Gespräch vor den Bildern für Interessierte am 16. Juni und Performance am 11. Juli in der Kreisvolkshochschule in Lich
LICH (pm/fsy). Noch bis zum 17. Juli dauert die Ausstellung von Gisela Denninghoff, die am letzten Samstag eröffnet wurde und den Titel „Tanz mit dem Schatten“ trägt. Am 11. Juli um 17.00 Uhr findet eine Performance mit Hans-Michael Schumann statt; bereits am 16. Juni um 18.30 Uhr bietet Giesela Denninghoff ein Gespräch vor den Bildern für Interessierte an.

(v.li.) Gisela Denninghoff, Dr. Susanne Ließegang und Dr. Marieanne Ebsen-Lenz bei der Ausstellungseröffnung in der Kreisvolkshochschule in Lich
(Foto:Giessen-Server.de)
Gisela Denninghoff (*1939) zeigt in ihrer Retrospektive zahlreiche Arbeiten aus ihrem gesamten bisherigen Schaffensprozess. Dank der Initiative von Dr. Marieanne Ebsen-Lenz (Leiterin der Kreisvolkshochschule in Lich) besteht zum ersten Mal die Möglichkeit für die Besucherinnen und Besucher frühe und spätere Werke der Kunstpädagogin, die über viele Jahre an der Giessener Liebigschule wirkte, in einer Ausstellung betrachten zu können.

Die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen, 1984 - Acrylfarbe / Leinwand 245x155
Die früheste Arbeit, die in Lich gezeigt wird, orientiert sich an der Aneignung der klassischen Malerei im Selbstportrait aus dem Jahr 1965. Die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Ließegang, die mit einer inhaltlichen Bestimmung die Gäste der Vernissage anschaulich durch die malerisch technische Entwicklung und inhaltliche Gewichtung an exemplarischen Beispielen führte, hob hervor, dass Denninghoff in der künstlerischen Entwicklung bald „den gestempelten Körper verlassen“ habe und hinfort „mit dem Bild zu suchen“ begann. Das Werk vorantreibend sind aber genau jene Bilder und Zeitphasen gewesen, die „den Körper immer wieder und auf neue Art“ in Frage stellten.
Bis hin zu der konkreten Suche in der Begegnung mit den Fundamenten des Lebens werden im Entstehungsprozess die einzelnen Bilder in sich aufgebrochen und das künstlerische Leben als Schaffensform an die Leinwand gebunden verstanden.

Schattentanz, mit eigenem Schatten, 2006 - Lava/Acryl/Leinwand 185x155
„Die „Schatten“ als politisches Ereignis, als persönliche Krise, aber auch als Bildmotiv begleiten dieses Werk. Sie treiben es an und setzen ein kreatives Potential frei, das die Verwandlung von Wut, Angst, aber auch Schmerz und Trauer in immer neuen Ansätzen sucht“.

Faltung in Acryl, Lava, Farbpigmenten auf Leinwand
Besonders wirkungsvoll erscheinen dem Betrachter die Arbeiten, die sich als Faltungen in Acryl, Lava, Farbpigmenten auf und aus der Leinwand erheben. Die um 2002 entstandenen Werke öffnen den umgebenden Raum für die Leuchtkraft der Farben und scheinen gleichsam Schutz für etwas Verborgenes zu bieten, das sich, wie in einer weiten Landschaft, verlaufen oder verloren hat, aber entbunden sein will. Die Faltungen der Leinwand umschließen auch Schatten; und die Farben der Pigmente verwandeln sich, je nach Perspektive und geben den unbunten Schattenfarben eine freie Bewegung in den Raum vor.
Seit geraumer Zeit arbeitet Gisela Denninghoff mit dem Sänger Hans-Michael Schumann. Beide gestalten in einem gemeinsamen und wechselseitig wirkenden Mal- und Gesangsprozess, indem eine auf dem Boden liegende Leinwand aus der Wechselwirkung zwischen Körperklang, Schattenwahrnehmung und Klangfarben gemeinsam zu einem Bild entwickelt wird. Auch hier wirken Schatten als konkrete Schattenbilder und Konturformen wahrgenommen; und entfalten als imaginäre Kraft, aus der Erinnerung und Spiegelung heraus, Übertragungsformen, die im künstlerischen Prozeß einen Ausdruck finden. Das entstandene Bild bleibt bis zum Austrocknen liegen und wird erst später aufgerichtet.
Dr. Susanne Ließegang ist sich sicher, dass der Schaffensprozess von Gisela Denninghoff im Zeitkontinuum weitergehen wird und „immer neue Wege gesucht werden, um aus Verhärtung und Starre auszubrechen.“
Giessen, 10. Juni 2009 / Bilder: Giessen-Server.de
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