
Prof. Dr. S.J. Schmidt (li.), Vizekonsul Daisuke Kiryu, Dietgard Wosimsky und Prof. Josef Linschinger (Bild: Frank Sygusch)
GIESSEN (fsy). Zur Eröffnung der Ausstellung „Japanische Visuelle Poesie & Laughter in Shinobara“ mit aktuellen Werken konkreter / visueller / konzeptueller Poesie und er Kassette „In the Pirit of KIT KAT“, - eine Hommage an Katsue Kitasano – sowie Arbeiten von Josef Linschinger mit japanischer Inspiration, hatte die Galerie Dietgard Wosimsky am vergangenen Samstag eingeladen.

Vizekonsul des Generalkonsulates von Japan, Daisuke Kiryu (Bild: Frank Sygusch)
Grußworte überbrachten der Vizekonsul des Generalkonsulates von Japan, Daisuke Kiryu und der Kulturdezernent der Stadt Giessen Dr. Reinhard Kaufmann.

Bild: Frank Sygusch
Die Galerie Dietgard Wosimsky ist für außerordentliche Ausstellungen bekannt. In den vergangen Jahren wurden dem Giessener Publikum immer wieder besondere Künstlerinnen und Künstler und spezielle Themen vorgestellt.

Mit der gestern eröffneten Ausstellung präsentiert die Galerie einen umfassenden Querschnitt von aktuellen Werken japanischer konkreter Kunst, die aus der Sammlung von Prof. Josef Linschinger stammen. Im Juli des Jahres hatte Dietgard Wosimsky die Werke der "Japanischen Visuellen Poesie" anlässlich der Gmundener Festwochen gesehen und sich spontan dazu entschlossen „die Ausstellung unbedingt nach Giessen holen“ zu wollen.
Unter der Schirmherrschaft des Generalkonsulates von Japan und mit der freundlichen Unterstützung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung konnte die Ausstellung gestern eröffnet werden.
Die präsentierten Arbeiten bewegen sich im spannenden Raum zwischen bildender Kunst und Poesie und das Beeindruckende an den Sinnschriftzeichen, die im japanischen Kulturkreis Verwendung finden, ist die große Unmittelbarkeit.

Prof. Dr. Siegfried J. Schmidt, emeritierter Hochschullehrer aus Münster, führte die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in das faszinierende und komplexe Thema ein.
Zwei Hauptgruppen und eine weitere Konstante finden sich bei der Beschreibung der japanischen visuellen Poesie. Dabei gelten, neben den direkten Kontakten zwischen japanischen Autoren mit Konkretisten anderer Länder, die besondere Aufmerksamkeit der „Arbeit mit der Schrift als Gestalt“ und der „Schaffung einer sog. Plastischen Poesie“, die Shohachiro Takahashi von der VOU-Gruppe wie folgt beschrieben hat: „Collage , die Chaos und kühle Objektivität harmonisiert, Konkrete Posie, Photo-Poesie, Buch-Poesie, Objekt-Poesie usw. wurden also als ein ´gemeinschaftlicher` Text, als Produktprozeß von Sprache und Bild geschaffen. Außerdem haben wir unseren Spielraum immer produktiver erweitert, indem wir enge Beziehungen mit den Dichtern von Approches, Lotta Petica, Poesia Visiva usw. aufnahmen und einander Impulse gaben“ *)

Der kleine Haufen mit übereinander geschichteten Steinen ist eines der ausgestellten Werke, die eine eigenartig konkrete Verbindung zwischen dem Sehen und dem Lesen herstellen. Ikuo Mori benannte sein Kunstwerk mit "WHO?".
Haben etwa die Anordnung und die Bauform der Steine eine Bedeutung oder welche Bedeutung kommt den leeren Strichen und Schatten zu, die wir auf und zwischen den Steinen lesen und erkennen können? Verwendet der Künstler ein Objekt oder doch zwei? Ohne den Einsatz unserer motorischen Fähigkeiten entgeht uns vielleicht das Entscheidende. Oder löst die Bewegung die Bedeutung der Objekte auf und die Entdeckung, die wir machen, ist eine Täuschung? Oder finden sich in der Bildfindung Zufälligkeiten, denen eine gewisse Logik zugrunde liegt, „was verstehen wir, wenn wir sehen“?

Die Besucherinnen und Besucher der Vernissage zeigten sich sehr beeindruckt und dankbar die Werke der aktuellen japanischen visuellen Poesie betrachten zu können.
Giessen, 12. November 2006 / alle Bilder: Frank Sygusch /
*) Zitat aus: (aus: K.P. Dencker (Hrsg.), Visuelle Poesie. Katalogbuch. Dillingen 1984, S.18ff.).
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