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Tanzstück NICHT COOL von Massimo Perugini im TiL uraufgeführt


Umsetzung von Gruppenprozessen traf den Nerv des Giessener Publikums




Von Tanja Loechel




GIESSEN.                               Starke Körper- und Gruppenbilder prägen die differenzierende Bewegungssprache des italienischen Choreografen Massimo Peruginis. Dieser hat in episodenhaft gereihten Sequenzen, inhaltlich anhand von Prozessen und Interaktionen zwischen Menschen die Thematik „Nicht Cool“ und das Gegenteil „Cool“ ausgelotet. Die Premierenvorstellung seines Tanzabends „Nicht Cool“ fand am Freitag in der TiL-Studiobühne statt. Im Rahmen von Coolness, welche die Distanz, kontrollierte Maske und Unantastbarkeit meint, und dem Uncoolen, was dahingegen für Gefühle, Angreifbarkeit, Verletzlichkeit und Natürlichkeit steht, bewegte sich Peruginis Choreografie. Beide Eigenschaften stellten verschiedene Richtungen im Umgang miteinander dar: Anhand der Tänzergruppierungen, sah man, dass zwischen diesen Polen Wechselwirkungen stattfanden oder sie auch vollkommen voneinander getrennt blieben.








Sven Gettkant, Eoin Mac Donncha, Magdalena Stoyanova, Morgane de Toeuf und Meindert Ewout von der Tanzcompagnie Giessen / NICHT COOL

(Probenfotos: Frank Sygusch)







Morgane de Toeuf und Meindert Ewout von der Tanzcompagnie Giessen









Dem Publikum kam zu Beginn eine aktive Teilhabe am Stück zu, da es nach Einlass auf die Bühnenfläche gehen musste und sich nicht wie gewohnt auf die Plätze setzten konnte. Diese waren von den fünf Mitwirkenden belegt und abgesperrt. Ein wenig unsicher und ratlos, aber auch neugierig und staunend aufgrund der ungewohnten Situation gruppierten sich die Zuschauer im Raum und schauten den Tänzern auf der Tribüne zu. Hier fand leider keine Vermischung beider Gruppen statt, Zuschauer und Tänzer waren als Gruppen getrennt. Dann wurden die Rollen wieder vertauscht. Im weißen Raum, der wie ein unbeschriebenes Blatt wirkte, hinterließen die Tänzer nun ihre charaktervollen Spuren. Paare oder Gruppen kamen zusammen, formierten sich und vollzogen eindrucksvolle Bewegungen, die einem dynamischen Wandel unterzogen waren. Immer wieder war ein einzelner ausgegrenzt, oder Ensembles in verschiedenen Zusammensetzungen separierten sich. Das Abprallen an einer Gemeinschaft oder das Ankommen in einer sowie bei einem anderen Individuum machten die Szenen anschaulich. So kam es auch vor, dass drei Mitwirkende einem Duett zuschauten. Perugini verfügt über eine klare individuelle, einmalige Handschrift. Ihm gelangen erstaunliche Szenen, die auch Behutsamkeit und Zärtlichkeit ausstrahlten. Vielfältige Emotionen wurden transportiert: Wie das Lachen einer Frau, das Leiden an Verletzungen. Ein Markenzeichen Peruginis ist die Einbeziehung von Gesten, der Taubstummensprache ähnlich, und von expressiver Mimik.









Magdalena Stoyanova, Morgane de Toeuf, Sven Gettkant von der Tanzcompagnie Giessen








NICHT COOL - Tanzstück von Massimo Perugini in Giessen uraufgeführt

(Probenfotos: Frank Sygusch)










Die Akteure (Magdalena Stoyanova, Morgane de Toeuf, Sven Gettkant, Meindert Ewout Peters und Eoin Mac Donncha) verfügten über ein hohes Maß an Ausstrahlung. Die überlegene Mühelosigkeit und Genauigkeit, mit welcher sie ihre Parts absolvierten, hinterließ einen bleibenden Eindruck, ebenso das hohe technische Niveau. Die Musiken von den Jazzlegenden Natalie und Nat King Cole gaben einen stimmungsreichen Klangteppich, das Spektrum reichte passend zum Gezeigten von samtigen Streicheleinheiten bis zum beschwingt Fröhlichen. Der Atmosphäre des Stücks kamen die eher experimentellen und gesprochenen Textsequenzen einbeziehenden Klangtapeten des norwegischen Jazzers Arve Henrikson ebenfalls zu Gute. Zu einer Quelle des göttlich inspirierten Friedens und der Schönheit geriet die Szene zu dem „Agnus Dei“ aus Bachs h-Moll-Messe, damit erfuhr der Abend auch eine transzendentale Überhöhung. Einspielungen von mit den Tänzern in Giessen gedrehten Schwarz-Weiß-Filmen erweiterten das direkte Geschehen. Eine unbeschwerte Note fügten die unkomplizierten an den 40er Jahren orientierten Kostüme (Kristina Biedermann) hinzu. Das Stück hinterließ bei dem Anwesenden eine gelassen freundliche Stimmung. Wohlverdient reichlich Applaus ernteten alle Künstler.






Massimo Perugini in Giessen

(Foto: Frank Sygusch)





In weiteren Vorstellungen tanzen auch Svende Obrocki, Antonia Heß, Carine Auberger, Victor Villareal Solis und Paul Zeplichal.






Die Aufführungen sind am 28. Dezember 2008 und 07. Janur 2009 jeweils um 20.00 Uhr in der TiL-Studiobühne (Löbershof 8). Kartentelefon: (0641) 7957-60/ -61








Giessen, 20. Dezember 2008 / alle Probenfotos: Frank Sygusch


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