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Wissenschaftsstadt Giessen // Handel ergreift Initiative

Handel und Universität streben gemeinsame Anstrengungen zur  koordinierten Stadtentwicklung an




Vertreter der Universität Giessen und des AKH Giessen (Bild: Frank Sygusch)




GIESSEN (fsy/mip).               Seit dem Oktober 2006, als die Ergebnisse der bundesweiten Excellenzinitiative bekannt gegeben wurden und die Justus-Liebig Universität in Giessen mit zwei Anträgen Erfolg hatte, genießt die Universität im Wissenschaftsbetrieb in Deutschland eine besondere Aufmerksamkeit. Denn mit den beiden Projekten erfüllt die hiesige Universität als einzige Hochschule in Hessen die Voraussetzungen für einen Antrag im Rahmen der "Zukunftskonzepte zum projekt bezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung" ("Elite-Universität"). Das schafft Vertrauen und Identifikation in der Region und bietet beste Möglichkeiten für die Zukunft der Stadt und ihre jungen Einwohner.






Universitätspräsident Stefan Hormuth und Wilfried Behrens, Geschäftsführer der Karstadt GmbH Giessen (Bild: Frank Sygusch)




Der Start für die Stadt Giessen in das Jahr 2007, der bald ansteht, hätte nicht besser beginnen können, um eine positive Entwicklung in Gang zu setzen. Die Universität wird im Oktober 2007 den 400. Geburtstag feiern und erwartet als Gastgeber zum Jubiläum viele Gäste aus ganz Deutschland und vielen Ländern. So wird u.a. die deutsche Rektorenkonferenz ihre Jahrestagung in Giessen abhalten; DAAD Stipendiaten aus ganz Deutschland treffen sich hier in Giessen ("eine Veranstaltung, die sonst nur in großen Städten wie Berlin, Hamburg  und München stattfindet") und die Universität will am 20. Oktober 2007 alle Verwandten der Erstsemester / Studienanfänger zu einem Fest nach Giessen einladen, "damit die Familien, Freunde und Angehörigen sehen und erleben können, wo die jungen Menschen ihre Ausbildung machen".


Gestern nun hatte der Arbeitskreis Handel (AKH) Vertreter der Universität eingeladen, um mit dieser Initiative zum Ausdruck zu bringen, dass die Universität mit erfolgreichen Projekten Impulse und Zeichen für die gesamte Stadt setzen kann,wenn es um die Bedingungen der Möglichkeit für eine Ausgestaltung von sozialer Identität in dieser Region geht.






Wilfried Behrens (Bild: Frank Sygusch)




Der Gastgeber Wilfried Behrens, Geschäftsführer der Karstadt Warenhaus GmbH begrüßte den Präsidenten der Universität Prof. Dr. Stefan Hormuth und Vertreter der beiden erfolgreichen Projekte der bundesweiten Excellenzinitiative, Prof. Dr. Ansgar Nünning und Prof. Dr. Friedrich Grimminger; sowie den Leiter des Mathematikums, Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher.

Prof. Hormuth betonte die Wichtigkeit der Darstellung der Stadt nach außen in und erläuterte, dass „die Attraktivität und Präsentation der Stadt direkte Auswirkung darauf habe, welche Professoren die Universität nach Giessen berufen kann“. Die Universität ist die zentrale Ausbildungsstätte in der Region und für eine zukünftige Stadtentwicklung ist eine Zusammenarbeit und Kooperation aller Institutionen sinnvoll und notwendig.





Dieter Schormann (Bild: Frank Sygusch)




Dieter Schormann rief dazu auf die Erfolge und Leistungen an der Universität noch stärker in das öffentliche Bewusstsein der Stadt zu stellen, um Giessen nach außen hin attraktiver erscheinen zu lassen.




Spitzenforschungszentrum „"Kardiopulmonales System (Herz/Lunge)“


Prof. Grimminger und Prof. Nünning bilanzierten die Eckpunkte für die positive Entwicklung der erfolgreichen Anträge. „Will man im Wettbewerb mit anderen Städten und auch international mithalten, braucht man mehr als akademische Rituale, nationale Fördermittel und denkmalgeschützte Gebäude. Andere Städte hätten eine Universität oder leisten sich eine Universität; Giessen ist eine Universität“, resümierte Prof. Grimminger, neben Prof. Werner Seeger gemeinsamer Sprecher des Spitzenforschungszentrums „"Kardiopulmonales System (Herz/Lunge)“.






Prof. Dr. Friedrich Grimminger (Bild: Frank Sygusch)




Das wissenschaftliche Projektzentrum koordiniert und stellt die Erforschung der Ursachen und die Entwicklung neuer Therapiekonzepte bei Erkrankungen der Lunge und des Herzens in den Vordergrund. Die Fördersumme beträgt insgesamt 6,5 Millionen Euro pro Jahr und entspricht somit den Fördergeldern für mehrere Sonderforschungsbereiche.





"Graduate Centre for the Study of Culture" (GCSC) - Leuchtturmprojekt der Justus-Liebig-Universität Giessen


Bei den Graduiertenschulen ist das "Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften" (GGK), das nun zu einem "Graduate Centre for the Study of Culture" (GCSC) mit internationalem Profil ausgebaut werden wird. Das GGK, das in seiner Art das erste Graduiertenzentrum in Deutschland war, bietet bereits seit 2001 eine strukturierte Ausbildung für alle Doktorandinnen und Doktoranden in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften an und wurde bei der Evaluation im Sommer 2005 als "in jeder Hinsicht modellbildend" beurteilt. Der jetzige Erfolg und die damit verbundene Förderung wird es dem neuen GCSC erlauben, seine Spitzenrolle in der Graduiertenausbildung auszubauen und ein internationales Leuchtturmprojekt der Justus-Liebig-Universität Giessen zu werden. Die Fördersumme für die Graduiertenschulen beträgt 1 Million Euro pro Jahr. „In Giessen zu promovieren bedeute in Zukunft, dass eine strukturierte Doktorandenausbildung im Rahmen eines Graduiertenkonzeptes umgesetzt werden kann und das bedeutet gleichzeitig promovieren mit System“, erläuterte Prof. Nünning. „Das ist die Championsliga in der Graduiertenausbildung und das alles findet in einem forschungsintensiven Umfeld innerhalb der Universität statt“.





Prof. Dr. Ansgar Nünning (Bild: Frank Sygusch)




" Der kollektive Hang zur Selbstverzwergung"


Was den Professor für Englische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Giessen noch stört ist „der kollektive Hang zur Selbstverzwergung“, der in der Region immer wieder durchscheint und aufbricht. Prof. Nünning, der seit 1997 den Lehrstuhl innehat, berichtete dass er bisher zwei Rufe auf renommierte Lehrstühle in Freiburg und Erlangen-Nürnberg abgelehnt habe, weil er sich hier in Giessen und in der Region wohlfühle und "das habe ich nicht eine Sekunde bereut".

"Nun bestätigt die positive Entscheidung des Bewilligungsausschusses, dass sich die Giessener Graduiertenausbildung in den Geistes- und Kulturwissenschaften eine nationale und internationale Vorreiterrolle erarbeitet hat", freut sich Prof. Dr. Ansgar Nünning, Leiter des neuen erfolgreichen GCSC. "Dieses hoch erfreuliche Ergebnis konnte nur erzielt werden dank der langjährigen hervorragenden Unterstützung durch die Hochschulleitung, die ausgezeichnete Mannschaftsleistung der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und des GGK-Teams."





Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher (Bild: Frank Sygusch)





Albrecht Beutelspacher, der Leiter des Mathematikums berichtete, dass die Besucherzahlen von über 600 000 einen Spitzenplatz unter den deutschen Museen gleichkommt und ein Ausdruck von Anerkennung bedeutet. Mit Blick auf die Universität wünscht sich Prof. Beutelspacher, dass in Giessen einmal „die beste Lehrerausbildung in ganz Hessen“ stattfinden soll. Eine Vision, die berechtigt ist, weiß man doch, dass in den Grundschulen bereits die entscheidenden Weichen und Grundlagen für ein entdeckendes Lernen gelegt werden.





Robert Balser Mitarbeiter beim AKH Giessen (Bild: Frank Sygusch)




Robert Balser vom AKH dankte den Vertretern aus der Universität und hofft, dass in den nächsten Jahren entscheidende Impulse für die zukünftige Stadtentwicklung in einer kooperativen Zusammenarbeit entstehen. Eine Möglichkeit bietet die Zusammenarbeit in der Giessen GmbH, die demnächst gegründet werden wird und in enger Zusammenarbeit mit den BIDs (Business Improvement Districts) steht, erklärte der Initiator der BIDs Heinz-Jörg Ebert vom Schuhhaus Darré.






Heinz-Jörg Ebert vom Schuhhaus Darré, Initiator der BIDs in Giessen (Bild: Frank Sygusch)

 


* * *



Kommentar: Die originäre Wissenschaftsstadt Giessen, die besonders im kommenden Jahr 2007 den Status einer Gastgeberstadt einnehmen wird, erhält damit eine große Chance sich in der Öffentlichkeit und in den überregionalen Medien in ganz Deutschland positiv zu präsentieren. Diese öffentlichen Präsentationsformen einer Wissenschaftsstadt müssen professionell geplant und gestaltet werden, damit Synnergieeffekte für die Stadtentwicklung entstehen können.

Wichtige Kernpunkte und Bestandteile einer öffentlichen Präsentationsform sind immer die Verbindung der Kategorien Geschichte und Zukunft. Der Umgang und die Auseinandersetzung mit den wichtigen Themen der sozialen Rekonstruktion  historisch dokumentierter Wirklichkeit und der eigenen Identifikation mit einer Stadt entstehen durch verantwortungsvolles Verhalten und Handeln, das sich aus einem kollektiven Gedächtnis entwickeln kann. Geschichtsbewußtsein aber bildet sich nicht in Archiven aus und sollte nicht (nur) in dickleibigen Festschriften abgelegt werden, sondern in der wechselseitigen Kommunikation und Interaktion zwischen gesellschaftlichen Gruppen und unterschiedlichen Teilnehmern aus allen Bereichen der Kulturwissenschaften und Kunst. Die Gestaltung von sozialer Identität kann sich nur über die Persönlichkeit einbringen und geht den Weg über die Aneignung und Vermittlung von sozialwissenschaftlicher Kompetenz. Nun ist es wunderbar zu hören, das zukünftige Studentinnen und Studenten als Postgraduierte in Giessen die Chance erhalten und einen Weg bestreiten können, der für die Betroffenen - Jahre später in der Rückerinnerung - ein Stück authentisch-sinnhafte und wissenschaftliche Heimat geworden sein wird.

In anderen Ländern ist es längst Praxis, dass der Handel und die Universität in einer Region kooperieren und damit positiven Einfluß auf die persönliche Stadtentwicklung nehmen. Giessen ist originäre Wissenschaftsstadt und der Stabilitätsfaktor für die soziale Entwicklung ist die Universität. Warum eigentlich nicht sollte der Handel Hilfestellung leisten und Gastgeber der Region sein, der Räume gestaltet und zur Verfügung stellt?

Gemeinsam mit den Fachhochschulen und im Zusammenwirken der Ausbildung von jungen Menschen in Forschung und Lehre, bietet es für den Handel und die Wirtschaft in der Stadt die einmalige Chance mit der Wiissenschaft gemeinsam voneinander zu lernen, wenn die Bereitschaft für eine Koordination vorliegt und ein Konzept mit den richtigen Fragestellungen und Zeitfenstern ausgearbeitet ist.                                                                                   

Frank Sygusch





Giessen, 01. Dezember 2006 / alle Bilder: Frank Sygusch


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