliche Erfolge oder Niederlagen, die in Statistiken und Tabellen erfassten Spielzeiten, das mit Worten wie „Weißt Du noch damals ...?“ eingeleitete Kameradengespräch im Vereinsheim. Archive und Museen gedenken der großen Spieler und Funktionäre, vergilbte Fotos veranschaulichen Vereinsgeschichte, Devotionalien machen sie sinnlich-materiell
greifbar.

Die meisten Vereine gedenken an bestimmten Tagen der Verstorbenen, errichten Gedenksteine und -tafeln, publizieren Nachrufe, schalten Todesanzeigen, benennen Sportstätten nach den Helden von einst. In Großbritannien hat sich eine differenzierte Sepulkralkultur herausgebildet, die auch die Bestattung verstorbener Vereinsmitglieder in den Stadien vorsieht. Und in Deutschland werden erste Fan-Friedhöfe errichtet.
Ein besonderer, politisch brisanter Aspekt ist mit dem Gedenken an jüdische Vereinsmitglieder vor 1945 gegeben. Die NSDAP versuchte, wenn auch mit begrenztem Erfolg, die Memoria jüdischer Sportler durch Verschweigen zu vereiteln. Instruktive Beispiele hierfür lassen sich in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bunds und insbesondere der Frankfurter Eintracht finden. Deshalb wird der Vortrag nicht nur auf die Memorialkultur des Fußballsports eingehen, sondern auch auf die ihr entgegen gesetzte Erinnerungspolitik der „damnatio memoriae“.
Dr. Markwart Herzog ist wissenschaftlicher Bildungsreferent der Schwabenakademie Irsee (seit 1997). Er studierte Philosophie, Theologie und Kommunikationswissenschaften in München, war 1989-1997 wissenschaftlicher Assistent an der Hochschule für Philosophie in München, 1989-1994 am Institut für Fundamentaltheologie und Ökumene der Universität München. 1995 erfolgte seine Promotion in Religionsphilosophie mit einer Arbeit über die philosophischen Deutungen der Höllenfahrt Jesu Christi in der Frühen Neuzeit („Richard-Schaeffler-Preis“ 1997). Zahlreiche Veröffentlichungen über Themen der Religions-, Medizin-, Sport- und Strafrechtsgeschichte. Er ist Mitherausgeber der Irseer Dialoge, zuletzt erschien: Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus: Alltag – Medien – Künste – Stars (Bd. 13), Stuttgart 2008.
Gäste sind willkommen. Informationen zum Oberhessischen Geschichtsverein und den weiteren Vorträgen des Winterhalbjahrs 2008/2009 unter www.ohg-giessen.de im Internet.
Giessen, 30. September 2008 / Bilder: priv.
Februar 2012
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