Der Musiker Paul Kuhn kehrt im 80. Lebensjahr zurück zu seinen musikalischen Wurzeln

GIESSEN (fsy). Die authentischen Wurzeln der Musik von Paul Kuhn liegen im Jazz und wenn der „Mann am Klavier“ swingt, dann bekommt man einfach eine gute Laune. Der auf vielen Bühnen erfolgreiche und gefeierte Musiker könnte sich längst zur Ruhe setzen; aber denkste Paulchen!
Der "Swing" macht ihm und seinen Musikerkollegen einfach Spaß.

Zum Auftakt des Jahresprogramms „Kunst / Kultur / Karstadt“ gastierte vorgestern das Paul Kuhn Trio zum Konzert in Giessen im Kultur Café, um direkt danach bei Mitternacht in die stürmischste Nacht des Jahres nach Dresden zum nächsten Spielort in die Semper Oper aufzubrechen.

In Giessen begeisterte Paul Kuhn, gemeinsam mit dem Schlagzeuger Willy Ketzer und dem Bassisten Martin Gjakonowski die Zuhörerinnen und Zuhörer und jeder im Saal spürte das Erfrischende, das Zeitlose und das Feine in der swingenden Jazzmusik, das die drei Musiker meisterhaft verkörperten.
Das Publikum in Giessen genoss den Abend und schätzte in aufmerksamer Begeisterung, dass es etwas Besonderes ist, wenn Paul Kuhn nun wieder zu seinen musikalischen Anfängen zurückgekehrt ist.

Bereits 1953, vor über 50 Jahren, wurde er zum besten Jazzpianisten in Deutschland von Kollegen und Fachkritikern gewählt, weil er mit seiner Art und den Tönen umzugehen wußte; und das Wesentliche der Idee des Jazz auf wunderbare Weise zusammenführte und einen verbindenden Einklang zwischen der Freiheit des Einzelnen und dem Zusammenspiel schaffte. Nun ist es wunderbar, dass Paul Kuhn im Alter zu seiner musikalischen Jugendliebe zurückgekehrt ist, und das gibt seiner Musik eine zusätzliche reizvolle und mitreisende Note.

Ganz gleich, ob Klassiker, Standard oder Eigenkomposition: Jeden Titel kündigte der fast 80 Jahre alte Musiker humorvoll, charmant und auf seine besondere Art und Weise an, so dass für einen kurzen Moment der Eindruck entsteht, als ob sich Sprache, Körper und Ausdruck im Künstler verlieren, um sich mit der geschätzten Musik im Wechselspiel zu verbinden. So auch beim Stück: Charade von Henry Macini, einem Jazz-Walzer, das die Enttäuschung, das Ende einer vermeintlichen Täuschung zauberhaft im Swing und scheinbar endlos zu vertonen sucht. Dabei zeigte Willy Ketzer in meisterhaftem Stil am Schlagzeug seine besondere percussive Klasse, wenn er mit dem Schneebesen über die Beckenfelle streicht. Das Spiel der drei Künstler fügt sich nahtlos und packend ineinander; obgleich der dritte im Bunde, der junge Bassist alles vom Blatt abzuspielen scheint und dabei immer intuitiv vom Klavierspieler auf Augenhöhe arrangiert begleitet bleibt.

In der vertonten Liebeserklärung an die Stadt London „London by night“ heißt es im Gesang „by night in a wonderful night, I´m often told that the streets turned to cold, down by the Thames, the light is sparkle and the city is sleep, most people say they love London by day, but others love London by night." Und tatsächlich funkeln die Töne, die der Künstler dem Klavier entlockt, so etwa wie kleine Sternchen und spiegeln etwas von dem zurück, das entsteht, wenn sich die Erinnerung als Brücke zur Vergangenheit erschließt.

Martin Gjakonowski (Bild: Frank Sygusch)
Vor dem Stück „Just friends“ kündigte der Meister am Klavier bewundernd das große Können und ein Solo des jungen Bassisten Martin Gjakonowski mit der Bemerkung „der ist noch nicht so lange bei uns, aber der kann ungeheure Sachen spielen“ an. Und dann brummen die Saiten des Kontrabasses so dicht und konzentriert um die Melodie, als ob es sprudelnde Funken eines Feuers sind. Martin Gjakonowski, der in der Frankfurter Jazzszene tätig ist, spielt u.a. mit Michael Sagmeister im Trio.

Willy Ketzer streichelt das Fell (Bild: Frank Sygusch)
Mit den beiden Musikern hat Paul Kuhn exzellente Kollegen in sein Trio eingeladen und das sensible Musikergebnis erfreute das Giessener Publikum auf das Höchste. Beide Musiker haben hochkarätige berufliche Werdegänge aufzuweisen.

Willy Ketzer hält „den beat“ seit vielen Jahren hochgradig intensiv und hat nach musikalischen Anfängen am Klavier, Saxophon und der Klarinette und nach seinem Examensabschluss an der Musikhochschule in Köln mit Hauptfach Schlagzeug in zahlreichen Besetzungen gespielt. Hervorzuheben sind seine Mitarbeit in der Formation „Passport“ von Klaus Doldinger, die Willy Ketzer mehrere Jahre auf Europa- und USA-Tourneen begleitete; seine Mitarbeiten bei Tom Jones und Barry Manilow; und seine über 25 jährige Arbeit als Studiomusiker bei unzähligen Aufnahmen.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer bedankten sich für den mitreisenden Abend und für den ergreifenden Swing, dem sich das Trio bis auf die Spitzen genähert hat, mit großem Applaus.
Giessen, 20. November 2007 / alle Bilder: Frank Sygusch (giessen-server.de)
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