WIESBADEN (mip/r). „Der Modellversuch des Führerscheins mit 17 wird von den hessischen Jugendlichen sehr gut angenommen. Eine erste Auswertung für Hessen zeigt, dass die Teilnehmer weniger häufig Verkehrsregeln brechen und in Unfälle verwickelt sind als Personen, die auf herkömmliche Weise ihre Fahrerlaubnis erworben haben. Auch die Verstöße gegen die Spielregeln des Versuchs sind äußerst gering. Alle bislang vorliegenden Ergebnisse sind so positiv, dass der Modellversuch unbedingt zur regulären Praxis werden sollte“, sagte der Hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Dieter Posch in der vergangenen Woche in Wiesbaden. „Die äußerst positiven Ergebnisse für Hessen sind für mich Anlass genug, das Projekt „Begleitetes Fahren unbedingt fortzusetzen. Da der Modellversuch allerdings bis zum Ende des Jahres 2010 befristet ist, wird sich Hessen deshalb in den kommenden 4 Monaten diesen Jahres im Bund für die dauerhafte Etablierung des begleiteten Fahrens einsetzen. Ich hoffe auf eine endgültige Entscheidung des Bundes bis spätestens im Sommer. Der Führerschein mit 17 sollte dann endgültig den Status als Modellversuch abgeben und zur Regel geworden sein“.
Im Jahr 2007 haben in Hessen 18518 Jugendliche im Rahmen des „Begleiteten Fahrens mit 17“ eine Fahrerlaubnis der Klasse B erworben, im Jahr 2009 waren es bis einschließlich 30.9.2009 bereits 22772.Dies sind es 28% aller erteilten Führerscheine der Klasse B in Hessen (2007: 24,8%, 2008: 26,3%).
Als bemerkenswert bezeichnete Posch die deutlich unterdurchschnittliche Durchfallquote der Teilnehmer. In den ersten neun Monaten 2009 lag sie bei 17,6 % und damit 10,3 Punkte niedriger als die der Prüflinge im normalen Verfahren. Verstöße gegen die Spielregeln wurden kaum registriert. Vom 1.10.2008 bis zum 30.09.2009 verloren lediglich zwölf Absolventen deshalb ihre Fahrerlaubnis.
Fahrer, die ihren Führerschein auf herkömmliche Weise erworben haben, verstoßen nach ersten Ergebnissen der Evaluation 1,2mal häufiger gegen Verkehrsregeln, verursachen 1,3mal häufiger Unfälle und werden doppelt so oft mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt: „Fahrlehrer berichten von der hohen Motivation der Versuchsteilnehmer, die sich auch in deutlich besseren Ergebnissen in den theoretischen Prüfungen niederschlägt“, sagte Posch.
Der 2006 begonnene Modellversuch „Begleitetes Fahren ab 17“ soll das überdurchschnittlich hohe Unfallrisiko von Fahrern zwischen 18 und 24 vermindern. Im Rahmen des Versuchs können Jugendliche, die mindestens 16,5 Jahre alt sind, die Fahrschule besuchen und mit 17 die Fahrprüfung absolvieren. Sie erhalten dann eine Bescheinigung, mit der sie in Begleitung eines Erwachsenen - und nur im Inland - ein Auto lenken dürfen. Mit 18 wird diese Bescheinigung in den regulären Führerschein umgetauscht.
Giessen, 17. Januar 2010
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