
GIESSEN (mip/r). Die Grundintention dieses Vortrages ist es, Kriterien zu erfragen und zu diskutieren, nach denen christliches Gemeindeleben, also soziales Handeln, „funktioniert“. Die Frage hinter diesem Vortrag ist letztlich die nach dem Verhältnis von Moral und Glauben, also Handeln und Begnadigung in der protestantischen Rechtfertigungslehre.
Dietrich Bonhoeffer sagt: „ Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben“. Das heißt: die großen Ereignisse der Weltgeschichte werden hiermit von unten, aus der Perspektive der Machtlosen, Unterdrückten, Ausgeschlossenen und Verhöhnten, kurz der Leidenden betrachtet. Der Vortrag vertritt dezidiert eine politische Theologie – die politische Dimension des Glaubens wird in Theologie eingebaut. Es geht somit um die „Entprivatisierung“ des Glaubens und der Theologie.
Nach Johann Baptist Metz ist Hauptaufgabe der politischen Theologie, das Verhältnis von Theorie und Praxis, Religion und Gesellschaft, Kirche und Gesellschaft und Eschatologie, also christlicher Heilserwartung und politischer Geschichte zu bestimmen. Diese beiden Stimmen: Bonhoeffer und Metz messen offenbar der politischen Geschichte eine große Bedeutung zu, so dass Glauben dauerhaft in seiner Verpflichtung vor den in dieser Geschichte leidenden Menschen sich bewähren muss. Leiden ist danach niemals Gottes Strafe, sondern unser Versäumnis, den Auftrag Gottes auszuführen - dies ist die Leitthese dieses Vortrages. Christentum wird so entspiritualisiert und praktisch.
Giessen, 15. April 2009
Mai 2012
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