Gastspiel mit dem Tanzstück Snow Motion im "Theater am Schwanhof"

Masami Sakurai und Svende Obrocki (Bild: Frank Sygusch)
MARBURG (fsy). Aufgewirbelte Bewegungen mit weißen bizarren Schneeflocken sind nichts für Romantiker, die das Ballett lieben. Doch findet sich in dem Tanzstück, das der Giessener Ballettdirektor Tarek Assam gemeinsam mit dem Kölner Choreographen Guido Markowitz und der Giessener Tanzcompagnie einstudiert hat einiges an gefühlvoller Stimmung.

Die Compagnie tanzt die wunderbaren Seiten und die Kehrseiten der Liebe, wenn sie sich zwischen sich selbst, den Geschlechtern und den Generationen ereignet. Das schnell schlagende Herz des Tanzes trifft auf den kühlen Kopf des Winters, der die wunderbaren Bewegungen mit den leichten Schritten einfängt und am Ende der traurigen Jugendzeit ein eisiges Blumengeschenk entstehen lässt.


Svende Obrocki tanzt im Schnee (Bild: Frank Sygusch)
Das alles findet um Achsen in Drehungen; bewegungslos unter Schneedecken, auf und hinter Schneebetten und zu den verschiedenen Musikstücken von Henri Vieuxtemps, Globalvibes, Graham Fitkin u.a. statt. Und für Sekunden löst sich alles in scheinbar starren und eingefrorenen Bewegungen auf, die auf der Bühne in rasanten Wechseln und Sequenzen inszeniert werden.

Kentaro Koide über Roland Hey (Bild: Frank Sygusch)
In den Ablauf der Choreographie eingebunden, ist der starke Ausdruck von Turnerbewegungen, die sich mit der unendlichen Freiheit des Ausdrucks im Tanz verbinden wollen. Alle auf der Bühne tanzen nicht nur in einem Körper, sie sind der eigene Körper, der mit ihnen selbst tanzt.

Tanzcompagnie Giessen SNOW MOTION (Bild: Frank Sygusch)
Das Stück „Snow Motion“ ist eine Koproduktion des Stadttheaters Giessen und der Brotfabrik Bonn und wurde vom Fonds Darstellende Künste e.V. gefördert. Die Uraufführungen fanden im letzten Jahr 2006 statt. Nun gastierte die Giessener Tanzcompagnie für zwei Tage im „Theater am Schwanhof“ in Marburg und führte das Stück vor begeistertem Publikum auf.

Am Anfang steht die Tänzerin Svende Obrocki alleine und verlassen auf der Bühne. Steif und fröstelnd im angehäuften Schnee auf engem Raum beginnt das Stück mit ihr, wie eine dargestellte Szene des Selbst.

Svende Obrocki (SNOW MOTION) / Bild: Frank Sygusch
Dann kommt die Tänzerin Magdalena Stoyanova hinzu und eine kurze Zeitspanne vergnügen sich die beiden zusammen mit dem heißen Luftstrom aus dem Föhn, bis sich das Entdeckungsspiel in eine Dreiecks-Beziehung auflösen wird.

Die dritte junge Frau auf der Tanzbühne, die Tänzerin Masami Sakurai, bestraft die beiden Spielenden, indem sie voller Neid dem Spaß der beiden ein abruptes Ende setzt.

Das ist der Auftakt für den gleichzeitigen Aufbruch in eine andere Welt, die alles offen legt: Dort treffen und begegnen sich Paare liegend und sitzend in den Bewegungen, vermischen sich, bestrafen und streiten, verehren und begehren.

Kai Guzkowski und Masami Sakurai (Bild: Frank Sygusch)
Alles ist eine Phantasie und die dicke flauschige Winterjacke wird zur einer Beziehungshaut, mit der man auch tanzen und kommunizieren kann. Doch die Zeit verrinnt so schnell und der ewige Wunsch den Moment für immer festzuhalten verfliegt.

Am Ende spiegelt sich die Hoffnung, wie ein erfüllter Traum und die gealterte Frau betritt mit der neuen gefrorenen Schneeflockenfrisur (Christa Schmidt) den ewigen Tanzraum und steckt die Blumen des Frühlings an die gefrorenen Körperteile der Jugendliebe und die Gegensätze scheinen sich zu verbinden.

Das Tanzstück „Snow Motion“ tanzten am 10. Januar 2007 im „Theater am Schwanhof “
Svende Obrocki, Magdalena Stoyanova, Masami Sakurai, Kai Guzkowski, Roland Hey, Kentaro Koide; und die Laiendarstellerinnen im Seniorenalter Christa Schmidt, Cornelia Eckradt und Edmund Helfert.

Giessen, 11. Januar 2007 / alle Bilder: Frank Sygusch
Mai 2012
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