Das Schauspiel GERMANIA TOD IN BERLIN
von Heiner Müller feiert am 23. Januar Premiere
GIESSEN (mip/r). Wunsch und Wirklichkeit: Selten in der Geschichte lagen sie so weit auseinander wie im 20. Jahrhundert. In seinem Stück GERMANIA TOD IN BERLIN nimmt Heiner Müller diese Spannung auf. In der sprach- und bildermächtigen Revue überlagern sich die Zeiten und Regimes, sprechen die Lebenden und die Toten wie selbstverständlich miteinander. Das Stück ergreift nicht Partei für eine Idee, eine Partei oder ein System. Es zeigt Menschen im Räderwerk der Geschichte, erzählt von ihren Hoffnungen und ihrem Scheitern. Vor allem die Auf- und Umbrüche, Revolten und Rebellionen sind es, die Müller interessieren. Das Stück schlägt einen Bogen von der Novemberrevolution 1918 über den Juniaufstand 1953 bis zum Fall der Mauer und wirft Fragen auf, die uns bis heute bewegen: Gibt es soziale Gerechtigkeit? Was hält die Gesellschaft zusammen? Welche Utopien leben fort? Nach dem Jubel über 60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre Deutsche Einheit erinnert Müllers Szenenfolge an das Unerledigte, an Wunden, die sich nicht schließen.
Auch wenn Müllers Stück auf den ersten Blick wie eine lose Reihung von Ereignissen wirkt, so hat es doch eine konsequent durchgeführte Struktur. Müller nähert sich seinem Gegenstand, indem er Szene aus der Geschichte mit Situationen aus dem DDR-Alltag konfrontiert. In den Doppelbelichtungen werden typische Verhaltensweisen und Denkmuster erkennbar, die alle gesellschaftlichen Veränderungen überdauern.
In seiner Inszenierung am Giessener Stadttheater zeichnet Hermann Schein ein prägnantes Bild der DDR zwischen Arbeiteraufstand und Mauerbau. Im Konkreten macht er Konfliktlinien sichtbar, die über den historischen Anlass hinausweisen und in heutigen Debatten nachwirken. In Stefan Heynes Bühnenbild wird ein von Brand und Krieg beschädigtes Karussell zum Sinnbild der deutschen Misere im 20. Jahrhundert.
GERMANIA TOD IN BERLIN
Schauspiel von Heiner Müller
Premiere: 23. Januar 2010 | 19.30 Uhr | Großes Haus
Weitere Vorstellungen: 30. Januar; 04., 12., 20. und 27. Februar; 14. März 2010 | 19.30 Uhr | Großes Haus
Inszenierung: Hermann Schein | Bühne und Kostüme: Stefan Heyne | Musik: Stefan Schreck | Mit: Kyra Lippler, Irina Ries, Petra Soltau, Carolin Weber; Dominik Breuer, Frerk Brockmeyer, Christian Fries, Rainer Hustedt, Roman Kurtz, Christian Lugerth, Harald Pfeiffer, Gunnar Seidel
Giessen, 19. Januar 2010
Februar 2012
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