Giessen: Wissenschaftsstadt und Kulturstandort / Weihnachtsausstellung 2008 in der Kümmerei in Giessen
von Frank Sygusch
GIESSEN. Auf eine Stadtentwicklung, die das Potential der Kulturschaffenden achtet, die Wertschöpfung für einen Kulturstandort fördert und die Resourcen für das sensible Thema der kommunalen Kulturpoltik sichtbar machen will, um künstlerische Ausdrucksformen in die Lebens- und Stadträume einzubeziehen, haben die kulturschaffenden Mitarbeiter der Giessener Kümmerei den Focus gelegt. Seit Anfang Oktober kümmern sich Manuela Weichenrieder und Jörg Wagner, als die offiziellen Kümmerer um so einiges, das vielen in der Stadt Giessen noch gar nicht bewußt sein dürfte.

Die Kümmerer Manuela Weichenrieder und Jörg Wagner eröffneten die Weihnachtsausstellung in der Kümmerei in Giessen
(Bilder: Giessen-Server.de)

Als mobile Einheit in Sachen Kulturförderung und –beratung suchen die beiden Fachleute Impulse für die Umsetzbarkeit von machbaren Möglichkeiten zu geben und zeigen Verbindungslinien, Schnittmengen, Nutzungsbedingungen und Handlungsalternativen auf, um das Reservoir an Kreativität und Wirtschaftskraft zusammen zu bringen.

www.kümmerei.org - "Kümmern - kein Kummer" (Bild: Giessen-Server.de)
Unterstützt werden die beiden von mehreren Ämtern der Stadt Giessen. Dabei geht es um das Herstellen einer Kommunikationsplattform zwischen den Kulturschaffenden und die Bildung eines Netzwerkes; und darum eine integrative Leistung zwischen Stadtverwaltung, dem freien Immobilienmarkt und den Resourcen aus der Kulturwirtschaft durch ein kluges und sinnvolles Leerstandsmanagement entstehen zu lassen.

Weihnachtsausstellung in der Kümmerei in Giessen (Bild: Giessen-Server.de)
„Kümmern – kein Kummer“ ist einer der genialen Hauptgedanken, den die beiden als praktische Tätigkeit umzusetzen suchen. Am Samstag nun eröffnete die praktische Weihnachtsausstellung in dem temporären Raum der Kümmerei in der Dernpassage, um zu zeigen, was die Giessener Kunstszene alles zu bieten hat.
Mit dazu beigetragen haben Galerien, Kunstvereine und Kuratorinnen und Kuratoren und alle präsentieren gemeinsam zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die auf die eine oder andere Art einen Bezug zu Giessen haben.

Thomas Vinson - „white and lines“
Den Giessener Künstler Thomas Vinson, der in der vorgestellten Arbeit „white and lines“ aus dem Jahr 2007 eine MDF-Holzplatte als Werkstoff nutzt, stellte die Kümmerei selbst vor.
Das Arbeitsmaterial von Thomas Vinson ist zu einem Flächenquadrat von 20 x 30 x 3 Zentimeter zugeschnitten und wurde anschließend in einem aufwendigen Malprozess mit aufgetragenen Farbschichten aus Acryl zu einer monochromen Fläche verwandelt. Bis zu 40 Schichten werden aufgetragen und es wirkt auf den Betrachter, als ob die Farbebene die klare Linienführung und den Farbumfang der Flächen aufzuheben scheint. Der monochrome Bildflächenraum wirkt körperhaft und die Schattenbildung verfeinert den Blick zielgerichtet.
Die Bildränder sind zu 40 Grad nach hinten abgeschrägt. Je nach der Perspektive des Betrachters im Raum verändert sich die Verhaltensform des Lichtes für den Blickwinkel an den Kanten und Rändern. Die Orientierung am Kunstwerk wird über die Raumbeugung der Wahrnehmung ermöglicht, die das eigene Auge vollzieht.
Dietgard Wosimsky ist als Kuratorin mit vier Werken der folgenden Künstlerin und Künstler vertreten: Eugen Gomringer, Hein Heckroth, Hella Nohl und Johannes Richtberg Nohl.

„Salbanello Paladin 2005“ von Hella Nohl (Bild: Giessen-Server.de)
Hella Nohl´s „Salbanello Paladin 2005“ aus dem Jahr 2006 ist ein auf 40 x 30 Zentimeter geschöpftes Papier gemaltes Rotweinbild. Seit über 10 Jahren arbeitet und experimentiert die Giessener Künstlerin Hella Nohl mit dem faszinierenden Werkstoff Wein.
Es entstehen vitale Farbkompositionen, die sich vollkommen unabhängig von der Farbwirkung und der verinnerlichten Erfahrung entfalten und ein Eigenleben zwischen Raum und Zeit enstehen lassen, das ausschließlich fernen inneren Bildern zu folgen scheint.
Denn der Wein erwächst in den Trauben, die an den knochigen Reben als einzigartige Weinrebe geformt sich abbilden und entfaltet seine zeitlose und zarte Farbe erst später, die das Vermögen hat sich im Licht zu verwandeln.

"fraum-Objekt" von Jörg Wilczek
Folgende Künstlerin und Künstler sind mit Werken in der Weihnachtsausstellung der Kümmerei vertreten: Jochen Gerhardt, Ria Gerth, Eugen Gomringer, Ingke Günther, Hein Heckroth, Philipp Hennevogl, Ithes Holz, Beate Hübner, Andrea Knobloch, Marko Lehanka, Kim Nekarda, Johannes Nohl, Hella Nohl, Bertram B. Ohne, Ursula Reinard, Gabi Schaffner, Harald Schätzlein, Wolf Schreiber, Thomas Vinson, Gerd Wehmann, Jörg Wilczek und Christina Zück.

"Piazza", Hein Heckroth, 1949 - Kugelschreiber/Papier, monogrammiert
Kuratoren sind Christian Fleißner (ehemals: Doppelzimmer), Dieter Hoffmeister (Oberhessischer Künstlerbund), Markus Lepper (Neuer Kunstverein Giessen), Wolf Schreiber (Wolfwerke), Fritz Westphal (Galerie Remmele), Dietgard Wosimsky (ehemals: Galerie Wosimsky) und die Kümmerei mit Manuela Weichenrieder und Jörg Wagner

Me Marcho Pues, Video von Wolf Schreiber, 2 Min 56 Sek
Bis zum 24. Dezember ist die Ausstellung in der Kümmerei, in der Dernpassage, mittwochs und freitags jeweils 15.00 bis 19.00 Uhr und nach Vereinbarung: Jörg Wagner (Telefon 0171 - 8190246) und Manuela Weichenrieder (Telefon 0163 - 476 9674) zu sehen.
Weitere Informationen unter: www.kümmerei.org
Giessen, 08. Dezember 2008 / alle Fotos und der Textkommentar: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
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