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Stadt Giessen - Von der Kita zum Familienzentrum

Eltern als Experten helfen sich untereinander Kreative Freiräume und Handlungsfelder entstehen Austausch an Qualifikationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wird gefördert Erziehungskompetenzen werden koordiniert












GIESSEN (fsy).                                       Gemeinsam im Dialog mit allen Kooperationspartnern vor Ort und im konkreten Sozialraum sollen in der Stadt Giessen die pädagogischen Konzepte von frühkindlicher Bildung und die familiengerechte Begleitung der Erziehungskompetenzen in den nächsten beiden Jahren weiter entwickelt und koordiniert werden. Über 90% der Kinder besuchen, vor dem Eintritt in die Schule, eine Kindertagesstätte (Kita) in der Stadt Giessen und das bietet für die Kommune sehr gute Entwicklungschancen die Fördermöglichkeiten für das einzelne Kind und aller am Erziehungsprozess Beteiligten und Institutionen in einem moderaten Prozess beobachten oder begleiten zu lassen. „Die Haltung gegenüber allen Mitgliedern der Familie“ ist eines der wesentlichen Merkmale des aktuellen Konzeptes, das die pädagogischen Angebote besser untereinander unterstützen, stärken und im Sinne einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ kreative Ideen zusammentragen will.










Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und Ines Müller (re.) die Koordinatorin für die Weiterentwicklung der Giessener Kindertagesstätten

(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)








In einem Pressegespräch stellte gestern die Bürgermeisterin von Giessen Gerda Weigel-Greilich die neue Koordinatorin beim Jugendamt Giessen Ines Müller vor. Die 33 Jahre alte diplomierte Ökotrophologin mit dem Schwerpunkt Haushaltswissenschaften gehört zu den Gründungsmitgliedern des Giessener Bündnisses für Familie im Jahr 2005, dessen erste Vorsitzende sie seit 2008 ist. „Seit dem 1. Oktober 2009 ist Ines Müller im Jugendamt der Universitätsstadt Giessen als Koordinatorin für die Weiterentwicklung der Giessener Kindertagesstätten zuständig“, erklärte die Bürgermeisterin und betonte, dass „die Universitätsstadt Giessen sich das Ziel gesetzt hat, schrittweise und langfristig alle Kindertagesstätten im Stadtgebiet zu Familienzentren weiterzuentwickeln.







Damit beschreitet Giessen einen neuen Weg: während an anderen Standorten einzelne Modellvorhaben mit einem begrenzten Nutzerkreis etabliert werden, geht es hier um einen gesamtstädtischen Entwicklungsprozess, von der möglichst viele Familien profitieren sollen. Die Weiterentwicklung geschieht in enger partnerschaftlicher Kooperation mit den freien Trägern von Kinderbetreuungseinrichtungen und weiteren Einrichtungen der sozialen Infrastruktur in der Stadt Giessen.“








Kindertagesstätte in der Heinrich Willstrasse

(Foto: Giessen-Server.de)







Es geht darum kooperative Netzwerke um die Familie herum aufzubauen, die an der Erziehung und Betreuung von Kindern beteiligt sind. Darunter fallen die zahlreichen und vielfältigen Angebote der Förderungs-, Beratungs- oder Bildungsmöglichkeiten, die den Erziehungsprozess des Kindes in seiner Gesamtheit und ganzheitlich verstehen und besonders der Familie oder den Erziehungsberechtigten mit Respekt begegnen wollen. Bereits bestehende Angebote vor Ort zu den Themen Bewegung und Sport, Spiel- und Elterngruppen, Musikangebote, Ernährungskurse, Gesprächsgruppen, Freizeitspaß und besondere Freiräume sollen besser koordiniert, bei Interesse und Bedarfen angeregt oder entwickelt werden.










Ines Müller - Koordinatorin beim Jugendamt Giessen für die Weiterentwicklung der Kindertagesstätten

(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)










Das Giessener Bündnis für Familie hatte zusammen mit der Stadt Giessen im Rahmen eines Fachtages im März 2007 bereits einen wichtigen Impuls für die Familienzentrums-Idee geliefert: für die Nord- und die Weststadt wurde hier zusammengetragen, welche Angebote für Familien bereits bestehen und Ideen entwickelt, wie diese Angebote ausgebaut werden könnten. Seitdem wurden verschiedene Projekte umgesetzt und mit einigen Einrichtungen konkrete vertragliche Vereinbarungen getroffen, darunter die städtische Kita Heinrich-Will-Straße, die Kita der evangelischen Gemeinde am Lutherberg, die neue Kita des Caritas-Verbandes Edith Stein in der Schottstraße sowie die beiden Neubauten Kaiserberg und Schlangenzahl.



Auch die katholischen Kindertagesstätten des Giessener Mobile hatten sich bereits auf den Weg gemacht. Sie nehmen seit 2007 am Projekt „Den Wandel gestalten – Kita als Familienzentrum“ der Diözese Mainz teil.








„Die Aufgabe von Frau Müller wird es in den kommenden zwei Jahren sein, die bereits begonnenen Prozesse auf gesamtstädtischer Ebene und in den Stadtteilen miteinander zu verknüpfen sowie gemeinsam mit allen Beteiligten auszuarbeiten, wie das Giessener Konzept „Kitas zu Familienzentren“ konkret umgesetzt werden soll“, erläuterte Gerda Weigel-Greilich im Gespräch.





„Zunächst wird die neue Koordinatorin - in einem ersten wichtigen Schritt und im ersten Halbjahr 2010 - alle 50 Kinderbetreuungseinrichtungen im Stadtgebiet besuchen, um mit den Leiterinnen, Erzieherinnen und Familien ins Gespräch zu kommen.“









Kindertagesstätten in Giessen können sich zu Familienzentren entwickeln

(Foto: Giessen-Server.de)








Warum eigentlich Familienzentren?





In einer Stadt wie Giessen lassen sich vielfältige und differenzierte Lebenslagen von Familien wahrnehmen: angefangen bei unterschiedlichen sozialen, kulturellen und ethnischen Hintergründen über den Wunsch oder die Notwendigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile bis hin zu zunehmenden Unsicherheiten in Erziehungsfragen und Alltagsmanagement quer durch alle Schichten sowie persönlichen und sozioökonomischen Krisen wie Trennung, hohe Alltagsbelastungen, Krankheit, Arbeitslosigkeit.



Durch den täglichen Kontakt mit den Kindern und ihren Eltern sind Erzieherinnen wichtige Bezugspersonen für die Familien, sie erfahren von schönen Erlebnissen ebenso wie von Problemsituationen.









Was unterscheidet nun eine „normale“ Kita von einem Familienzentrum?




Der Kernauftrag einer Kita ist die Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder im Rahmen einer Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Diese pädagogische Arbeit steht auch im Familienzentrum im Mittelpunkt, wird aber erweitert um Angebote für die gesamte Familie, und das - je nach Einzugsgebiet der Einrichtung - möglichst passgenau. Unter dem Motto „wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut“ gilt es, die Eltern gezielt in ihrem Erziehungsauftrag und ihrem Alltagsmanagement zu unterstützen. Das Team greift dabei die Erfahrungen aus den täglichen Kontakten auf und entwickelt in Kooperation mit anderen Einrichtungen, z.B. der Familienbildungsstätte, der Erziehungs- oder Schuldnerberatung bedarfsgerechte und niedrigschwellige Angebote. Diese Angebote sollen in den Räumen der Kita vor Ort angeboten werden.







Für die neue Koordinatorin Ines Müller gilt es „einen ressourcenorientierten Blick auf die Eltern und ihre Kinder zu entwickeln oder zu stärken, Bedenken und Ängste hinsichtlich der neuen Arbeitsweise abzubauen und gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln. Ziel sollte es sein, dass sich alle Eltern und Kinder in der Kita anerkannt und wertgeschätzt fühlen, damit alle Beteiligten gemeinsam für bestmögliche Entwicklungschancen der Kinder und ihrer Familien sorgen können.“






Schon bald wird es eine Gelegenheit geben, den aktuellen Stand der Entwicklung von Familienzentren in Giessen genauer kennenzulernen: am Vormittag des Fachtages „Giessener Wege zu Kinder- und Familienzentren“ am 12. März 2010 im Giessener Rathaus. Veranstalter sind das Giessener Bündnis für Familie e.V. und die Bürgermeisterin der Universitätsstadt Giessen.









Die Koordinatorin Ines Müller ist beim Jugendamt Giessen über die folgende Telefonnummer erreichbar: 0641 – 306 -1011










Giessen, 08. Januar 2010 / Filmbeitrag und Fotos: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)








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