Die Schmerzklinik des Universitätsklinikums Giessen erweitert ihr Therapieangebot
GIESSEN (mip/r). Schmerzen kennt jeder: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen, … – wenn sie unerträglich stark oder chronisch werden, führen Schmerzen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Die Behandlung von Schmerzen stellt Ärzte vor eine Herausforderung. „Die Ursachen für Schmerzen sind genauso vielfältig wie die physischen und psychischen Folgeerscheinungen“ führt Prof. Markus A. Weigand, seit einem Jahr Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin aus. Chronische Schmerzen können sehr vielfältige Ursachen haben. Oftmals werden in medizinischen Untersuchungen keine Gewebe- oder Organschädigungen gefunden, die das Ausmaß des Schmerzes befriedigend erklären. Schonhaltungen führen zusätzlich zu einseitigen Belastungen der Gelenke mit schmerzhaften Verspannungen der Muskulatur. Die Lebensqualität ist erheblich herabgesetzt und Freizeitaktivitäten können wegen der chronischen Schmerzen kaum oder nur noch sehr begrenzt wahrgenommen werden. In der Folge können ein sozialer Rückzug und ein ausgeprägtes Stimmungstief entstehen. Die auf diese Weise entstandene Depression kann die Wahrnehmung des Schmerzes weiter verstärken. „Daher sind wir froh, am Universitätsklinikum Gießen jetzt in der Schmerzklinik in einem interdisziplinären Ansatz eine multimodale Schmerztherapie anbieten zu können“, sagt Prof. Johannes Kruse, seit Mai 2009 Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am UKGM Standort Giessen. „Bei der multimodalen Schmerztherapie handelt es sich um einen integrativen Behandlungsansatz, der sämtliche Facetten der Schmerzerkrankung in ein ganzheitliches Therapiekonzept einbettet“ erklärt Frau Dr. Kerstin Diehlmann. Frau Dr. Diehlmann hat zu Beginn diesen Jahres die Leitung der Schmerzklinik übernommen. Diese besteht bereits seit 1974 und war damals eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.
„Wichtig ist die ganzheitliche Definition von „Schmerz“ – hierzu gehören das Symptom Schmerz, ein psychischer Dysstress (Belastung, Missempfinden), der Krankheitsverlauf und das Krankheitsverhalten, sowie die hieraus resultierenden sozialen Konsequenzen“ erläutert die Ärztin. Für die Therapie steht ein Team aus verschiedenen Fachdisziplinen zur Verfügung, wobei den Experten aus den Bereichen der Anästhesiologie, Psychosomatik sowie den Physiotherapeuten eine besondere Bedeutung zukommt. Dies betont PD Dr. Leweke (Oberarzt an der Klinik für Psychosomatik) „Nur durch die enge Kooperation, die hier gemeinsam mit den Kollegen der Anästhesiologie gelebt wird, können wir die optimale Therapie gewährleisten.“
Gemeinsam stellt sich das Team der Herausforderung, Patienten mit manifester oder drohender Beeinträchtigung der Lebensqualität und/oder Arbeitsfähigkeit, Patienten mit fehlgeschlagenen vorausgegangenen schmerztherapeutischen Behandlungen, schmerzbedingten Operationen oder bestehendem medikamentösem Fehlgebrauch, schmerzunterhaltenden psychischen Begleiterkrankungen oder gravierenden somatischen Begleiterkrankungen eine neue Perspektive in der Bewältigung ihrer Erkrankung zu bieten. Dies gelingt durch die enge Verzahnung von medikamentöser/ interventioneller Schmerztherapie mit krankengymnastischen Übungsbehandlungen und Entspannungsverfahren. Abgerundet wird das therapeutische Angebot durch individuelle Gesprächsangebote, die helfen können, die Schmerzentstehung besser zu verstehen und eigenständig Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Die multimodale Schmerztherapie unterliegt einem festgelegten Behandlungsplan und erfolgt im Rahmen eines zweiwöchigen stationären Aufenthaltes.
"Unseren Patienten kommt das gesamte Spektrum eines Universitätsklinikums zu Gute“ erklärt Prof. Seeger, „so besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Kliniken für Neurochirurgie, Unfallchirurgie, Neurologie und Orthopädie, die sowohl eine effiziente Diagnostik als auch eine multiprofessionelle Therapieplanung sicherstellen." "Jederzeit können aber auch alle weiteren medizinischen Disziplinen des Universitätsklinikums in die Behandlung unserer Patienten mit einbezogen werden“, fügt Frau Dr. Diehlmann hinzu. "Ergänzend zu den medizinischen Fachbereichen wird im Bedarfsfall der klinikeigene Sozial- und Pflegeüberleitungsdienst tätig, wenn es gilt, die häusliche Versorgung von Patienten zu organisieren.“
Prof. Weigand ist es wichtig zu betonen, dass die Schmerzklinik keine Konkurrenz für die Hausärzte darstellt: „Wir bieten sowohl mit der ambulanten als auch mit der stationären Schmerztherapie eine wichtige Ergänzung zu der hausärztlichen Behandlung an. Der ganzheitliche Ansatz darf nicht an der Kliniktür enden, daher stimmen wir die Therapie mit den niedergelassenen Kollegen ab – im Sinne des Patienten.“
Giessen, 15. Dezember 2009
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