Nicht nur Eingriffsverwaltung, sondern Dienstleister für Kinder, Jugendliche und Familien
GIESSEN (mip/r). Die Arbeit der Jugendämter steht bundesweit zunehmend im Licht der Medien-Öffentlichkeit. Mal nimmt ein Amt unbescholtenen Eltern ihre Kinder weg und verletzt dadurch massiv Elternrechte. Mal wird berichtet, dass Mitarbeiter eines Jugendamtes Kenntnis über vernachlässigte oder misshandelte Kinder hatten und untätig blieben, also den Schutz der betroffenen Kinder nicht ausreichend sicherstellten."
Gemeinsam ist diesen Schlagzeilen, die anhand spektakulärer Einzelfälle an die Öffentlichkeit gelangen, dass sie ausschließlich einen Teil der Arbeit der Jugendämter abbilden. Im Wesentlichen ist dies die Arbeit im Bereich des Kinderschutzes.
Dass Jugendämter allgemein aber auch andere Aufgaben wahrnehmen, dass sie nicht nur eingreifend und regulierend tätig sind, wird im öffentlichen Bild meist nicht wahrgenommen.
Das Giessener Jugendamt möchte mit einer ungewöhnlichen Aktion nun dafür werben, die Vielseitigkeit der Angebote und Dienstleistungen für junge Menschen und Familien in Giessen wahrzunehmen. „Unser Auftrag ist es, uns für die Belange von Kindern, Jugendlichen und Familien ganzheitlich einzusetzen, ihre Entwicklung und ihr Wohlergehen zu fördern und zu unterstützen. Wir sind Wächter im Sinne des Kinderschutzes. Aber wir sind auch mehr: Wir bieten Dienstleistungen und sind mit unseren Angeboten nah an den Bürgerinnen und Bürgern“, erklärte Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich. Dass zum Beispiel das Thema Kinderbetreuung ebenso wie besondere Aktivitäten - wie z.B. die jährliche Ferienkarussell-Aktion oder bestimmte kulturelle Angebote für junge Menschen im Jugendzentrum aus dem gleichen Hause „Jugendamt“ stammen, falle bei oberflächlicher Betrachtung kaum jemandem auf.
Ein Umstand, den das Giessener Jugendamt gerne ändern möchte. Mit einer Postkartenaktion möchte es den Blick auf die Vielseitigkeit der Angebote und Dienstleistungen für junge Menschen und Familien in dieser Stadt zu lenken.
In monatlicher Folge wird das Amt zwölf verschiedene Postkartenmotive in Gaststätten, Veranstaltungsorten, Geschäften und anderen öffentlichen Orten in der Stadt mit einer Auflage von je 5.000 Exemplaren verteilen lassen. Die Postkartenmotive stammen aus beispielhaft ausgesuchten, unterschiedlichen Arbeitsbereichen des Amtes und wurden mit den jeweils zuständigen Mitarbeiter/innen entwickelt. Parallel zur Verteilung der Postkarten sollen zu den jeweiligen Schwerpunkten Informationen an die Öffentlichkeit gegeben werden.
„Mit den Postkarten wollen und können wir kein vollständiges Bild der Arbeit des Jugendamtes zeichnen. Wir wollen mit den Motiven, die zum Teil durchaus provokativ wirken, zu Diskussionen anregen. Gerade auf diese hoffentlich kritische und lebendige Auseinandersetzung sind wir sehr neugierig. Ihr wollen uns ihr stellen. Wir freuen uns darauf“, erklärte Andreas Prinz, Leiter des Jugendamtes, anlässlich der Präsentation des ersten Motivs.
Den Aufschlag der Zwölfer-Serie macht die Postkarte zum Thema „Erzieherischer Jugendschutz“. Sie wird am kommenden Wochenende verteilt.
Mit dem Motiv eines jungen Menschens, der offensichtlich alkoholisiert auf einer Couch liegt und dem provozierenden (Lied)Titel „Alkohol ist das Dressing für deinen Kopf Salat“ versehen, macht das Jugendamt darauf aufmerksam, dass es Jugendliche stark machen will gegen gefährdende Einflüsse - mit zahlreichen Veranstaltungen, Projekten, Informationen, Beratungen und Publikationen. Das Angebot gilt genauso für Eltern/Erziehungsberechtigte und für alle, die mit Jugendlichen arbeiten.
„Uns geht es darum, Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie Verantwortlichkeit gegenüber anderen Menschen zu stärken“, erläuterte Egon Wielsch, Leiter der Abteilung, im Pressegespräch. Schwerpunkte seien unter anderem:
• Sucht und Suchtprävention (Tabak, Alkohol, Medikamente, illegale Drogen, Essstörungen)
• Gesundheitserziehung, Sexualpädagogik
• Medien und Jugendmedienschutz
• Neue religiöse Bewegungen und Psychokulte
• Gewalt und Aggression, Jugenddelinquenz
• Sexualisierte körperliche und psychische Gewalt
Für die praktische Umsetzung dieser Aufgabe kann die Abteilung auf die erfolgreiche Kooperation mit Jugendgruppen und -verbänden, Jugendzentren, den Suchtberatungsstellen, Kinderschutzorganisationen, Kindergärten, Schulen, Polizei sowie Gewerbebetreibende zurückgreifen.
Als Veranstaltungen und Projekte im ersten Halbjahr 2010 sind heute bereits fest geplant:
• Jetzt ist aber auch mal gut! – Selbstbehauptungskurs für Schwule und Lesben
• Stärke ohne Fäuste – Selbstbehauptung und Konfliktlösungen für Jungen von 9 bis 12 Jahren
• Mind-Doping für alle? – Vortrag und Diskussion mit Stefan Schleim Universität Groningen
• Kein Alkohol ist auch keine Lösung … – Fortbildung zum Alkoholkonsum von Jugendlichen
• Kindeswohl geht uns alle an! – Infoveranstaltung für Mitarbeiter/innen der verbandlichen Jugendarbeit
• Chatten ohne Risiko? Zwischen fettem Grinsen und Cybersex
• Cyber-Mobbing – was tun?
• Elternbroschüre zum Jugendschutz
• Elternbroschüre „Mein Kind k/ein Nazi!? (Neuauflage)
Die zweite Postkarte der Serie wird im Februar vorgestellt. Sie wird sich mit dem Thema „Kinderbetreuungsangebote in den städtischen Kitas“ befassen.
Giessen, 21. Januar 2010
Mai 2012
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