
GIESSEN (fsy). Großartig, der Heilige Name leckt sich die tropfende Pfote und der schönste Engel der gesamten Schar bückt sich nieder und hält ihm den kleinen Dorn hin. Welch ein Symbol und die zärtliche Hand dabei an das Ohr gehalten. Und was wohl fragt das Engelwesen den grausamen König? Was für ein Zeichen und welches heilige Lied der Liebe und welches Bild der Wahrheit verbirgt sich hier, das der Künstler Manfred Stumpf (* 1957 in Alsfeld) als Holz-Laserschnitt an die hohe Wand geworfen hat. Erschafft er ein neues Bild aus dem alten? Oder will er uns vielleicht bildlich darauf hinweisen, dass nicht wahr sein kann, was voneinander abweicht und daher alles in klaren und gebogenen und geschwungenen Linien abzubilden ist, um aufzuheben was sich widerspricht? Wird nun endlich Erlösung von der Endlichkeit der Macht und Ohnmacht, der Geschlechtlichkeit und der Grausamkeit der Natur gewährt, damit das wahre Gesicht im anderen ein Ende findet. Oder geschieht dies noch nicht und es bleibt nur der zeichnende Strich zurück, der alles einfängt und künstlerisch gestaltet und den Namenlosen ein Gesicht schenkt.

Manfred Stumpf (Bild: Frank Sygusch)
Der Künstler, Manfred Stumpf ist seit 10 Jahren Professor für Aktzeichnen und Konzeptionelles Zeichnen im Fachbereich Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. An zwei verschiedenen Orten in Giessen wurden am vergangenen Samstag Ausstellungen eröffnet und an einem dritten Ort, in der evangelischen Propstei Oberhessen, drei Auftragsarbeiten von ihm öffentlich vorgestellt.

Zu den Werken in der Kunsthalle gibt es keinen Text und (noch) keinen Katalog, aber die Anordnung scheint einer inneren Entwicklung zu folgen: Dem Palmzweig, als Fruchtbarkeits- und Geschlechtssymbol, kommt in den Zeichnungen und Werken eine besondere Bedeutung zu und das Begehren und die Lust als Ausdruck der Menschlichkeit offenbart sich umschweifend klar.

In einzelnen Zeichnungen finden sich Sigrune und andere Symbole und Zeichen Verwendung, die für sich alleine gestellt irritieren. Auch hier geht es um Geschlechtlichkeit. Ein Text mit Erläuterungen zur Ausstellung, besonders für eventuelle Besuche von Schulklassen, wäre an diesen Stellen hilfreich.

Neben den über 80 neuen Zeichnungen, allesamt im Format DIN-4 gehalten, finden sich noch zwei großformatige Laserschnitte aus Holz. Ein großer Palmzweig und ein großer rückwärtig gewandter Menschenkörper, Daidalos. Der Blick trifft Daidalos von hinten und seine Wirbelsäule ist ein umgekehrter Palmzweig.

Damit der große Engel neben dem großen Löwen in der Giessener Kunsthalle angenagelt werden konnte, musste das glasklare Dach an einigen Stellen demontiert werden.

Jetzt hängt das Kunstwerk bis in das Neue Jahr an seinem neuen Platz und es verändert den Ort an dem es präsentiert wird.

Der Raum wird heller und größer durch die klaren Details, denn die Linien treiben den Betrachter an und verändern die Wahrnehmungsrichtung.

Ein weiteres Motiv als Laserschnitt aufgestellt, galt es bei der Eröffnung der Ausstellung „In memoriam Bernd Growe“, die der Neue Kunstverein Giessen veranstaltete und zwei Stunden zuvor begann, zu bewundern.

Der "Einzug in Jerusalem" ist ein Thema, das den Künstler Manfred Stumpf schon länger begleitet. Der Laserschnitt offenbart uns eine männliche Gestalt mit Bart, die uns um die transversale Achse in die sagittale Ebene gedreht mit klarem und bestechendem Blick anschaut. Dabei hält er sich mit beiden Händen an einem in der frontalen Ebene aufwärts gebeugten Palmzweig fest, der eine Linie mit dem linken, in sich verschränkten Oberschenkel bildet. Der Mann sitzt im Seitwärtssitz auf einem kleinen Maultier, das langsam einher trabt. Es bleibt unklar, ob der Mann mit dem Palmzweig das Maultier antreibt, wenn er den Zweig mit der rechten Hand loslässt oder ob der Zweig die Spannung des Körpers stabilisiert. Und welches Symbol trägt der Mann um den Kopf?

Ausstellungseröffnung am 18. November
Alsfeld ist die Geburtsstadt des Künstlers Manfred Stumpf und das liegt in den alten Grenzen Oberhessens am Rande des Vogelsberges. Dort erhielt er vor vielen Jahren ein Stipendium für junge bildende Künstler der Stadt; später folgten Stipendiatenaufenthalte in Rom und Tokyo. Studiert hat Manfred Stumpf ab 1976 am bekannten Städel in Frankfurt; ab 1978 an der Cooper Union in New York und ab 1979 an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien.

Giessen, 24. November 2006 / alle Bilder: Frank Sygusch
Mai 2012
Giessen Links
Stadt Giessen
Justus-Liebig-Universität
Fachhochschule Giessen
Tourist Information Giessen
Kunsthalle Giessen
Stadttheater Giessen (Jahresprogramm)
Mathematikum in Giessen (Jahresprogramm)
Botanischer Garten in Giessen
Liebig Museum in Giessen
Kümmerei in Giessen
Messe Giessen