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SPD Geschäftsstelle in Giessen in neuem Domizil




GIESSEN (kdj).                                           365 Tage vor der Landtagswahl in Hessen und am Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz feierte die SPD in ihrem neuen Domizil in der Grünberger Straße 140 die Namensgebung vom Henriette-Fürth-Haus mit einer Feierstunde und einem „Tag der offenen Tür“.

Unterbezirkvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel bezeichnete bei seiner Begrüßung die Eröffnung der Giessener Parteizentrale, die nach 42 Jahren vom Aulweg umgezogen ist, als wichtigsten Schritt zur Restruktion der Partei. Vom neuen Domizil mit einer Fläche von nunmehr rund 400 Quadratmetern könnten sehr moderne und engagierte Wahlkämpfe geführt werden, motivierte Schäfer-Gümbel die anwesenden Parteifreunde. Unter ihnen waren die Bundesministerin Heide Wieczorek-Zeul, Rüdiger Veit (MdB), Landrat Will Marx und weitere Funktionsträger sowie langjährige SPD Mitglieder, die im Rahmen der Feierlichkeiten geehrt wurden.





Ein halbes Jahrhundert halten diese Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die Treue. Bild: Klaus-Dieter Jung



Der UB-Vorsitzende wünschte sich für die Zukunft, dass im neuen Haus ein Dreiklang, bestehend aus politischer Arbeit, Kultur und dem Thema soziale Arbeit herrschen soll. Thorsten Schäfer-Gümbel verlas ein Schreiben der Nachkommen von Henriette Fürth. Dabei schlüpfte Monika Graulich in die Rolle der Namensgeberin.Henriette Fürth wurde am 15. August 1861 in Gießen geboren und starb am 1. Juli 1938 im Alter von 76 Jahren. Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr damals kaum etwas über den Tod der Frau, die im Ausland als eine der ersten Kämpferinnen der Frauenbewegung galt und als eine der profilierten Denkerinnen mit frauensoziologischen Themen innerhalb der deutschen Soziologie galt und als eine führende Persönlichkeit der sozialistischen Bewegung gewürdigt wurde.

Heidemarie Wieczorek-Zeul,Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bedankte sich zu Beginn ihrer Rede bei den zu ehrenden Genossinnen und Genossen, die in allen Höhen und Tiefen zur Sozialdemokratie gestanden hätten. Henriette Fürth bezeichnete sie als Frau, die immer der Diktatur widerstanden habe, sich für die Frauengleichberechtigung eingesetzt und niemals Krieg über das Land gebracht habe. Was sind wir den Jubilaren schuldig, fragte die Ministerin? Im neuen Grundsatzprogramm müsse deutlich die Würde der Menschen betont werden. Die Menschen dürfen nicht „dem Diktat der Ökonomie“ unterworfen sein, sondern das Ziel der Beschäftigung muss in den Mittelpunkt gestellt werden.

Im 21. Jahrhundert bestehe die Gefahr einer „Staatsverspottung“, befürchtete die Rednerin. „Wir ringen um gesetzliche Mindestlöhne“, sagte sie unter dem Beifall der Versammlung. Die SPD unterstütze die Kritik der Gewerkschaft ver.di und sollte an deren Seite stehen.

Zu den Studiengebühren in Hessen, einer „unsozialen Entscheidung der Landesregierung“, sagte Wieczorek-Zeul „Wir werden versuchen diese Regelung beseitigen“.„Ich bin stolz darauf, dass wir uns im Irak-Krieg widersetzt haben und keine Soldaten dorthin geschickt haben“, unterstrich sie ihre Grundüberzeugung zur aktiven Friedenspolitik. Das Engagement bei der Beseitigung der Probleme wie Klimawandel und der Verhinderung von Krieg sei gefragt.. Wer heute nicht für eine nachhaltige Energiepolitik und –versorgung eintrete, werde in späteren Jahren das 20fache an Kosten bezahlen müssen. Ein britischer Forscher habe Verluste beim Bruttosozialprodukt von bis zu 20 Prozent errechnet, wenn nicht bald gehandelt werde. „Die Atomenergie bleibt eine ungeheure Gefahr“, am Ausstieg müsse daher festgehalten werden. Die Ministerin betonte schließlich „Die SPD muss die linke Volkspartei bleiben, so wie sie sich in der Geschichte entwickelt hat“. Und oberstes Ziel der Genossen in Hessen sei es, Roland Koch „endlich in den Ruhestand“ zu schicken.


Für 60 Jahre Mitgliedschaft in der SPD wurden Karl Brückel, AlbertPfeffer und Helmut Wehn geehrt. Ein halbes Jahrhundert sind HeinzArabin, Karl Failing, Willi Herzberger, Ernst Nürnberger, EwaldPfeiffer, Blanka Pohl, Adolf Schmidt, Arnold Schmidt, Helmut Schmitt,Klaus Schwalb und Ursula Schroeter Parteimitglieder.





Bundesministerin Heide Wieczorek-Zeul, re. und MdB Rüdiger Veit (hinten) ehrten Helmut Wehn, Karl Brückel und Albert Pfeffer, v. l. für 60 Jahre SPD-Treue. Bild: Klaus-Dieter Jung





Mit der Willy-Brandt Medaille zeichnete der Unterbezirksvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel Dietlinde Elies aus. Mit dieser hohen Ehrung wolle man das Wirken einer Frau würdigen, „die Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen hatte und deshalb erkennbar war“, sagte er in seiner Laudatio. Elies ist seit 27 Jahren in der Kreispolitik aktiv und war sieben Jahre Hauptamtliche Kreisbeigeordnete beim Landkreis Giessen.





Dietlinde Elies, ehemalige Kreisbeigeordnete erhielt die Willy Brandt Medaille. Bild: Klaus-Dieter Jung




Zur Verschönerung der Wände in der neuen Parteizentrale übergab der Heuchelheimer SPD Vorsitzende Walter Bepler ein altes handgesticktes Bild, das die Grundprinzipien der Sozialdemokratie darstellt. Extra zur Einweihung aus Brasilien eingereist war der Vermieter Dieter Becker.

 Die Nachwuchsorganisation der SPD, ein Ortsverband der Falken wird ab März neben den Ortsvereinen, Stadtverordneten - und Kreistagsfraktionen künftig Räume im „Henriette-Fürth-Haus“ nutzen.






Giessen, 30. Januar 2007 / Text und Bilder: Klaus-Dieter Jung



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