Eine informative Rast erlebten die Grenzgänger im Vereinsheim des Flugsportvereins Bild: Klaus-Dieter Jung
Einen riesigen Volksauflauf zog die Landung des Zeppelins „Parseval III“ auf dem Exerzierplatz „Am Trieb“ nach sich, das Militär sperrte den Platz ab, „jeder wollte das Fluggerät anfassen“. Der erste Freiballon stieg am 28. Mai 1911 auf, 10.000 Zuschauer erlebten den ersten Schauflug einer „Flugmaschine“ am 14. Juli des gleichen Jahres am Trieb. Ein Jahr später gründete sich der Luftfahrer-Verein Gießen. Zwei Tage lang herrschte reges Treiben auf dem Flugtag in den Eichgärten, gemeinsam veranstalteten im Oktober 1924 Flugsportverein und Verkehrsverein Gießen eine große Sportflugschau.

Aus dem einst stolzen Flughafengebäude Gießen ist heute ein unterDenkmalschutz stehendes aber verfallenes Relikt geworden. Bild: ReproKlaus-Dieter Jung
Mit viel Tam-Tam fand die Eröffnung des Flughafens Gießen am 5. Juli 1925 statt, die Lufthansa betrieb ihn auf dem unbebauten Gelände „Am stolzen Morgen“. Weniger stolz sieht heute das im September 1927 eingeweihte Flughafengebäude aus, bedauerte Dieter Kraushaar. Es steht unter Denkmalschutz und soll in einem bedauernswerten Zustand sein, der Zugang ist Zivilisten nicht möglich, weil das Gebäude sich auf dem militärischen und abgesperrten Teil hinter dem Alpin Club befindet. Anhand von gekennzeichneten Karten zeigte Dieter Kraushaar die Flächenentwicklungen auf, Flugzeughalle und weitere Gebäude entstanden 1929. Alles sei überschaubar gewesen, Erweiterungsmöglichkeiten hätten aber bestanden. Einen kurzen Gedanken vom „Airport Gießen“ warf Kraushaar auch schmunzelnd ein. An 149 Tagen beflogen 1926 Flugzeuge die Strecke Frankfurt-Giessen-Kassel, drei Stunden dauerte ein Flug. Heute sei die reine Flugzeit geringer, aber mit der Abfertigung falle ebenfalls die Zeit an. Als „Luftfahrtfeuer für die Nachtflugstrecke“von Hannover nach Frankfurt/Main wurde der „Blinkturm“ bei Rödgen in den Plänen dargestellt. Doch sein Bau 1933 könnte ein Teil der einsetzenden Militärisierung gewesen sein, vermutete der Nachforscher.Aus dem Flughafen Gießen wurde jetzt ein Fliegerhorst und das Blinkfeuer war vermutlich eine Einflughilfe für das auf dem Gelände stationierte Kampf-Geschwader „Greif“. 1938 erfolgte eine Flächenausdehnung, eine weitere Flugzeughalle entstand. Auf den Plänen wurden sie als „Wirtschaftsgebäude“ dargestellt, doch in Wirklichkeit befanden sich viele Munitionslager auf der Fläche.

Auf der Karte ist das Gelände, das unmittelbar an die RödgenerGemarkung grenzt, zu sehen. Rechts die Erläuterungen. Bild:Klaus-Dieter Jung
Viele Bomben seien auf dem weitläufigen Gelände gelagert worden, erkundete Krauhaar und gab auch Geschichten über den Flächenentzug zur militärischen Nutzung von Rödgenern zum Besten.Viele Piloten, die mit ihren Bombern in Gießen aufstiegen, seien von ihren militärischen Aufträgen nicht mehr zurück gekehrt. 1945 nahmen die Amerikaner die große Fläche in Beschlag, bis 1954 änderte sich viel an der Bebauung und Nutzung des heutigen Depot Areals. Dieter Kraushaar empfahl schließlich nach dem Abzug der Amerikaner, „verschiedene vernünftige Vorschläge“ für die Nachfolgenutzung zu machen. „Hausherr“ und Vorsitzender des Flugsportvereins Gießen stellte kurz den Verein und seine Maschinen vor.
Der Vorsitzende vom SPD Ortsverein, Jürgen Becker dankte allen, die zum Gelingen des Grenzganges beigetragen hatte. Bei Hausmacher Wurst und Gesprächen in der Gaststätte „Deutsches Haus“ endete ein erfolgreicher und informativer Spaziergang.
Giessen, 05. Januar 2007 / Text und alle Bilder: Klaus-Dieter Jung
Mai 2012
Giessen Links
Stadt Giessen
Justus-Liebig-Universität
Fachhochschule Giessen
Tourist Information Giessen
Kunsthalle Giessen
Stadttheater Giessen (Jahresprogramm)
Mathematikum in Giessen (Jahresprogramm)
Botanischer Garten in Giessen
Liebig Museum in Giessen
Kümmerei in Giessen
Messe Giessen