Uraufführung am 02. Oktober 2009 in Giessen
Musik von Manu Chao, Louis Sclavis und Amestoy Trio
GIESSEN (mip/r). „Clandestino“: Ins Deutsche übersetzt heißt das spanische Wort “heimlich”, im politischen Sinne aber auch “gesetzeswidrig”. Ein „Clandestino“ ist jemand, der sich illegal in einem fremden Land aufhält, seine alte Identität aufgegeben und ein neues Leben begonnen hat – jenseits des Gesetzes. Die wenigen Erinnerungsstücke, die die meisten „Clandestinos“ aus dem alten Leben in die heimliche Existenz hinüber retten können, füllen nicht mehr als eine kleine Kiste.
Die Kartons, die wir als Wohlstandsbürger während eines Umzugs packen, stellen zwar lange nicht so existenzielle, aber dennoch ähnliche Fragen nach unserer Identität. Ein neuer Job, eine neue Beziehung – ab und an dreht sich das Rad des Lebens weiter und wir machen uns auf in eine andere Wohnung, eine andere Stadt oder ein anderes Land. Die Habseligkeiten werden in Kisten gepackt, die mit uns auf die Reise gehen. Doch so mancher Karton ist darunter, der vielleicht für längere Zeit nicht mehr angerührt werden wird. Wie in tiefen Schubladen oder dunklen Kellerecken lagern darin in aller Heimlichkeit verschiedenste Dinge: ein altes Fotoalbum, ein Lieblingsobjekt aus der Kindheit oder das T-Shirt eines verflossenen Geliebten: In ihnen manifestiert sich unsere individuelle Geschichte. Ebenso verborgen bleiben manchmal auch unsere Gedanken, Träume und Sehnsüchte. Nicht nur, dass sie nicht nach Außen getragen werden - einige darunter haben wir sogar selbst längst nicht mehr vor Augen.
Mit seinem neuen Tanzstück begibt sich der Choreograph Tarek Assam auf die tänzerische Suche nach Heimlichkeiten privater, sozialer und politischer Art. Angelehnt an die poetischen Lieder Manu Chaos entwickelt Assam Bilder, die von Flucht, von vergangener Liebe und wohl gehüteten Geheimnissen erzählen. Die Berliner Ausstatterin Annett Hunger lässt dazu in ihrer ersten Arbeit für das Stadttheater Gießen zahlreiche Kisten auf die Bühne schweben, die für sowohl für die Tänzer als auch das Publikum eine Fülle von Überraschungen bereithalten.
Der Song „Clandestino“, der dem Tanzabend seinen Titel verleiht, war der erste Erfolgs-Hit des spanischstämmigen Franzosen Manu Chao. Die eingängigen Lieder des Komponisten und Sängers offenbaren eine Tiefe, die sie unwiderstehlich macht: Eine das Leben bejahende Fröhlichkeit trifft auf den bitteren Geschmack der Melancholie – eine Kombination, für die Manu Chao den Begriff „Malégria“ prägte. Seine Musik und sein Leben zeichne der authentische Versuch aus, „die Dinge aus Sicht der Unterdrückten zu sehen“, resümiert der Chao-Biograph Alessandro Robecchi. In CLANDESTINO werden die Lieder Manu Chaos durch zeitgenössische französische Weltmusik - den Jazzkomponisten Louis Sclavis und das Amestoy Trio - ergänzt.
CLANDESTINO
(Uraufführung)
Tanzstück von Tarek Assam | Musik von Manu Chao, Louis Sclavis und Amestoy Trio
Uraufführung: 02. Oktober 2009 | 19.30 Uhr | Großes Haus im Stadttheater Giessen
Weitere Vorstellungen: 16. und 24. Oktober | jeweils 19.30 Uhr | Großes Haus
Choreographie: Tarek Assam
Ausstattung: Annett Hunger
Mit:
Antonia Heß,
Svende Obrocki,
Magdalena Stoyanova,
Morgane De Toeuf;
Eoin Mac Donncha,
Meindert Peters,
Victor Villarreal Solis
Giessen, 30. September 2009
Februar 2012
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