GIESSEN (mip/r). „Bildungspolitik nach Pisa“, so lautet ein Vortrag, den Dr. h. c. Hermann Lange, Staatsrat a. D., auf Einladung der Arbeitsstelle Gender Studies am Donnerstag, den 14. Dezember 2006 um 19.00 Uhr, wird im Philosophikum II (Karl-Glöckner-Str. 21A, 35394 Giessen, Haus A, Raum 118)hält.
Dr. Lange gilt als der „Vater“ der „PISA-Studien“ und wird über die Grundannahmen und Folgen von „PISA“ reden. Was wird unter „Bildung“ verstanden? Was ist und wie misst man überhaupt Lesekompetenz? Was ist das Problem, wenn Jungen nicht oder zu wenig lesen? Dr. Lange wird auch über die aktuelle Bildungspolitik in Deutschland sprechen: Welche Folgerungen leiten sich für einen der Initiatoren von PISA tatsächlich aus den Erkenntnissen ab, welche „Bildungsstandards“ hat die Kultusministerkonferenz „nach PISA“ vorgelegt, welche Entwicklungen der Bildungspolitik „nach PISA“ zeichnen sich ab?

Ganz Deutschland hat von den „PISA-Schulvergleichsstudien“, manchmal auch vom „PISA-Schock“ geredet. Dabei gehen die Meinungen, wie mit den Ergebnissen umzugehen sei, weit auseinander. Die einen Bildungspolitiker sehen die Zeit für die Ganztagsschule und eine spätere Differenzierung nach Schulart erst ab der 6.Klasse gekommen, andere schaffen dagegen die Orientierungsstufe ab. Obwohl der eine oder andere Politiker oder Forscher schon versucht hat, die Methoden der Studie in Frage zu stellen, werden in der Schul- und Bildungsforschung die Befunde dieser Studie doch sehr ernst genommen. „PISA“ ist komplex angelegt und eignet sich nicht für schnelle Schlussfolgerungen und Lösungen.
Dr. h. c. Hermann Lange hat Rechtswissenschaft studiert und war in der Bildungs- und Finanzverwaltung tätig, bis er zehn Jahre (1992 – 2002) als Staatsrat (Staatssekretär) in der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung, zeitweilig auch in der Behörde für Wissenschaft und Forschung in Hamburg, tätig war. Zwischen 1997 und 2002 war er der PISA-Koordinator und Vorsitzende des PISA-Beirats der Kultusministerkonferenz.
In der Arbeitsstelle Gender Studies der Justus-Liebig-Universität (Leiterin: Prof. Dr. Barbara Holland-Cunz) wird derzeit das Projekt „Gender und Schule“ durchgeführt, das sich auf die zukünftige LehrerInnenbildung in Hessen konzentriert. Besonders berücksichtigt wird die Frage, wie sich die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen im Schulalltag auswirken und wie damit von Seiten der Lehrer und Lehrerinnen umgegangen werden kann. Wie sehen die Unterschiede aus? Wie begegnet man dem Schulversagen der – mehrheitlich – Jungen? Dabei besteht das pädagogische Dilemma darin, einerseits der Unterschiedlichkeit von Jungen und Mädchen gerecht werden zu wollen, andererseits geschlechtsstereotypes Verhalten von Kindern und Jugendlichen nicht verstärken zu wollen. Auch hier gehen die Meinungen auseinander: Soll in manchen Fächern oder Jahrgangsstufen wieder getrennt unterrichtet werden, oder soll die Konzentration auf den Lehrern und Lehrerinnen liegen und ihre Aufmerksamkeit geschärft und ihr Handlungsrepertoire erweitert werden? Wie kann eine geschlechtergerechte und geschlechterbewusste Schule in der globalen „Wissensgesellschaft“ aussehen? Dass diese Fragen drängend sind macht die aktuelle Debatte über die Probleme besonders von Jungen in der Schule deutlich.
Vortrag „Bildungspolitik nach Pisa“, Dr. h. c. Hermann Lange, Staatsrat a. D., Donnerstag, den 14. Dezember 2006, 19.00 Uhr, Philosophikum II (Karl-Glöckner-Str. 21, 35394 Giessen, Haus A, Raum 118)
Giessen, 30. November 2006
Mai 2012
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