Mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Pasculli und Béla Bartók
16. Januar 2007 | 20.00 Uhr | Stadttheater Giessen, Großes Haus
Einführungsvortrag mit Musikdramaturg Christian Steinbock um 19.15 Uhr im Foyer
GIESSEN (mip/r). Das neue Jahr verspricht auch im Sinfoniekonzert eine Fülle an Raritäten, Virtuosem und sinfonisch Meisterhaftem: Effektvoll und mit volkstümlichen Spielfiguren versehen ist das Konzert für Oboe und Orchester C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, romantisch und in bester Belcantomanier das selten gespielte Bravourstück für die Oboe, die SIMPATICI RICORDI DELLA TRAVIATA des Sizilianers Antonio Pasculli, von großer Ernsthaftigkeit und doch lebensbejahend das Konzert für Orchester Sz 116 von Béla Bartók. Am 16. Januar um 20.00 Uhr wird das Programm unter der Musikalischen Leitung von Carlos Spierer am Stadttheater Giessen aufgeführt. Den Solisten des Sinfoniekonzertes Christoph Hartmann (Oboe) stellen Peter Sanders und Gottfried Köll, Oboisten des Philharmonischen Orchesters, bereits am Sonntag, dem 14. Januar, um 19.30 Uhr im 1. SOLISTENPORTRÄT dem Publikum vor.

Christoph Hartmann mit Oboe (Bild: Stadttheater Giessen)
Wolfgang Amadeus Mozart hat die Oboe in vielen seiner Werke mit dankbaren solistischen Aufgaben betraut. Dass er dennoch nur ein einziges, vollständig erhaltenes Oboenkonzert geschrieben hat, lag weniger in der Ablehnung des Instruments und seines nasalen Tones als vielmehr daran, dass der Komponist grundsätzlich Bläserkonzerte nur auf Bestellung, nicht aber aus innerer Überzeugung schrieb. Auch Mozarts Oboenkonzert in C-Dur KV 314 – zwischen April und Oktober 1777 komponiert – entstand auf Bestellung eines Virtuosen. Lange Jahre galt es als verschollen, und war nur als Flötenkonzert D-Dur bekannt, bis es 1920 als Oboenkonzert plötzlich wieder auftauchte. Das dreisätzige Werk selbst – liebenswert und effektvoll – glänzt von geistreichen Spielereien und zeigt stets eine Nähe zur Opera buffa. Nicht umsonst nimmt es im Finale Blondchens Arie „Welche Wonne, welche Lust“ aus Mozarts Singspiel DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL vorweg.
Ein virtuoses Oboenkonzert ganz anderen Zuschnitts stellen die SIMPATICI RICORDI DELLE TRAVIATA – Liebenswerte Erinnerungen an La Traviata – des Italieners Antonio Pasculli dar: Eine durchkomponierte Hommage an den großen Giuseppe Verdi. Pasculli war selbst ein herausragender Oboist und komponierte, dem damaligen Musikgeschmack folgend, für sein zart näselndes Instrument virtuose Concerti, konzertante Etüden sowie verschiedene Fantasien für Oboe bzw. Englischhorn, vornehmlich zu Themen aus bekannten italienischen Opern von Bellini über Donizetti bis hin zu Verdi. Für seine SIMPATICI RICORDI wählte er einige Themen aus LA TRAVIATA aus und verband sie zu einem kunstvollen polyphonen Gemälde, dem es an grifftechnisch anspruchsvollen und virtuosen Passagen nicht mangelt, dem er jedoch zugleich genügend Raum lässt für getragene Melodien und damit für den charakteristisch melancholischen Ton des Soloinstruments.
Das 1943 komponierte Konzert für Orchester Sz 116 von Béla Bartók gehört zu den herausragenden Kompositionen des ungarischen Meisters, ein Werk, zu dem er nur mit größter Mühe überredet werden konnte; zu stark war die Gesundheit des im US-Exils lebenden Bartók bereits angegriffen.
Doch die Arbeit an diesem Konzert verlieh ihm neuen Lebensmut und gab ihm noch einmal die schöpferische Kraft, etwas ganz Großes zu schaffen. Dies zeigt sich auch im Aufbau des Konzerts, dass in seiner Grundstimmung – vom scherzohaften zweiten Satz abgesehen – „einen stufenweisen Übergang vom Ernst des ersten und dem Klagelied des dritten Satzes zur Lebensbejahung des Finales“ darstellt. Der Erfolg des Konzerts löste in den 1950er Jahren eine regelrechte Bartók-Welle aus, denn er hatte an seinem Lebensabend eine Musik geschaffen, die fesselt: „Human, ansprechend, formell und technisch vollendet, ergreifend in ihrem leidenschaftlichen, aber nie übertriebenen Ausdruck.“
Im Einführungsvortrag um 19.15 Uhr erzählt Musikdramaturg Christian Steinbock für alle Konzertbesucher Wissenswertes und Interessantes zu den Komponisten und gibt Informationen zur Entstehungsgeschichte der Werke.
Mit dem Philharmonischen Orchester Giessen
Carlos Spierer – Musikalische Leitung
Christoph Hartmann – Oboe
16. Januar 2007 | 20.00 Uhr | Großen Haus
Karten: 7.50 bis 23.50 Euro
Carlos Spierer absolvierte von 1984 bis 1990 einen Diplomstudiengang Dirigieren an der Musikhochschule Hamburg. Gleichzeitig nahm er an verschiedenen Meisterklassen teil, u.a. bei Leonard Bernstein, bei dessen Wettbewerb er 1987 den ersten Platz belegte. Von 1997-2000 war er als künstlerischer Leiter des Gävle Symphonieorchesters in Schweden und von 2003-2005 als Chefdirigent des Orquester Sinfonica de Mineria Mexico-City tätig. Engagements führten ihn u.a. nach Bremen (Deutsche Kammerphilharmonie), Berlin (Komische Oper), zu den Essener Philharmonikern, zum Radio-Orchester Brüssel, zum Orquestra Filharmónica de Buenos Aires und dem Louisiana Symphonic Orchestra New Orleans, nach Caracas, Huston, Tallin sowie nach Japan. Im ZDF dirigierte er im vergangenen Jahr die Sendung „Klassisch”. Auf dem CD-Sektor wartet er durch zahlreiche Einspielungen auf. Die Aufnahme mit Werken des Schweden Oscar Byström wurde vom BBC Music Magazine mit dem Titel „CD des Jahres 1998” ausgezeichnet. Seit 2003 ist er GMD in Giessen.
Der Oboist Christoph Hartmann studierte zunächst als Gaststudent am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg, bevor er bei Günther Passin an der Musikhochschule in München sein Studium fortsetzte und mit dem Meisterklassendiplom abschloss. Er errang mehrere Preise bei internationalen Wettbewerben, u.a. in Toulon, Genf und Tokio. 1991 wurde er Solo-Oboist bei den Stuttgarter, ein Jahr später Oboist bei den Berliner Philharmonikern, an deren Orchesterakademie er auch als Lehrer tätig ist. Neben seiner Arbeit als Orchestermusiker, Solist und Pädagoge gründete er 1999 mit Orchesterkollegen das Kammermusikfestival „Landsberger Sommermusiken”, aus dem das im In- und Ausland konzertierende „Ensemble Berlin” hervorging. Privat widmet sich der Oboist dem Sport, denn er ist passionierter Marathonläufer und Rennradfahrer. Zusammen mit seinen Partnern des Berliner Fahrradladens „Bikeline” brachte er eine eigene Fahrradmarke auf den Markt, der er einen höchst musikalischen Namen verlieh: Pasculli.
Giessen, 10. Januar 2007
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