Quelleninterpretation in neuen und hellen Besucher- und Diensträumen möglich / 1200 Quadratmeter Magazin- und Nutzungsflächen / Mit computergestütztem Programm werden Dokumente schneller sortiert und zu Quellen / Archivteam unterstützt Besucher und Forscher bei Anfragen
GIESSEN (fsy). In die neuen Räumlichkeiten des Stadtarchivs von Giessen im neuen Rathaus hatten der Leiter Dr. Ludwig Brake und die Mitarbeiterinnen Cornelia Claes und Rita von Bierbrauer gestern die Presse eingeladen.
Auf nunmehr 1200 Quadratmetern verteilen sich die neuen Nutzungs- und Arbeitsflächen; Dienst- und Benutzerräume, die im 4. Stock des Rathauses und – wie es sich für ein richtiges Archiv gehört – in zahlreichen Magazinräumen im Keller des Hauses befinden. Dort garantieren eine konstante Luftfeuchtigkeit von 40-50%, eine kühle und gleichbleibende Temperatur von 18 Grad und säurefreie Kartonagen, Boxen und Mappen, dass die Archivalien als Quellen für die Nachwelt gut geschützt bleiben und sicher aufgehoben sind. Ohne die technische Bereitstellung für die Erhaltung würden „die Dokumente nach und nach zerfallen, weil Mikroorganismen und Temperaturschwankungen die Unterlagen zersetzen würden“, erklärte Dr. Brake.

Dr. Ludwig Brake in einem der zahlreichen Magazinräume im Stadtarchiv Giessen
Dr. Ludwig Brake
Oftmals, auch unsortiert oder unabsichtlich aufgehoben und in das Archiv gekommen und überliefert, enthalten die Dokumente, als Materialisierung des menschlichen Handelns aus bereits vergangenen Zeitabläufen, Quellen für die Interpretation.
Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de

Dr. Ludwig Brake
In den zahlreichen Kellerräumen lagern Urkunden, Akten, Schriften, Karten, Briefe, Plakate u.v.m.
Zur Zeit befreit deshalb Praktikantin Sabine Kühn (Studentin mit Bachelor im Masterstudiengang Geschichte) in einem Arbeitsraum viele Dokumente aus Plastikhüllen und Ordnern, die von der privaten Giessener Vogtschen Handelsschule stammen. Beide Utensilien sind nämlich für eine langlebige Lagerung von Dokumenten ungeeignet, da die Hüllen chemische Weichmacher enthalten, die die Drucktinte vom Papier ablösen und eine liegende Aufbewahrung in speziellen Archivboxen den stehenden und offenen Ordnern der Vorzug gegeben wird.
Dr. Ludwig Brake
Das Recht die Dokumente des Giessener Stadtarchivs als Quellen einzusehen und zu nutzen steht jeder Person frei. Denn im Verwaltungshandeln des Staates, das den Mitbürgerinnen und Mitbürgern dient und den gesellschaftlichen Wandel über Institutionen und feste Verwaltungseinheiten und Bestimmungen reguliert, entstehen riesige Mengen an Unterlagen. Damit diese Dokumente, als eine Materialisierung des Handelns aus bereits vergangenen Zeitabläufen für die Zukunft als Quellen erhalten bleiben und nach Merkmalen erschlossen werden können, gibt es staatliche Archive. Die Überlieferung der Akten aus der Stadtverwaltung zu sichten und zu bewahren ist der Hauptgrund des Stadtarchives und die funktionale Zuständigkeit.

Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de
Giessen als Stadt zählt zu den Stadtregierungen, die sich seit Anfang der neunziger Jahre ein eigenes Archiv mit ausgebildetem hauptamtlichen Fachpersonal leisten können. Zuvor galt das Stadtarchiv in kleinen Räumen im Keller des Gesundheitsamtes untergebracht als die „Schlussleuchte“ in der hessischen und überregionalen Archiv-Fachwelt. Für die Marburger Archivschule, die für den höheren und gehobenen Dienst bundesweit ausbildet, galt Giessen gar als „worst-case“. Aus diesem Grund schenkten hessische Berufskolleginnen und –kollegen Dr. Brake vor Jahren einstmals eine rote Laterne. „Das ist heute vorbei“ und die schlechten Arbeitsbedingungen für Nutzer und Mitarbeiter im Stadtarchiv gehören jetzt der Vergangenheit an.

Die rote Schlussleuchte, die hessische Kolleginnen und Kollegen Dr. Brake einst schenkten, soll in der Quelleninterpretation nur noch an die früheren Zeiten erinnern ...
(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)
Zusätzlich sammelt das Archiv für die Geschichte und Gegenwart der Stadt Giessen bedeutsames sonstiges Dokumentationsmaterial, das auch fremdes Archivgut enthält. Das können Unterlagen von Vereinen, Firmen; Schulen; Privatpersonen usw. sein, die dem Stadtarchiv zu einer Prüfung auf Archivgut angeboten werden.

Giessen, nutzt wie viele andere Archive, das Software-Programm AUGIAS zur digitalen Erfassung der Dokumente; aber wer will kann auch die Archiv-Struktur im herkömmlichen Ordner einsehen und systematisch mit Fragestellungen und nach Querverweisen suchen. Auch ein Bildarchiv ist seit Jahren im Aufbau, das bereits viele visuelle Quellen bereitstellt.
Die Öffnungszeiten des Archivs sind: Mo., Di., Do. und Fr. vormittags von 9.00 bis 12.00 Uhr und Mi. nachmittags von 14.00 bis 18.00 Uhr.
Besucherinnen und Besucher, die das Archiv nutzen möchten werden gebeten sich vorher mit möglichen Anfragen telefonisch oder per mail an das Stadtarchiv zu wenden. So kann gewährleistet werden, dass bereits vor dem Besuch eine Bearbeitung möglich ist. Alle Dokumente lagern im Magazin im Keller und können deshalb nicht sofort geholt werden.
Dr. Ludwig Brake
Im 4. Stock erwarten zukünftige Besucherinnen und Besucher helle mit Licht durchflutete Arbeitsräume mitsamt einer Präsenzbibliothek, die bereits umfangreiches Wissen über die Stadt Giessen und Region zusammenführt.
Dr. Ludwig Brake - "Es sind eben nicht nur alte Akten ... es sind die Menschen, die hierher kommen und Fragen an uns stellen ..."
Stadtarchiv Giessen, Berliner Platz 1
Telefon: 0641 - 306 -1540
email: Stadtarchiv@giessen.de
Giessen, 07. August 2009 / alle Fotos und Ton: Giessen-Server.de (Frank Sygusch)
Februar 2012
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