Sonntag, 03. Mai 2009 | 11.00 Uhr | Foyer
GIESSEN (mip/r). „Wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“ – Mit seinem berühmten Stoßseufzer sprach der junge Franz Schubert einer ganzen Komponisten-Generation aus der Seele. Für ihn, der einige Zeit mit dem gefeierten Genie in direkter Konkurrenz stand, war dieses Problem allerdings wesentlich bedeutsamer als für jüngere Mitbestreiter der Romantik. Trotz der Verehrung, die Schubert seinem Vorbild entgegenbrachte, eiferte der Komponist dem älteren Kollegen musikalisch jedoch nicht etwa nach, er versuchte vielmehr, parallel zu Beethoven seinen eigenen Weg aus der Klassik heraus in die Romantik zu finden.
Als bekannt wurde, dass Beethoven zwölf Jahren nach seiner 8. Sinfonie wieder ein sinfonisches Werk komponieren würde, machte auch Schubert seine Pläne öffentlich, wieder an einer Sinfonie arbeiten zu wollen – seiner ersten im „großen Stil“. Bevor er sich aber an diese sogenannte „Königsgattung“ wagte, übte er sich zunächst einmal an der Entwicklung eigener instrumentaler Klangfarben. So schrieb er 1824: „In Liedern habe ich wenig Neues gemacht, dagegen versuchte ich mich in mehreren Instrumental-Sachen, denn ich componierte 2 Quartetten für Violine, Viola u. Violoncelle und ein Oktett und will noch ein Quartetto schreiben, überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen.“
Das Oktett op. 166 in F-Dur für Klarinette, Horn, Fagott und Streichquintett gehört zu ebenjenen Kompositionen, mit denen Schubert „den Weg zur großen Sinfonie“ vorbereiten wollte. Elemente der zeitgenössischen Kammermusik, der Sinfonie, der Serenade und des unterhaltenden Divertimentos verbindet das Werk ebenso geschickt miteinander wie anspruchsvolle Ernsthaftigkeit und einen unbeschwerten und durch die Instrumentalbesetzung äußerst farbenreichen und transparenten Tonfall – und erfüllt dadurch den romantischen Anspruch des Komponisten nach einem eigenen, unverkennbaren Ausdruck aufs Vortrefflichste.
Am kommenden Sonntag, den 03. Mai, erklingt das Oktett um 11.00 Uhr im Foyer des Stadttheaters. Es musiszieren Mitglieder des Philharmonischen Orchester Giessen.
4. Kammerkonzert
03. Mai 2009 | 11.00 Uhr | Foyer
Franz Schubert: Oktett op. 166 für Streichquintett, Klarinette, Horn und Fagott
Jiri Burian, Yongchun Dou – Violine | Konstantin Jochim – Viola
Attila Hündöl – Violoncello | Wolfgang Plümacher – Kontrabass
Anna Dehyle – Klarinette | Andrea Zimmer – Horn
Maria Oliveira-Plümacher – Fagott
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