
Jean Francois, bester 46er gegen Tübingen, erzielt einen Dreier (Bild: Frank Sygusch)
GIESSEN (fsy). Sehr selbstbewusst und zielsicher begannen die Giessener 46ers im Heimspiel gegen die Walter Tigers aus Tübingen am Samstagabend. Nach 180 Sekunden führte die Mannschaft aus Giessen bereits mit 10:4. Besonders Obie Trotter und der Neuzugang James Head spielten von Anfang an hochkonzentriert und bestimmten in dieser Phase den Spielverlauf entscheidend und gaben dem Team Sicherheit. Als Kapitän Florian Hartenstein einen Dunk-in zum 17:7 setzte und kurz darauf wiederum James Head mit zwei trickreichen Finten die Defensive der Tübinger stehen ließ, bejubelten die Besucher jeden Ballgewinn.
Der zweite Saisonerfolg schien außer Frage zu stehen. Bereits nach dem ersten Viertel stand es 26:16 und James Head fügte sich blendend in das Mannschaftsgefüge der 46ers ein und steuerte neben Trotter (10 Punkte) weitere 7 Punkte im ersten Viertel bei.

James Head fügte sich brilliant ins 46er-Team ein (Bild: Frank Sygusch)
Im zweiten Viertel kam es noch besser und nach einem fulminanten Auftakt zeigten die 46ers sich von der besten Seite mit sehr guter Spielübersicht und Spielwitz . Besonders Jean Francois, der im Angriff und in der Abwehr starke Akzente setzte, glänzte mit insgesamt 13 Punkte in einem Viertel. Mutig und zielstrebig setzte sich der sprungstarke Spieler mehrmals glänzend in Szene und motivierte damit das gesamte Giessener Team.
Insgesamt 50 Punkte sammelten die 46ers bis zur Spielpause zum 50:33 und kein Zuschauer zweifelte zu diesem Zeitpunkt an einem 2.Sieg der Giessener. Der Trainer der Tübinger Mannschaft. Aaron McCarthy wirkte ratlos und überfordert, da sein Team kein Mittel gegen die konzentriert spielenden 46ers fand, die im 2. Viertel zahlreiche Ballgewinne zu verzeichnen hatten und im Rebound deutlich überlegen waren.

Doch kurz nach dem Beginn des 3. Viertels riss der Spielfluss im Giessener Team abrupt ab und erste Unsicherheiten, Unkonzentriertheiten und mehrere Stellungsfehler in der Abwehr schlichen sich ein.
Ein Fastbreak zum Spielstand von 57:44 leitete noch im 3. Viertel die vorzeitige Spielwende ein. Jetzt begannen die Tübinger Tigers plötzlich hoch motiviert aufzuspielen und spürten, dass im Giessener Team der Faden gerissen war.

Der erfahrene Spielmacher Ajene Mala Moye zeigte seine besondere Klasse und blitzte mit schnellen Pässen und zeigte eine souveräne Übersicht auf dem Spielfeld. Ein weiterer herausragender Spieler, Matt Kiefer, der sein „bestes Spiel für die Tübinger an diesem Abend machte“ (Trainer: Aaron McCarthy) traf nun Punkt um Punkt und erreichte bei 19 Punkten als einziger Spieler eine 100% Trefferquote aus Spielaktionen. Zudem zeigten die Giessener mehrmals Nerven beim Abschluss und patzten bei sicheren Abschlüssen. Als die Tübinger in dieser entscheidenden Spielphase ihre Zonendeckung variabel einsetzten und von 3 auf 2 wechselten, geriet das Angriffsspiel der 46ers vollkommen aus dem Rhythmus.

Einzig Francois zeigte sich in diesen Spielminuten spiel- und nervenstark, konnte aber alleine nichts am Unvermögen des Giessener Teams verändern. Über mehr als 4 Minuten gelang den 46ers nur drei Punkte; und im gesamten letzten Viertel konnten nicht mehr als 9 Punkte erzielt werden.
Dramatisch gestaltete sich das Spielende für die 46ers. 1:18 Minuten vor Spielschluss stand es 67:66 und die Tübinger profitierten erneut von einem Stellungsfehler des Giessener Teams.
7,7 Sekunden bis zum Ende des Spiels und beim Stand von 70:69 atmeten die Zuschauer kurz durch, denn das Giessener Team war im Ballbesitz und musste nur noch die Zeit, nach einem Einwurf, abspielen.
Doch es kam anders: Ballverlust, weil "drei von fünf Spielern nicht auf der Position waren, die wir in der Auszeit besprochen hatten", resümierte der enttäuschte Giessener Trainer Stefan Koch später auf der Pressekonferenz.

4 Sekunden bis zum Ende des Spiels: Moye wird gedoppelt und stellt Davis frei (Bild: Frank Sygusch)
Als dann Moye 4 Sekunden vor Spielende auch noch gedoppelt wurde und den damit freigestellten Jamaal Davis anspielen konnte, sank allen Giessener Fans das Herz in die Hose. Der Ball klatschte direkt nach dem Wurf von Davis vom Brett in die Hände von Matt Kiefer, der in der letzten Sekunde des Spiels den Basketball souverän ins Netz zum Endstand von 70:71 legte.

Der Jubel der Tigers aus Tübingen kannte keine Grenzen, denn ein solcher Gewinn motiviert jedes Team und schweißt die einzelnen Spieler zusammen.

Jamaal Davis von den Walter Tigers Tübingen (Bild: Frank Sygusch)
Kein Wunder, dass die Tübinger ihren Gewinn mit riesengroßer Freude und ausgelassener Feier begingen. Die Tigers bedankten sich frenetisch bei den mitgereisten Fans.

Es bleibt abzuwarten, wie das Giessener Team die bittere Niederlage, die vermeidbar gewesen wäre, verarbeiten wird. Die Mannschaft zeigte in der ersten Hälfte das beste Spiel der Saison und hat sich in der zweiten Hälfte der Partie den Gewinn selbst wieder abgenommen.
Jetzt sitzen der Schock und die Erkenntnis tief, dass Spieltechnik alleine wenig nützen, wenn ein Team die klaren Anweisungen des Trainers ignoriert und den psychischen Belastungen auf dem Spielfeld in den entscheidenden Augenblicken nicht gewachsen ist.

Giessen, 19. November / alle Bilder: Frank Sygusch
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Mai 2012
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