Juchan Reinhard zeigt fünf Gipsmänner im öffentlichen Kunstraum / Voyeuristischer Blick in das Innere des Alterns / Vergangenheit, die nicht vergeht
GIESSEN (fsy). Ganz vorzüglich passen die fünf alten Männer aus Gips geformt in den öffentlichen Ausstellungsraum, den die Giessener Kümmerei für den Künstler Juchan Reinhard geschaffen hat. Die Ausstellung dauert bis zum 20. Dezember und ist nur durch das Schaufenster eines ehemaligen Textilgeschäftes in der Marktstrasse 27 zusehen. Das aber macht gerade den Reiz aus, denn der voyeuristische Blick durch das Fenster auf die fünf älteren Herren offenbart etwas Besonderes.

Ausstellung „Gipsmänner / Methusalem Kompott“ von Juchan Reinhard
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Ausdruckstark geformt bieten die Körper einen kleinen Einblick in die Vergänglichkeit von Männern, die in die Jahre gekommen sind und deren Alterungsprozess unverhüllt bleibt. Es gibt nichts mehr zu verändern oder zu kaschieren; es ist wie es ist, auch wenn sich zwei der Herren aus Gips „zum 59. Mal“ intensiv und scheinbar zwanglos auf das deutsche Sportabzeichen vorbereiten. Die Schwabbelfalten und der Muskeltonus des gluteus maxismus verraten den Zustand der Körper und bieten gnadenlose Einblicke in die wunderbar geformten Formen der Gipsmänner und deren graufaltige Haut-Gipsfarbe, weit ab vom reinen weiß: ein schönes Kompott des zeitlosen Alterns.

Besucher der Ausstellung betrachten die Gipsmänner durch das Schaufenster
in der Markstrasse 27 in Giessen
(Fotos: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)

Der Künstler Juchan Reinhard (* 1942), ehemals Kunstpädagoge an der Giessener Ostschule, erläuterte in einigen Anmerkungen zur Eröffnung, dass er sich – jetzt selbst im Ruhestand – dabei öfters ertappt, den Blick auf die gleichaltrigen Männer zu suchen und zu schauen, was vergangen ist und was daraus noch werden kann.
Besonders bei etwas dunklerem Umgebungslicht wirken die angeleuchteten Gipsmänner kontrastreicher und imposant in den Ausstellungsraum hinein, der in seinem Bau-Zustand wie gemacht für die Ausstellung zu sein scheint. Der Titel der Ausstellung – in leicht ironischer Abwandlung - spielt auf ein Buch eines ehemaligen Mitherausgebers der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an: „Das Methusalem Komplott“.

Giessen, 04. Dezember 2009 / alle Fotos zur Ausstellungseröffnung: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
Februar 2012
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