Erfahrungen zielorientiert nutzen und Perspektiven im Dialog entwickeln
GIESSEN (fsy). Seit dem 01. März 2009 – aber nicht ganz zeitgleich mit dem Start zur zweiten Hälfte der laufenden kommunalen Legislaturperiode - leitet der Volljurist Harald Scherer (FDP) das neu zugeschnittene Dezernat IV in der Giessener Stadtverwaltung.

Harald Scherer - Stadtrat in Giessen
(Foto: Giessen-Server.de)
Darin enthalten sind das Rechtsamt; das Schulverwaltungsamt mit der Musik- und Abendschule; das Kulturamt mit der Stadtbibliothek und die Volkshochschule. Hinzu kommen die Aufgaben für die Städtepartnerschaften und Partnerschaftsvereine und die beiden Ortsbeiräte Lützellinden und Rödgen. Zudem hat Stadtrat Harald Scherer den Vorsitz im Aufsichtsrat des Stadttheaters von seinem Vorgänger im Amt Dr. Reinhard Kaufmann übernommen. Der hatte in den letzten Jahren als ehrenamtlicher Kulturdezernent gearbeitet und versucht mit etlichen Ideen und Projekten, die im gemeinsamen Koalitionspapier zwischen den regierenden Fraktionen CDU, Grünen und FDP ausgehandelt sind, neue Impulse für das kulturelle Profil der Stadt Giessen zu setzen.
„In diese Fußstapfen als Nachfolger zu treten ist nicht einfach“; doch der engagierte Kommunalpolitiker Scherer hat sich von Beginn seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Stadtrat in die Arbeit gestürzt. Im Moment „liegt die Arbeitsbelastung im Zeitdeputat bei ca. fünfzig Stunden und mehr und der Bereich des Kulturamtes macht vielleicht die Hälfte davon aus. Aber das wird sich natürlich auch wieder verändern und verschieben müssen, wenn im nächsten Jahr zum Beispiel der Giessener Schulentwicklungsplan neu überarbeitet und fortgeschrieben werden wird“.
Kultur im Dialog
„Natürlich sind es zahlreiche Pflichtaufgaben, die anfallen“; aber besonders will der neue Stadtrat im Kulturbereich zielorientiert auf den „Dialog“ zwischen den vielen Gruppen setzen. Für ihn geht es darum, die vorhandenen Erfahrungen und Potentiale zielorientiert nutzen und Perspektiven gemeinsam im Dialog entwickeln. Den Anfang dazu bildete eine Veranstaltung Ende August unter dem Titel „Kultur im Dialog“.
Das Treffen wurde von Annette Eidmann (Mitarbeiterin im Kulturamt) und den beiden städtischen Kümmerern Manuela Weichenrieder und Jörg Wagner federführend vorbereitet. Es war der Auftakt zu einer Initiative, deren Ziel es ist zwischen Kultur, Kulturwirtschaftsförderung und Stadtentwicklung den Kommunikations- und Koordinationsprozess weiter zu entwickeln, damit der öffentliche Stadtraum Giessen stärker als bisher als gemeinsamer Standort für Kultur, Bildung und Wissenschaft eine eigene soziale Identität ausbilden kann.
Dieser, als „Kultur im Dialog“, angeregte Austausch traf auf viel Resonanz und hat zahlreiche Themen, Kritik und Anregungen aufgegriffen. Den Prozess mit Workshops zu befördern und zu begleiten ist jetzt in konkreter Planung: eine spannende Frage für die kommenden Jahre. Dabei geht es u.a. auch darum nach klaren und überparteilichen Antworten und Handlungsempfehlungen zu suchen, wie eine gemeinsame Plattform und Vernetzung vor Ort aussehen kann, damit „Optionen zur Umsetzung in die kulturelle Praxis sich entwickeln“ können. Eine verbesserte Zusammenarbeit und ein Zusammenwirken der Akteure für die Förderung der Kulturwirtschaft zwischen Kommune, Hochschule und Fachhochschule, dem Land und den vielen Gruppen und Kulturschaffenden bildet eines der Hauptziele der städtischen Kulturarbeit vor Ort.
Entlang der verschiedenen Fragestellungen von Kultur- und Kreativwirtschaft, deren Beachtung auch eine wichtige ökonomische Bedeutung für die Stadtentwicklung zu kommt, werden originäre und gemeinsame Antworten gesucht werden müssen.

Harald Scherer an seinem Schreibtisch im Rathaus Giessen
(Foto: Giessen-Server.de)
Riesige Bandbreite an verschiedenen Kulturaktivitäten
Im Gespräch erinnert der Kulturdezernent aber auch daran, dass „Giessen bereits eine interessante Palette und riesige Bandbreite an verschiedensten Kulturaktivitäten zu bieten hat. Das geht bis in den Bereich der Freizeitkultur und der Nachbarschaftskultur und dazu gehören zum Beispiel auch Veranstaltungen, wie „Schlammbeisers Lahnlust“ und „Fluss mit Flair“ entlang der Wieseck im Bereich der Löberstraße und angrenzenden Straßen; oder „nehmen Sie das Bruchstraßenfest, das bereits eine lange Tradition hat. Und warum sollen eigentlich nicht weitere Straßenfeste in Giessen entstehen.
Mit dem „Hein-Heckroth-Preis“, der in diesem Jahr an die lebende Theaterlegende Robert Wilson verliehen wurde, hat die Stadt Giessen viel überregionale Anerkennung und Beachtung erhalten. Oder der „Musikalische Sommer auf dem Schiffenberg“ mit den vielen Konzerten über die Monate hinweg; oder die Arbeit der „freien Musik- und Theaterszene“, die in Giessen seit über vielen Jahre erfolgreich arbeiten und zu Konzerten und Aufführungen im Botanischen Garten auftreten. Und die Aktivitäten und Entwicklungen um die öffentlichen und historischen Stadtführungen „Giessen erleben und Giessen entdecken“ zu den unterschiedlichsten Themen. Oder die „Giessener Köpfe“, von bildenden Künstlern geschaffene Bronceköpfe bedeutender Giessener Mitbürgerinnen und Mitbürger aus den verschiedensten Zeitepochen, die über die Stadt verteilt sind. Derzeit gibt es 10 Köpfe, ein weiterer Kopf wird am 21. September enthüllt werden) und weitere werden folgen und „vielleicht gibt es demnächst auch eine Führung dazu.
Im Rathaus ist gerade die erste viel beachtete Ausstellung in der neuen Kunsthalle zu Ende gegangen und die weiteren Ausstellungen werden bestimmt viele interessierte Gäste in unsere Stadt nach Giessen bringen. So auch der neuen Konzertsaal, in dem in Zukunft Musik- und Kulturveranstaltungen stattfinden werden, die die Menschen zusammenbringen können.“
Giessen, 08. Oktober 2009 / Bilder: Giessen-Server.de / Das Gespräch mit dem Stadtrat Harald Scherer fand am 01. September statt.
Februar 2012
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