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Katja von Puttkamer in Giessen






Papier-Atelier als faltbare Installation und öffentlicher Stadt-Kunstraum / Transformationsprozesse des Kunstraums im Blick / Gemalte Stadtraumgeschichten / Persönliches und Motivsuche langsam entdecken





von Frank Sygusch







GIESSEN.                            Zierlich geformte Spuren als Raster in schwarz und weiß finden sich auf einem Entwurf eines Stadtbildes, das Katja von Puttkamer in dem von ihr selbst geschaffenen Papier-Atelierraum gemalt hat. Ineinander fließende Unfarben bis zum grau, die ein bekanntes Giessener Wahrzeichen festhalten und Farbversuche im Hauptgrund in gelb, blau und mit einem kräftigen Rot, die wie Lebenselixiere alles im Motiv hervorheben, um sich vor der Annäherung an die Wirklichkeit zu schützen, zeigen die wunderbaren Versuche der Stadtmalerin sich der städtischen Landschaft von Giessen zu nähern.














Katja von Puttkamer in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)












Katja von Puttkamer in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)













Katja von Puttkamer in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)




















Wer z.Zt. den Ausstellungsraum des Neuen Kunstvereins in Giessen betritt, wird zunächst überrascht sein von der besonderen Helligkeit, die von innen aus dem Raum hinauszuströmen scheint und das Auge ein wenig blendet.


Steigt man in den Raum über die Öffnung hinein, die an die Bauweise von Türen im Inneren eines Schiffes erinnert, braucht es ein gewisses Maß an spontaner Gleichgewichtserfahrungsumstellung. Denn hat man sich in das Innere des Kunstraums begeben findet eine Transformation der Orientierung statt.


Es geht alles ganz schnell und dauert nur einen winzigen Augenblick, denn unsere Sehgewohnheit assoziiert spontan eine Überbelichtung, doch im Raum angekommen bietet das helle Licht bereits Schutz und kann als wahrgenommene Hülle zum festen Bestandteil einer Außenansicht werden. Wer draußen steht, kann zwar durch die dicken Glasscheiben und die zwei extra gestalteten eckig-runden Gucklöcher reinschauen, erlebt aber nichts von dem was drinnen mit allen unseren Sinnen passiert, wenn wir den Raum als einen Teil des Kunstwerkes erleben.
















Katja von Puttkamer in Giessen

(Fotos: Frank Sygusch)








Für das Lot im Blick: die Wasserwaage und der Fotoapparat als Werkzeuge

(Foto: Frank Sygusch)









So wie die Zunge ohne Feuchtigkeit nicht schmecken kann, suchen wir im Inneren des von Katja von Puttkamer geschaffenen Raumprinzips zunächst nach Halt mit den Augen. Das gelingt aber nicht ohne weiteres sofort, weil eigentlich das Gehör für die Orientierung und Kommunikation im Raum zuständig plötzlich abgelenkt ist.



Und wer drinnen ist, will gar nicht mehr rausschauen, und plötzlich wird der Lärm, der jetzt durch die Raumöffnungen eintritt als sehr viel lauter erlebt als zuvor.








Katja von Puttkamer in Giessen

(Foto: Frank Sygusch)








Die Stadtmalerin Katja von Puttkammer benutzt eine Fotokamera als Hilfsmittel und hat sich damit auf den Weg gemacht durch die Strassen und Gassen von Giessen, um vielleicht abwehren zu können, was nicht endgültig auf das Holz im Ausstellungsraum getrocknet werden kann. Was übrigbleibt wird in Skizzen und Formen überführt und es scheint, dass aus den selbst gemachten Fotographien mehr als bloße Ausgangspunkte für Stadtbilder entstehen: Denn“ wer seinem Auge traut, entblößt seine Seele“ ist Prinzip und Prozess zugleich und das, was als ein Grundgedanke im Gebrauch mit der Kamera entstehen kann, wird in einer installativen Ausstellungserzählung mit Licht und Farben spürbar und erlebbar präsentiert.









Katja von Puttkamer in Giessen - Entwürfe entstehen im Papieratelier

(Foto: Frank Sygusch)








Das Unscharfe wird betont und der spontane Farbauftrag geschätzt, um der Wirklichkeit subjektive Bedeutungen abzuringen und auf die Leinwand zu spannen, damit eine dahinter versteckte Theorie des Sozialen sichtbar werden kann, die einstmals eine Stadtlandschaft geformt und hat Stadtgeschichte entstehen lassen. Doch gilt nicht in der Kunst, dass die (vor-)gefundene Wirklichkeit keine Neuordnung bilden kann solange der Differenzierungsprozess im Betrachter als eine Kunde entsteht?









Katja von Puttkamer in Giessen

(Foto: Frank Sygusch)









Katja von Puttkamer schätzt die raumbezogene Kunstform und ihr Zugang der Installation samt Aufhebung bilden eine Grundlage für den Prozess von Raumgestaltung und Lichtformen. In der kleinen Kunsthalle des Giessener Neuen Kunstvereins erschafft sie aus Papier einen intimen Innenraum als Arbeits-, Lebens- und Ausstellungsraum zugleich, der sich durch eine besondere Lichtraumgestaltung auszeichnet. Aber ist es nicht mehr, als bloß die Innenwahrnehmung und -ansicht vor den Blicken der anderen und der Außenansicht zu schützen?








Katja von Puttkamer in Giessen - Besucherinnen und Besucher hinterlassen Spuren im Kunstraum auf dem Boden des Ausstellungsraums

(Foto: Frank Sygusch)








Die hellen und bunten Landschaften, die von der Stadtmalerin Katja von Puttkamer im Prozess der eigenen Sehweise und Aneignung des städtischen Raumes von Giessen entstanden sind, verdichten sich in einer wirksamen hellen Ferne im Ausstellungsraum. Das findet in geometrischen Formen auf Umwegen und feinen Strichen statt und es werden Strukturen bloßgelegt, die wir sonst kaum wahrzunehmen wagen. Im Laufe der Austellungsdauer entstehen feine Spuren auf dem weißen Ausstellungsboden und zeugen davon, dass Personen im Raum gewesen sind, um vielleicht endlich ein Abenteuer zu entbinden, das zur eigenen Stadtgeschichte passt.















Bis zum 20. September dauert die Ausstellung noch. Dann wird die Bedingung der Möglichkeit für die Relativierung der unendlichen Innenansichten zusammengefaltet und die Installation wird an einem anderen Ort, oder nirgends fortgesetzt oder vielleicht auch als eine geniale Idee der Verbindung von Malerei und Plastik mit einem Holzgerüst für ewig als bleibendes Kunstwerk konserviert, was äußerst wünschenswert wäre.






Öffnungszeiten: Mi. 16.00 bis 19.00 Uhr, Sa. 14.00 bis 17.00 Uhr u.n.V.




Neuer Kunstverein Giessen e.V.




Ecke Licherstrasse / Nahrungsberg




Tel.: 0641 – 250 94 44







Giessen, 14. September 2009 / Fotos: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)












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