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400 Jahre Botanischer Garten in Giessen




Ältester Garten mit neuestem System / Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen / „Darwin-Pfad“ als neue Attraktion




GIESSEN (pm/fsy).         Die Giessener lieben ihn als Oase der Ruhe, die Wissenschaftler schätzen ihn als Fundus für Forschung und Lehre, die Politiker haben ihn zum Kulturdenkmal des Landes Hessen erklärt: Der rund drei Hektar große Botanische Garten zwischen Brandplatz, Senckenbergstraße und Ostanlage feiert in diesem Jahr sein 400-jähriges Bestehen – und ist damit der älteste Botanische Garten Deutschlands, der seit seinen Anfängen nicht verlegt wurde.







Universitätspräsident Stefan Hormuth, Prof. Dr. Volker Wissemann, Ruediger Pohl vom Freundeskreis Botanischer Garten und Dipl. Ing. Holger Laake, technischer Leiter des Botanischen Garten pflanzen gemeinsam einen ersten Bambus für den "Giessener Evolutionspfad"

(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)





„Der älteste Garten mit dem neuesten System“, sagt Botaniker Prof. Dr. Volker Wissemann (JLU): Als „Garten der Evolution“ hat der Giessener Botanische Garten ein bundesweit einzigartiges Leitbild. Die über zahlreiche Etappen reichende Entwicklung des Gartens vom anfänglichen „Hortus medicus“ über einen „Hortus systematicus“ und „Hortus geographicus“ zum „Garten der Evolution“ soll schon in Kürze erste Veränderungen zeigen: Für die Gärtner heißt es, umzupflanzen, neu zu gruppieren und manches anders anzulegen. Profitieren sollen neben Studierenden und Forschenden auch interessierte Besucher. Sie können sich während ihres Rundgangs nicht nur von der Blüten- und Artenvielfalt bezaubern lassen, sondern gleichzeitig über die Mechanismen der Entstehung biologischer Vielfalt informieren.





Die Anfänge des Botanischen Gartens gehen auf das Jahr 1609 zurück, als Land-graf Ludwig von Hessen der zwei Jahre vorher gegründeten Universität ein Stück zum Alten Schloss gehörendes Parkgelände zur Einrichtung eines „Hortus medicus“ (Heilpflanzengarten) überließ. Wer sich in diesen Anfangszeiten mit Pflanzen beschäftigte, der wollte in erster Linie Heilkräuter erkunden. Erster Leiter war der Professor der Medizin und Botanik Ludwig Jungermann (1609-1625).





Eine andere Entwicklung beeinflusste die Geschichte des Botanischen Gartens maßgeblich: In Deutschland gingen die Waldflächen als Folge von jahrhundertelan-gem Raubbau stark zurück. So wurde in Gießen 1802 unmittelbar nebenan ein Universitätsforstgarten errichtet, der später mit dem Botanischen Garten vereinigt wurde. Einige der alten Bäume des Gartens stammen aus dieser Zeit.





Unter dem Leiter Adolf Hansen (1891-1920) kam es zu einem besonderen Auf-schwung des Gartens. Während die meisten Botanischen Gärten ihre Hauptaufgabe lange Zeit darin gesehen hatten, möglichst umfangreiche Pflanzensammlungen für Unterricht und Studien anzulegen, erarbeitete man nun Auswahlkriterien und be-mühte sich, die Fülle der biologischen Diversität unter pflanzensystematischen Gesichtspunkten zu zeigen.





Rasch zur Hauptattraktion wurde in Gießen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein großes Überwinterungshaus, das 1904 eröffnet wurde. Am 06. Dezember 1944 fiel es den Bomben zum Opfer. Nach dem 2. Weltkrieg wurde, noch unter Küsters Ägide, mit dem Wiederaufbau des stark zerstörten Gartens begonnen, der unter der Leitung von Dietrich von Denffer (1951-1976) und Rüdiger Knapp (1976-1982) fortgesetzt wurde.





Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben die Botaniker in Giessen bewusst nicht. Ziel ist es vielmehr, den Garten mit einem klaren und innovativen Konzept als „Garten der Evolution“ zu führen und damit eines der zentralen Forschungsthemen der Lebenswissenschaften an der JLU in Forschung und Lehre zu vermitteln. Die Sammlungen des Gartens sind Bestandteil internationaler Forschungsverbünde. Auf regionaler Ebene ist es eine der zentralen Aufgaben des Botanischen Gartens,, hochgradig vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten Hessens zu erhalten und nachzuziehen. Mit dieser Expertise und dem Herbarium der Universität Giessen ist der Garten in das neue Verbundprojekt zur Flora Hessens eingebunden.





Darüber hinaus versucht heute ein großes Team, im „Garten der Evolution“ verschiedene Epochen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und „Biodi-versität im Kleinen“ zu zeigen. Von der „Gnade der kleinen Größe“ spricht Prof. Wissemann: Nur unter solchen Vorzeichen ließen sich innovative Konzepte über-haupt umsetzen. Eines der Gewächshäuser wird zu einem Evolutionshaus umgestaltet, um in der Ausbildung der Studierenden, auf Führungen für Schüler und Leh-rerfortbildungen die Entstehung des Pflanzenreichs begreifbar zu machen.





In das neue Gesamtkonzept fügt sich – passend zum Darwin-Jahr 2009 – der neue Evolutionsdenkpfad (kurz: „Darwin-Pfad“) ein. Auf einem historisch geleiteten Sandweg durchläuft der Besucher Stationen, an denen er mit zentralen Fragen des Lebens konfrontiert wird. In Anlehnung an Darwins Sandpath in Down House, auf dem dieser während langer Wanderungen seine Ideen entwickelte, soll die intensive Be-schäftigung mit existenziellen Fragen helfen, zu jeweils eigenen Lösungen zu kommen. Ungeachtet dieser jüngsten Neuerungen im Jubiläumsjahr versteht sich der Botanische Garten grundsätzlich als profilbildender Bestandteil des Universitäts-Zukunftskonzepts „Human life and its Resources“.










Neben zahlreichen zusätzlichen Führungen wird es zum Jubiläum unter anderem eine Ringvorlesung und eine Ausstellung im Hauptgebäude geben. Offiziell wird das Jubiläum am 15. Mai mit einem Festakt in der Aula der Universität gefeiert. Einer breiten Öffentlichkeit will sich das „Geburtstagskind“ am 17. Mai bei einem „Tag der offenen Tür“ präsentierten.












Nächster Termin der Ringvorlesung „Universitäre Sammlungen“ am 14. April 2009:


„Das Ernst-Haeckel-Archiv und seine Bedeutung für die Evolutionsforschung“


(PD Dr. Uwe Hoßfeld, Universität Jena)


Botanisches Institut, Senckenbergstraße 17, 19.00 Uhr







Festakt mit Vortrag „400 Jahre Botanischer Garten Gießen“ 


am 15. Mai 2009


(Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen, Bonn)



Aula, Uni-Hauptgebäude, Ludwgstraße 23, Giessen, 19.00 Uhr







Ab 15. Mai 2009:

Ausstellung „Ein Dutzend Blütenlesen“

(Rektorenzimmer, Uni-Hauptgebäude)












Öffnungszeiten des Botanischen Gartens:


vom 20. März bis 20. Oktober 2009


montags bis freitags 8 - 15.30 Uhr


samstags, sonntags und an Feiertagen 8 – 16 Uhr


(längere Öffnungszeiten im Sommer)





Weitere Informationen unter: www.uni-giessen.de/botanischer-garten







Giessen, 17. März 2009 / Bild: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)


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