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Geglückte Uraufführung von Feiningers Fugen im Stadttheater






Ballettdirektor Tarek Assam und Ausstatter Lukas Noll erschufen wunderbar bewegende Bildwelten




von Tanja Loechel





GIESSEN.                      Plurimedial konzipiert ist das neue Tanzstück „Feiningers Fugen“, das am Samstagabend im Stadttheater Premiere hatte. Schlüssig wie intensiv setzte sich das Leitungsteam - Ballettdirektor Tarek Assam, Ausstatter Lukas Noll, Chordirektor und Dirigent Jan Hoffmann – mit Leben und künstlerischer Entwicklung des deutsch-amerikanischen Künstlers Lyonel Feininger (1871 bis 1956) auseinander. Durch das Zusammenwirken von Choreografie, Bühnenbild und Musik ist ein faszinierendes, bewegtes Gesamt-Kunstwerk entstanden. Der Tanzabend führte – nach der „Göttlichen Komödie“ – wieder verschiedene Ensembles zusammen. Neben der Tanzcompagnie, sind der Kammerchor Giessen-Wetzlar, der Hauschor des Stadttheaters, Gesangssolisten und das Stadttheater-Orchester beteiligt. Der Beifall für alle Mitwirkenden nach der Uraufführung wollte kein Ende nehmen, immer wieder mischten sich auch Bravorufe in den Applaus.





Feiningers Fugen - Tanzstück von Tarek Assam nach Bildern von Lyonel Feininger

(Foto: Giessen-Server.de)






Das Kompositionsprinzip der Fuge ist ein Merkmal der berühmten Bilder Feiningers. Er selbst betonte seine Beziehung zur Musik Bachs und Fugen in Selbstaussagen. Assam greift daher Kontrapunktik und polyphone „Gesetze“ in den Bewegungssequenzen auf. Aber auch der vom Kubismus abgeleitete Prismaismus, wie Feininger seinen Mal-Stil bezeichnete, findet seinen Niederschlag in der Choreografie wie im Bühnenbild. Darüber hinaus enthält das vierteilige Tanzstück biografisch erzählende sowie immer wieder pantomimische, wie den Vorgang des Zeichnens und Malens betreffende, Elemente.  Symmetrie, Geometrie und Spieglungen bestimmen als wiederkehrende, variierte Motive Tanz, Musik und Bühneninstallation.






Getanzt wird zur Musik von dem us-amerikanischen Minimalmusiker John Adams, die für die amerikanische Identität Feiningers steht, und Johann Sebastian Bachs, mit der sich der Maler lange beschäftigte. Einer Szene ist das das Prinzip der Kontrapunktik erhellende Chorstück „So you want to write a fugue“ von Glenn Gould unterlegt. Der Chor, auf vielfältige Weise ins Bühnengeschehen integriert, gab bestens einstudiert das „Magnificat“ von Bach. Auch die Gesangsolisten – Odilia Vandercruysse (Sopran I), Eun-Mi Suk (Sopran II), Nikolas Hariades (Altus), John Carlo Pierce (Tenor), Chi Kyung Kim (Bass)- präsentierten sich Phrasierung und Stilistik betreffend als vorzügliche Bachinterpreten. Auch sie haben an den Bühnenaktionen Anteil. Jan Hoffmann dirigierte profiliert, jeweils die kompositorischen Eigenheiten von Adams und Bach stimmig treffend. Ein hohes Maß an Differenziertheit und formaler Anschaulichkeit zeichnete die Bach-Wiedergabe aus. Faszinierend erklangen die flirrend motorischen, variierten Klangmuster der Adamschen Musik. Das Orchester wartete mit Transparenz und Innigkeit bei Bach auf, eine hohe Souveränität auch bei Adams.






Im ersten Teil wird Kindheit und Jugend Feiningers in New York gezeigt. Kaleidoskopartig sich drehende Wolkenkratzerbilder werden projiziert. Alles, nicht nur die Mitglieder der Tanzcompagie Giessen, scheint in Bewegung zu sein. Meindert Ewout Peters verkörpert den Künstler durch das gesamte Stück hindurch ausdrucksstark. Als 16-jähriger kommt Feininger nach Deutschland, um Violine zu studieren. Er wird allerdings kein Musiker, sondern arbeitet zunächst als Karikaturist für Zeitschriften. Mit Kreide in den Händen sieht man Tänzer zeichnen. Gespiegelte Alpen, der röhrende Hirsch, Schwarzwälder Kuckucksuhr und Schwarzwälder Tracht illustrieren ironisch das Deutschlandbild. Die Chormitglieder sind alle klischeehaft blond, die Damen tragen biedere Zöpfe um den Kopf gewickelt. Vielleicht wurde hiermit schon auf die NS-Zeit angespielt, in welcher die Bilder Feiningers als „entartet“ galten. Zeitungen werden in diesem Teil als tänzerisches Mittel expressiv eingesetzt. Mit den Tänzerinnenpersönlichkeiten Miranda Glikson und Magdalena Stoyanova sind die beiden Frauen Feiningers sehr konträr besetzt. Der unterschiedliche Charakter der Frauen manifestiert sich auch virtuos im tänzerischen Ausdruck. Der dritte Teil „Paris“ ist dem Kubismus gewidmet. In Bewegungsfolgen und Ausstattung findet diese Kunstrichtung ihren adäquaten Ausdruck.






Der vierte und stärkste Teil des Stücks setzt sich auf wunderbare Weise mit den Gemälden Feiningers auseinander. Die prismatisch gebrochenen Ostseelandschaften, auch die architektonischen Elemente wurden hier kongenial in Tanz umgesetzt und fanden überdies in dem Staunen machenden, bewegten und sich entwickelnden Bühnenbild von Noll einen unwiderstehlich bannenden Widerschein. Teile des Bühnenbildes werden in die Choreografie miteinbezogen. Die Tanzcompagnie besticht durchweg durch konzentrierte, klare Ausführung der Bewegungen.






Stadttheater Giessen

 



FEININGERS FUGEN (UA)

 


Tanzstück von Tarek Assam nach Bildern von Lyonel Feininger

 


Musik von Johann Sebastian Bach, John Adams und Glen Gould

 

 


Musikalische Leitung: Jan Hoffmann

 


Choreographie:Tarek Assam

 


Bühne und Kostüme: Lukas Noll

 

 




Tanzcompagnie:

 


Carine Auberger, Morgane de Toeuf,

 


Miranda Glikson, Antonia Heß, Svende Obrocki,

 


Magdalena Stoyanova, Sven Gettkant, Eoin Mac Donncha,

 


Meindert Ewout Peters, Victor Villarreal Solis

 

 





 

Solisten: Odilia Vandercruysse, Eun-Mi Suk,

 


Nicholas Hariades, John Carlo Pierce, Chi-Kyung Kim

 

 

 

Chor des Stadttheaters Giessen

 


Kammerchor Giessen-Wetzlar


 

Philharmonisches Orchester Giessen



 




Weitere Vorstellungen finden am 15., 21., 29. März und am 29. Mai jeweils um 19.30 Uhr sowie am 26. April um 15.00 im Stadttheater Giedden (Berliner Platz) statt.



Kartentelefon: (0641) 7957-60 /-61.








Giessen, 01. März 2009 / Text: Tanja Löchel / Foto: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)


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