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Heiner Meyer in der neuen Kunsthalle in Giessen







Rätselhafte und paradoxe PopArt eröffnet Wege in überlagerte Traumwelten / Bunte zuckersüße Idole mit Lack und Öl verfremdet und bereichert / Objekte aus Metall schwerer als die Erinnerung








GIESSEN (fsy).                              Viel Anerkennung und Lob erhielt der 1953 in Bielefeld geborene Maler und Bildhauer Heiner Meyer für seine ausgestellten Werke und Objekte anlässlich der Eröffnung der neuen Kunsthalle gestern Abend in Giessen.











Heiner Meyer in der neuen Kunsthalle in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)












Der Leiter des Oberhessischen Museums und Kurator der Ausstellung Dr. Friedhelm Häring zeigte sich hocherfreut darüber, dass der Künstler auf Anfrage spontan zugesagt hatte eine Ausstellung zur Eröffnung der neuen Giessener Kunsthalle durch zu führen.









Kurator der Giessener Ausstellung Dr. Friedhelm Häring

(Foto: Giessen-Server.de)








Heiner Meyer, ehemaliger Meisterschüler von Malte Sartorius in Braunschweig, ist mittlerweile ein nachgefragter Künstler im In- und Ausland. Seine in Giessen ausgestellten Werke spielen mit der uns umgebenden Medienwelt, die unsere Wirklichkeiten, Sinne und Wahrnehmungsebenen ständig bestimmen und irritieren.


Einige der großformatigen Bilder wirken auf den Betrachter wie fiktive Denkmäler; auf die frontale Ebene begrenzt und die Tiefenansicht scheint zunächst verborgen zu bleiben. Die bunten, in der additiven Farbmischung erzeugten vielfältigen Bildteile, werden in Flächenaufteilung und Farbigkeit als Aussagewunsch durch komplexe Farbmuster ergänzt und überlagert, deren Wirkung durch eine Mehrteiligkeit aus der subtraktiven Mischung entsteht und mehrmals aufgehoben zu sein scheint. Die bunten und farbenfrohen Idole entstehen vermutlich aus abgezeichneten Fotographievorlagen, Plakaten usw. und treiben die Fragen und Zusammenführung nach den überlieferten Idolen aus verschiedenen Zeitepochen auf markante Art in eine Nachdenklichkeit über Farbwirksamkeit und Aussagekraft.












Heiner Meyer in der neuen Kunsthalle in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)






(Foto zeigt nur einen Bildausschnitt)








Was sein buntes Werk, das schon fast einer Bilderserie gleichkommt besonders auszeichnet ist das Vermögen zur Vieldeutigkeit. Und es könnte sein, dass Heiner Meyer den größten Zuspruch von den Personen erntet, die sich ironisch mit denen vergleichen, die er in Öl und Lack auf Leinwand farbenfroh abbildet. Dieser postmoderne Effekt scheint ein fester Teil der Kunstwerke.


In Giessen werden in der Hauptsache weibliche Personen auf den Bildern gezeigt, die dem Betrachter als Kinostars, Topmodels, aus dem Fernseh- und Showbusiness usw. bekannt sind. „Aber Heiner Meyer malt auch das männliche Geschlecht“, wusste Dr. Häring anzumerken, „die Arbeiten konnten wir aber leider zur Zeit nicht besorgen“.


Mit in die Bilder integriert sind immer wieder Wortteile und –fetzen, Buchstaben, Kreisformen und Markenzeichen von Produkten aus der Auto- und Wäschebranche, die graphisch als signifikante Mehrdeutigkeitsmerkmale eingesetzt werden und die Wirksamkeit und Macht des Massenkonsums herausfordern. Denn, wer bitte schön möchte nicht gerne und bequem reisen in feinem Zwirn, in schicken Automobilen und in extravaganten Designer-Schuhen durch die reale Welt laufen? Aber „Prosecco in Blechdosen unter dem Namen RICH“, das ist schon zum Lachen komisch. Ein Produkt, „das mit Paris Hilton vermarktet wird“ und wenn die junge Dame irgendwo auftaucht, warten bereits 200 Leute und keiner weiß eigentlich warum?










Heiner Meyer in der neuen Kunsthalle in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)





Heiner Meyer in der neuen Kunsthalle in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)






Besonders die durchdacht arrangierten Farbmischungen der großen Bilder mit den starken und  überbetonten Konturen und die Grenzlinienführung aus bestimmten leuchtenden Tonstufen zeigen in der neuen Kunsthalle von Giessen ihre farbefrohe Wirkung. Der neue Ausstellungsraum war im Beleuchtungsaufbau mit Hauptlicht und Aufhellung und Effektlicht hoch eingestellt, das blendete ein bißchen und die Tiefe des Raumes wurde damit begrenzt. Die Farbgestaltung in Meyers Werken dürfte bei dem Einsatz von natürlichem Tageslicht noch stärker nach innen wirken und die überlagerte Hintergründigkeit der Bildmotive besser ausleuchten. PopArt leuchtet eben per se und zieht eine eigenwillige Rezeption der Umgebung nach sich, die bis in die Traumwelten und den Zwischenraum von Dichtung und Wahrheit wirkt: Déja vu, so der anspruchsvolle Titel der Giessener Ausstellung von Heiner Meyer.











Heiner Meyer in der neuen Kunsthalle in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)











Die Objekte aus Metall zeigen wunderbare Arbeiten des Bildhauers Heiner Meyer. Die „High Heels“, Sexsymbol seit den 50er Jahren und zuständig dafür, dass sich der gluteus maximus zusammen zieht, wirken als Skulptur auf dem schwarzen Sockel ganz unschuldig dahin gestellt, wie zwei schicke graue Wohnmobile für kleine Mickymäuschen. Erst wenn man sich um die Skulptur herumbewegt, geraten die Erinnerungen in Bewegung.





Kurator Dr. Friedhelm Häring stimmte zum Auftakt der Ausstellung sogleich mit in die vorzüglich dargebotene Ballade der Moderne der Schmachtigallen ein und sang mit dem Quartett „Diamonds are girls best friend“…





Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann hatte zuvor die Gäste begrüßt und wünscht sich, dass mit der Ausstellung und dem Künstler Heiner Meyer "Giessen weit über die Grenzen hinaus bekannt werden kann".




Den Dank an die vielen Leihgeber der Kunstwerke, die aus zahlreichen Galerien und privaten Sammlungen zusammen getragen wurden, überbrachte der Kulturdezernent Harald Scherer. Der Künstler selbst freute sich über die Möglichkeit hier „in Giessen die neu erbaute Kunsthalle im Rathaus als erster Künstler zu bespielen“ und bedankte sich bei den vielen Mitarbeitern, die dazu beigetragen hatten, dass die Kunstwerke in Giessen zu sehen sind.






Den Katalog zur Ausstellung mit einer Einführung vom Kurator Dr. Friedhelm Häring gibt es bis zum Ende der Ausstellung in Giessen zum Vorzugspreis von Euro 20.-; später ist der Katalog nur noch über den Buchhandel für etwas mehr Geld zu haben.






Heiner Meyer – DÈJA – VU in der Kunsthalle Giessen / Berliner Platz 1




Öffnungszeiten:



Dienstag bis Sonntag



10.30 Uhr bis 17.00 Uhr




Eintritt frei







Giessen, 06. Juni 2009 / alle Fotos von der Ausstellungseröffnung: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)


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