
WETZLAR (fsy). Um es vorwegzunehmen: die Seele der Imperial Crowns pulsiert und arbeitet sich wahrhaftig und waghalsig an der Ader des Delta Blues entlang und die Musiker entdecken psychodelisch gefördert ihre ureigenen und neuen Interpretationswege. Natürlich abhängig von der Tagesform, aber brilliant in den Details und beeindruckend und abwechslungsreich gestaltete sich die impulsive Mischung aus den verschiedensten Musikstilen des Blues, Funk und Rock, die dabei künstlerisch excellent auf der Bühne zusammengeführt wurden.

Und es bestätigte sich auch das, was die Kritiker der Band längst voraus und nachrufen: auf der Bühne und "live performed" entwickelt sich ein besonders vielschichtiger Musikstil aus dem Zusammenspiel der Gruppe heraus, der im authentischen Ausdruck die Kraft und die Tradition des Blues geradezu explodieren lässt. Da bleibt keine einzige Frage offen.
Die Imperial Crowns sind besondere Persönlichkeiten und leben ihr Musikexperiment auf der Bühne aus. Das Eintrittsgeld ist das Erlebnis allemal schon wert und zu Zeit sind die Musiker eine der besten Live-Bluesbands. Glückwunsch!

Michael Barsimanto streichelt die drums (Bild: Frank Sygusch)
Es krachte so richtig im Francis in Wetzlar und schrecklich laut war der fette Livesound mit der Mischung aus kraftvollen beats, eingestreuten, verschlungenen Funkelementen und den heißen zischenden Rhythmuspassagen. Dabei pulsiert der modulierte Sprechgesang von Jimmie Wood im Wechsel mit den melodischen Tönen, Akkordwechseln und den Slides von der Gitarre, gespielt von J.J Holiday und dazu ein klarer vibrierender Basston.

Michael Barsimanto streichelt dazu die Becken des Schlagzeugs, einmal sanft und wieder heftiger schlagend zur klaren Gesangsstimme von Wood, die der schillernde Künstler mit Harmonika und Gitarrenspiel abwechselnd und wirkungsvoll einsetzte.

Den Mikrophonständer lässt Wood waghalsig hin- und herschwingen und den Kabelsalat der Gitarrenverstärker auf dem Boden tritt er ab und zu mit seinen Lederstiefeln brüsk zur Seite, als ob er dem Liebhaber seiner besten Freundin in den allerwertesten Hintern treten würde.

J.J. Holiday with his shining axe ... ready for hauling and preachin
(Bild: Frank Sygusch)
Die Liste der Musiker und Musikerlegenden ist lang mit denen die Crownsmusiker und speziell Jimmie Wood und der Gitarrist J.J. Holiday gearbeitet haben: Billy Preston, Andy Summer, Freddy King, Greg Allman und viele andere.

In der Formation der Blues Brothers spielten J.J. Holiday und Jimmie Wood im September 2005 als Vorgruppe bei Konzerten der Rolling Stones in Chicago und schon 1984 rockte Holiday zusammen mit Bob Dylan.
Das alles spielt aber genau in dem Moment und spätestens dann überhaupt keine Rolle mehr, wenn die Crowns alleine auf die Bühne steigen und ihre eigene Musik zelebrieren. Eine selten interessante Mischung aus Southern California Funk, Psychodelic Rock und puren Blueselementen. Dabei wunderbar gefühlvolle Stücke, wie "I´m wanna hunt you down (...) and break your heart", das verschiedene Musikstile glänzend zusammenführt und offenlegt.

Dann ruft Jimmie Wood in die Menge "We are the Imperial Crowns and we`re pimping the blues” und beginnt den “kleinen Tod” mit der Stimme und der Mundharmonika zu besingen. Das Thema findet sonst und wenn überhaupt nur auf der Couch bei Psychotherapeuten seine Sprache. Im Live-Blues der Imperial Crowns gehört es zum Alltag der Predigtzeremonie und wird einfach mit den typischen Versen “rolling hard (...) ´till my eyes roll back (…)“ besungen.

Jimmie Wood besingt den "kleinen Tod"/ sings about the "Lil Death" (Foto: Frank Sygusch)
Bereits nach dem ersten Stück ist Jimmie Wood vollkommen durchgeschwitzt, wie ein Prediger, der an einem heißen Sommertag bei 38 Grad im Schatten und in einer Südstaatenkirchengemeinde nur noch eine letzte Chance erhalten hat, den verlorenen Seelen das Heil zu predigen.

Gitarrenrack von J.J. Holiday (Foto: Frank Sygusch)
Gestern predigten Wood und seine Musikerkollegen den "Blues live", fast zwei Stunden lang und die kleine Fangemeinde im Francis erstarrte zeitweise, wie vom Blitz getroffen. Das konnte auch ein Ausdruck von Überwältigung und Anerkennung gewesen sein, doch das gefiel der Band dann zeitweise auch nicht so ganz.

J.J. Holiday joins Keith Foxxe (Foto: Frank Sygusch)
Die Livemusiker suchten intensiv die Interaktion mit dem Publikum, um gemeinsam den Weg und die Geschichten des Blues erzählen zu können. Das gelang dem mittelhessischen Publikum aber nicht ganz so gut. Aber das kann sich heute oder morgen Abend schon ändern, wenn die Imperial Crowns weiterreisen auf ihrer European Autumn tour quer durch einige europäische Länder und in den kleinen und großen Clubs auftreten werden.

Giessen, 02. November 2006 / alle Bilder: /all pictures are copyright and courtesy of: Frank Sygusch (manoumi images / and / www.giessen-server.de)
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