GIESSEN (lkgi/sy). Am vergangenen Mittwoch fand in der Kulturhalle in Großen Buseck die Feier zur Verabschiedung von Landrat Willi Marx und die Vorstellung der neuen Landrätin Anita Schneider statt.
Giessen-Server.de berichtete mit bewegten Bildern in Filmbeiträgen über den historischen Moment für den Landkreis Giessen und das Bundesland Hessen und den Abschied für Willi Marx.
Mit dem Amtsantritt von Landrätin Anita Schneider steht eine Frau als erste hessische Landrätin an der Spitze eines Landkreises.
Im folgenden dokumentieren wir die Abschiedsrede von Willi Marx und in einem zweiten Beitrag die Antrittsrede von Anita Scheider.

Landrat Willi Marx hält seine Abschiedsrede bei der Feier aus Anlaß des Amstwechsels in Großen Buseck
(Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de)
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
werte Gäste, Weggefährten, Freunde, Familie, Vertreter der Presse,
heute endet nicht nur meine 12-jährige Amtszeit als Landrat, insgesamt 24 Jahre hauptamtliche Kommunalpolitik im heimischen Raum, einschließlich der Zeit als Bürgermeister in Heuchelheim. Dieses ist mehr als die Hälfte meines 46 ½ jährigen Arbeitslebens, was nunmehr endet. Begegnungen und Erinnerungen sollen meine Schlussworte prägen mit deutlichen Worten des Dankes!
In den Begegnungen mit vielen Menschen, habe ich immer wieder dazu gelernt, sie geschätzt und geachtet, gemeinsam einiges angepackt, überwiegende Feststellung: positiv;
Enttäuschung auch erfahren, ja, das ist Leben!
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
man kommt ja nicht gleich als Bürgermeister oder gar Landrat auf die Welt. In der Regel hat man vorher einmal einen „anständigen“ Beruf erlernt und ausgeübt.
Die „1. Firma“, in der wir uns, lieber Gustav Gross in 1963 begegnet sind und in der wir beide gelernt haben, wie „man anderen Leuten das Geld abnimmt“, hieß Finanzamt, damals noch in der Goethestraße in Gießen. Ich musste vom Finanzamt Alsfeld zum Begleitunterricht in die Goethestraße. Herr Direktor Döring, auch heute noch kann ich versichern, dass diese Ausbildung eine sehr qualifizierte war, von der ich bisher immer wieder in meinen beruflichen Stationen zehren konnte. Vielen Dank für die Begegnungen!
1977 in der Stadtverwaltung Dreieich – es war damals die Hessentagsstadt, im 1. Jahr der Gebietsreform – bist Du, lieber Walter Haller, meinem Amt zugeordnet worden. Als junges Team haben wir damals – stürmisch und kämpferisch – mitarbeiten und miterfahren dürfen, wie 5 ehemals selbständige Städte und Gemeinden, mit sehr unterschiedlicher Struktur, zur größten kreisangehörigen Stadt im Kreis Offenbach politisch und verwaltungsmäßig zusammengeführt wurden. Auch in dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt. In dieser Zeit hatte ich bereits Interesse an ehrenamtlicher Politik gefunden, als Kreistagsabgeordneter im Kreis Offenbach und im Umlandverband Frankfurt/M.. Wir begegneten uns wieder, dann hier im Landkreis, Du als Bürgermeister in Langgöns, ich in Heuchelheim. Schön, dass Du heute Abend gekommen bist.
Herzlichen Dank sage ich heute nochmals den SozialdemokratInnen in Heuchelheim, die mir, gemeinsam mit den GRÜNEN 1985 das Vertrauen gaben und mich zum Bürgermeister wählten (…der erste „Fremde“ von auswärts in der Geschichte in Heuchelheim) stellvertretend begrüße ich heute Abend Hartmut Schmidt und Peter Rummer. Vielen Dank, dass Ihr Euch Zeit genommen habt.
Den Wählerinnen und Wählern, die mir wiederholt ihr Vertrauen mit deutlichen Ergebnissen ausgesprochen haben, sage ich auch genau an dieser Stelle Dank.
Mit der Einführung der Direktwahl für Bürgermeister, Oberbürgermeister und Landräte ging ich als 1. Kandidat der SPD um das Amt des Landrats in den Wahlkampf / an den Start.
Genau 4 Wochen vor dem 1. Direktwahltermin – quasi im Schlussspurt – ereilte mich ein schwerer gesundheitlicher Rückschlag. Gerade in dieser Zeit – mitten in einem engagierten Wahlkampf – ist sehr deutlich geworden wie wichtig es ist, hoch engagierte, vertrauensvolle und solidarische Parteifreunde im Rücken zu haben; das galt auch für die 2. Direktwahl.
Stellvertretend für die gesamte SPD-Organisation in allen Städten und Gemeinden danke ich auch heute Abend nochmals meinem Amtsvorgänge Rüdiger Veit, dem heutigen SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, Silke Dralle und Karin Liebich.
Meinen Mitbewerbern Dieter Howe, Wilfried Schmied und Frau Dr. Barbara Watz danke ich für den jeweils fairen Wahlkampf 1997 und 2003.
Dass sehr zahlreich Repräsentanten von Behörden, Institutionen, Vereinen und Verbänden, der Kirchen gekommen sind freut mich ebenso wie die fast komplette Kollegenschaft aus dem Kreisausschuss, der ehemaligen Kollegen, sowie der BürgermeisterIn, OberbürgermeisterIn der Kollegen Landräte aus den Nachbarlandkreisen und Repräsentanten des Hessischen Landkreistages.
Einige Kollegen aus dem Kreisausschuss sind leider nicht mehr unter uns. Stellvertretend erinnere ich an meinen ehemaligen Ersten Kreisbeigeordneten Bruno Arnold aus Linden, mit dem mich eine sehr gute, vertrauensvolle, äußerst kollegiale Zusammenarbeit verband. Dabei vergesse ich auch die andere Kollegin und Kollegen im Kreisausschuss nicht.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich möchte mit meinen Schlussworten heute Abend keine detaillierte Bilanz der letzten 12 Jahr im betriebswirtschaftlichen oder haushaltsrechtlichen Sinne ziehen. Dennoch erlauben Sie mir, an einigen Themenfeldern zu erinnern, was wir gemeinsam – Kreistag, Kreisausschuss und Landrat – für die Menschen und Institutionen im Landkreis erreicht haben:
Unter sozialdemokratischer Führung aller bisheriger unterschiedlicher Koalitionen hatten Investitionen in Schule und Bildung neben der sozialen Sicherung immer Vorrang
Kurzer Nenner: Finanzmittel für Schulen, vor Straßenbau.
Das galt stets in der gemeinsamen Verantwortung von mir als Finanzdezernent, ebenso wie für die Kollegen Bau-, Schul- und Sozialdezernenten Günter Feußner und Dietlinde Elies.
Wir haben in Schulen konsequent investiert und gleichzeitig nachweisbar längerfristige Schulden abgebaut. Zu einer Zeit, wo es noch keine Sonderinvestitionsprogramme des Landes und des Bundes gab.
Auch an dieser Stelle danke ich den SPD-KT-Fraktionen, der Partei, für das fordernde und fördernde Miteinander, ebenso meinen Koalitionspartner!
Bedingt durch die jahrelange hohe Arbeitslosigkeit haben wir der sozialen Sicherung durch eine aktive, gezielte Beschäftigungsförderung über die kreiseigene Berufsbildungsgesellschaft ZAUG gGmbH, den Menschen und ihren Familien eine wirksame Unterstützung und neue berufliche Perspektiven gegeben. Diese gemeinnützige Gesellschaft hat seit ihrem Bestehen über 14.000 Menschen aus dem Kreisgebiet gefördert, ein Erfolgsmodell, das es auch zukünftig gilt in jedem Fall zu erhalten und finanziell, solide abzusichern. Dazu verweise ich immer wieder auf meine Haushaltsreden der letzten Jahre! Es ist in meiner 2. Amtsperiode gelungen alle Städte und Gemeinden ausnahmslos für die Ziele und Zwecke der Gesellschaft zu gewinnen. Dafür danke ich Ihnen.
Im Bereich der Wirtschaftsförderung, Strukturentwicklung, Tourismus habe ich mich – wie bekannt – besonders engagiert.
Eine von mir seinerzeit in Auftrag gegebene Analyse des heimischen Wirtschaftsraumes an das bekannte Unternehmen Ernst & Young hat eine sogenannte Stärke- und Schwächeanalyse erstellt. Eine schon damals wichtige Feststellung war u. a. – nicht erst heute entdeckt - dass z. B. der Bereich Medizintechnik für den heimischen Wirtschaftsraum hohe Potentiale durch Wissenschaft und Wirtschaft aufweist und ein Zukunftsmarkt darstellt, den es zu fördern gilt.
Ich bin sehr zufrieden darüber, dass ich seinerzeit als 2. Vorsitzender des Vereins Mitte Hessen e. V. gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden, Herrn Regierungspräsidenten Wilfried Schmied, diese wichtige Organisation für Mittelhessen mitgründen konnte, es war – wie bekannt – am Anfang ein steiniger Weg, weil u. a. in Zeiten defizitärer Haushalte viel Überzeugungsarbeit geleistet werden musste, um neue Finanzmittel freiwillig bereitzustellen. Nicht alle mittelhessischen Landkreise traten gleich bei.
Für einen - bis damals - einmalig in Hessen existierenden Regionalen Existenzgründungsfonds (RegioMIT), der von der kommunalen Seite ausging, habe ich 2 x Anlauf genommen, Initiative ergriffen und Dank der Bereitschaft des Kreistages Finanzmittel aus dem seinerzeitigen Verkauf des Krankenhauses Lich einen Beteiligungsstock / Beteiligungskapital bereitzustellen, der aktiven Unterstützung der Stadt Gießen durch Oberbürgermeister Haumann, der Stadt Wetzlar durch Oberbürgermeister Dette, der regionalen Kreditinstitute in den Landkreisen Gießen, Lahn-Dill und Limburg-Weilburg, ist ein Beteiligungsfonds i. H. v. 2,5 Mio. Euro mit europäischen Fördermitteln entstanden, der heimische Arbeitsplätze sichert und neue geschaffen hat. Diese Mühe hat sich gelohnt, ich danke allen Mitgesellschaftern für Ihre Bereitschaft und tatkräftige Unterstützung. Im vorigen Jahr wurde unser Fonds von höchster Stelle in Berlin herausgestellt und ausgezeichnet.
Vor gut 10 Jahren haben wir gemeinsam mit der Stadt Gießen, der Sparkasse Gießen, der Volksbank Mittelhessen, der IHK und dem Unternehmen Schunk, in einer bemerkenswerten, nicht alltäglichen Gesellschafterstruktur die TIG GmbH im Europaviertel gegründet. Der Gesellschaftervertrag von damals trug ebenso die Unterschrift des damaligen Oberbürgermeisters, von Manfred Mutz. Hallo Manfred, es freut mich, dass du heute Abend hier bist, als „Neu 65ziger“. Auch diese Gesellschaft zur Förderung von Technologie und Innovation, Existenzgründung ist zu einem Erfolgsmodell geworden, das lassen inzwischen die neu entstandenen Arbeitsplätze in der ehemaligen Bundeswehrkaserne / Europaviertel deutlich erkennen, es sind inzwischen rd. 500!
Hier gilt heute mein öffentlicher Dank Herrn Geschäftsführer Dr. Christian Schulze für seine hervorragende Tätigkeit, für sein Gespür, zur richtigen Zeit das richtige Händchen zu haben.
Die Tourismusförderung der letzten 10 Jahre mit der Marke „Gießener Land“, unter engagierter, innovativer Federführung unserer Stabsstelle, unter der Leitung von Frau Gaby Gotthardt, in Zusammenarbeit mit der AG Tourismus der Städte und Gemeinden sowie dem Hotel- und Gaststättenverband hat das klare Ziel, Wertschöpfung für die heimische Region, für die Betriebe und deren Beschäftigten, zu generieren. Frau Gotthardt, Ihrem kleinen Team, sowie Herrn Herzog vom HOGA sage ich für diese sehr gute Leistungen Herzlichen Dank!
Die vielfältigen Publikationen im Interesse des Landkreises und der Beteiligten aus Hotellerie, Restaurants, Kultur, Sehenswürdigkeiten, sind ein Beleg dafür, dass der Landkreis auch in Zukunft auf diesem Gebiet, personell besser ausgestattet als bisher, aktiv bleiben muss.
In diesem Zusammenhang habe ich auch den Landkreis Gießen stets gerne im Lahntal- Tourismusverband und diesen selbst zeitweise als Vorsitzender, der sich über 3 Bundesländer und 6 Landkreise erstreckt, im gemeinsamen Interesse vertreten.
Allen Kollegen sage ich Dank, derzeit stellvertretend genannt an der Spitze, Herr Kollege Wolfgang Schuster, aus Wetzlar, sowie dem Geschäftsführer Achim Girsig.
Schön, dass auch Ihr gekommen seid.
Die Gründung der Klimaschutz- und Energieagentur Mittelhessen e. V. (KEM) mit Sitz in Heuchelheim (Gründung mit europäischen Fördermitteln), die ganz wichtige fachliche Beratungsleistungen für Kommunen und Gewerbe auf diesem Zukunftsthema erbringt, hat inzwischen eine festen Platz im kommunalen Handlungsfeld. Herrn Geschäftsführer Peter Momper gilt ebenso mein Dank, für die gute Zusammenarbeit. Das allerjüngste Produkt im Auftrag des Kreises haben Sie abgeliefert, das ich dem Kreistag im Dezember 2009 noch vorgelegt habe. „Leitlinienkonzept für erneuerbare Energien“.
Im Bereich Wirtschaftsförderung, Förderung ländlicher Raum, konnten wir als „jüngstes Kind“aus meinem Dezernat und Federführung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, den Verein Region Gießener Land gründen und damit für die Förderperiode bis 2013 1,7 Mio. Euro Fördergelder der EU in den Landkreis holen. Der Verein unter Vorsitz von Bürgermeister Kurt Hillgärtner, Rabenau, hat eine Menge Arbeit im Interesse unserer Heimat auf sich genommen. Allen Mitgliedern, d. h. auch allen Kommunen im Landkreis die ihren jährlichen finanziellen Betrag leisten, sage ich über die Herren Bürgermeister ausdrücklichen Dank. Ich bitte darum, dass meine Nachfolgerin Anita Schneider das Amt der 2. Vorsitzenden demnächst übernimmt und die Interessen des Kreises vertritt, denn heute Abend endet auch dort meine Mitwirkung.
Auf den Gewinn eines harten, bundesweiten Wettbewerbs in Kooperation mit dem Nachbarkreis Vogelsberg – zum Thema Bio-Energie-Region – möchte ich ebenso hinweisen, denn das spült auch noch mal 400.000 Euro Fördermittel in unsere Region.
Die durch den Kreistag beschlossene Verwaltungsreform ab 2005, verstärkte Personalentwicklung und –fortbildung und Investitionen in das Wissen und Können unserer MitarbeiterInnen, die ehrenamtliche Mitarbeit z. B. in den Gremien der Sparkasse Gießen, auch in der Sparkassenstiftung, in der OVAG in Friedberg, auch im dortigen Spendenbeirat, sowie die Verbandsarbeit in den verschiedenen Gremien des Hessischen Landkreistages und die Tätigkeit im Umwelt- und Planungsausschuss des Deutschen Landkreistages mit Sitz in Berlin, haben in den 12 Jahren niemals Langeweile bei mir aufkommen lassen.
Dem Vorstand der Sparkasse, Herrn Bergenthum, Herrn Knak, Herrn Wolf sowie dem OVAG-Vorstand, Herrn Schwarz, Herrn Gnadl, danke ich gleichfalls für die 12 Jahre äußerst konstruktiver Zusammenarbeit. Ich erinnere mich ebenso gerne an die sehr früh begonnene Projektzusammenarbeit mit der hiesigen Verwaltungsfachhochschule z. B. in den Bereichen Mitarbeiter- und Kundenbefragung. Vielen Dank Herr Prof. Friedrich.
Die Mitarbeit als Vertreter des Landkreises im Bereich der Prävention beim Projekt „Verkehrssicher in Mittelhessen“ und die Einwerbung von beträchtlichen Spenden, mit dem Ziel durch Aufklärung junge Unfallopfer zu vermeiden bzw. die Unfallzahlen zu senken, war für mich eine anspruchsvolle Nebenaufgabe, der ich mich sehr gerne gestellt habe. Ihnen, Herr Polizeipräsident Schweizer, danke ich für die sehr gute Zusammenarbeit. Die Kreiskasse wird sicher auch in Zukunft die Finanzmittel für dieses Projekt treuhänderisch verwalten.
Auf eine persönlich sehr harmonische Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft blicke ich zurück und danke Ihnen, Herr Kwartnik, als Kreishandwerksmeister und Ihrem Vorgänger, Herrn Gottfried Hartmann aus Alsfeld.
Zum Schluss möchte ich zunächst noch besonders danken den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich, über Jahre hinweg für Andere einbringen, ohne am Monatsende einen Geldeingang auf Ihrem Kontoauszug zu sehen. Ich denke dabei z. B. an die rund 3000 Männer und Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren, die rund um die Uhr für uns alle da sind. Ich sage des öfteren: ca. 1,5 % der Kreisbevölkerung ist im Brandschutz freiwillig aktiv, damit die übrigen 98,5 % ruhig schlafen können. Diese treffende, anerkennende Standardaussage hat inzwischen auch Herr Minister Bouffier von mir übernommen.
Stellvertretend sage ich für die große Feuerwehrfamilie Ihnen Herr stv. KBI Leopold und Herrn Verbandsvorsitzenden Binsch sowie allen Führungskräften meinen herzlichsten Dank, mit Anerkennung und Respekt.
Gleiches gilt für das freiwillige Engagement im Katastrophenschutz beim THW, bei vielen Engagierten im DRK und bei den Johannitern.
Herr Stein (THW), Herr Dr. Heßler für das DRK, Herr Meermann für die Johanniter, den Dank an Sie, Ihre Helferinnen und Helfer, möchte ich keinesfalls versäumen. Sie alle tragen ein Großteil des Sicherheitspaktes für unsere Kreisbevölkerung; 255.000 Einwohner.
Ich war gerne Ihr Dezernent!
Müssten die kommunalen Kassen im Kreis alle Leistungen tariflich vergüten, die das ehrenamtliche Engagement überall erbringt, würden sie in ihren Haushaltsplänen exorbitante Steuer- und Gebührenerhöhungen beschließen, die alle treffen.
Das Ehrenamt ist ein Stück Goldbarren in unseren kommunalen Familien.
Dass wir für die Menschen ein gut funktionierendes Rettungssystem , durch eine Vertragspartnerschaft mit der DRK Mittelhessen GmbH und den Johannitern haben, damit wir in der Rettungskette jederzeit professionelle Hilfe leisten können, ist nicht einfach so selbstverständlich, sondern bedurfte einer intensiven Zusammenarbeit auf hohem Niveau.
Stellvertretend sage ich deshalb dem bisherigen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Herrn Dr. von Rechenberg, ebenso den Geschäftsführern Herrn Müller vom DRK und Herrn Meermann von den Johannitern, DANKE! Herrn Dr. Little wird als neuer Leiter diese wichtige Arbeit fortsetzen.
(PS: Ich war im letzten halben Jahr einschließlich der vorletzten Dienstagnacht leider 3 x unvorhergesehen plötzlich Ihr „Kunde“ und konnte somit wiederholt bei Ihnen eine persönliche „Qualitätsprüfung“ abnehmen. Ich fühle starke, persönliche Dankbarkeit.)
Die Zusammenarbeit über die Jahre, überwiegend mit den Führungskräften, dem Personalrat und den Frauenbeauftragten unserer Verwaltung fand stets unter gegenseitiger, menschlicher Achtung statt.
Leistungswille - subjektive Leistungsbereitschaft - und kollegialer Umgang im Miteinander, wurde von mir stets gefördert.
Es allen recht zu machen, war jedoch nicht mein Ziel.
Soweit als möglich gerecht und transparent zu handeln, war stets mein Anspruch.
Meine Vorbilder im politischen, demokratischen Geist waren
Willy Brandt ‚“MEHR DEMOKRATIE WAGEN“,
im Arbeitsstil Helmut Schmidt:
„Gespräche müssen zu Ergebnissen, Ergebnisse zu Entscheidungen, Entscheidungen zu Taten führen“,
in der alltäglichen Arbeit bei allen Begegnungen Kurt Beck: „Nah bei den Menschen“.
Ihnen, Herr Kreistagsvorsitzender Prof. Franz Neumann, danke ich für die stets einwandfreie, sehr menschliche Zusammenarbeit, trotz unserer unterschiedlichen Rechts- und Funktionsstellung. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, lieber Franz, als Du mich vor Jahren in einer öffentlichen Kreistagssitzung als einen aufrechten Demokraten bezeichnet hast, dieses aus Deinem Munde als Politikwissenschaftler zu hören, war dann für mich das Ausrufezeichen.
Dieses Amt ist von Beginn an ein Amt auf Zeit; dessen war ich mir bewusst, Sensibilität mit der aufgetragenen Gestaltungskraft (Macht) ist notwendig, auch eine 2. oder 3. andere Meinung zu achten. Das lege ich auch der jetzigen Kreistagsmehrheit und allen zukünftigen Kreisregierungen als Empfehlung ans Herz.
Als weiteren – ungefragten – Rat erlaube ich mir zum Ende meines Arbeitslebens, aus der jahrelangen Erfahrung unterschiedlichster politischer Konstellationen heraus zu appellieren:
Achten Sie stets auf den Politikstil den Sie pflegen, leben, vorleben – egal ob Regierung oder Opposition -. Er sollte stets mit Respekt gegenüber dem Andersdenkenden demokratischen Mitstreiter stehen. Politische Hygiene ist ebenso Grundvoraussetzung.
Gehen Sie mit dem Geld / Finanzen, das Ihnen zur Gestaltung der Lebensverhältnisse unserer Bürgerschaft zur Verfügung gestellt wird, stets verantwortungsvoll mit Augenmaß und treuhänderisch um.
Schlüsselpositionen in unserem Hause tragen dabei eine besondere Verantwortung.
Erkennen und Fördern Sie Potentiale des Wissens und Könnens unserer MitarbeitInnen im Bereich der Personalentwicklung. Fähigen und leistungsbereiten Nachwuchskräften müssen offene, faire Chancen eingeräumt werden, (auch Leitungsfunktionen zu besetzen), und dieses ist notwendiges Kapital eines modernen Dienstleistungsunternehmens; im übrigen hebt es auch die Motivation!
Den Vertretern der heimischen Medien danke ich auch insgesamt für die letzten 24 Jahre. Insbesondere mit den Vertretern der sog. „schreibenden Zunft“ gab es immer wieder Gelegenheit „Botschaften“ zu vermitteln.
Feststellung: überwiegend positiv;
Und augenzwinkernd:
für den Rest befanden wir uns dann gelegentlich im unterschiedlichen, kritischen Dialog und Interpretation der „gegenseitigen Pressefreiheit“.
Ich danke Ihnen!
Ganz zum Schluss – aber deshalb überhaupt nicht minder geschätzt, habe ich aufrichtigen, öffentlichen Dank zu sagen an meine engsten Wegbegleiter in meinem Büro.
Am Beginn meiner Amtszeit den Sekretärinnen Frau Henni Schäfer sowie Frau Brigitte Ulm, danach bis heute, Ihnen liebe Frau Regina Zahrt und liebe Frau Gabriele Grün. Ohne Sie hätte ich manchmal in stürmischer See den Kompass im Bürodickicht und Tageskalender suchen müssen und Seenot gemeldet. Davor haben Sie mich stets , fast fürsorglich gerettet.
Die umfangreichen Vorbereitungen für den heutigen Abend lasteten auf Ihren Schultern. Thomas Euler als Leiter des Kreistagsbüros und Protokollchef hat ebenfalls kräftig angepackt.
Ihnen ein herzliches DANKE!
Ihnen lieber Herr Heinrich Ranft habe ich in den 12 Jahren ebenfalls eine einwandfreie, loyale und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu bestätigen. Pünktlichkeit und Hilfsbereitschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit, in allen Wetterlagen, haben Sie als meinen Fahrer ausgezeichnet. Dafür danke ich auch Ihnen in meinem Team. Insgesamt waren es über 400.000 km unfallfreies Fahren. Diese Strecke erlaubt den Vergleich, dass wir bereits am Mond angekommen wären (wir haben jedoch keine wehende Kreisfahne aufgestellt), uns aber schon wieder auf dem Rückweg befinden.
Meiner Familie, meinen Freunden, denen ich häufiger abwesend als anwesend war, sage ich ebenfalls ein ganz dickes DANKE, Euer politisches Verständnis für meine engagierte Arbeit hat die Last doch wesentlich erleichtert. Demnächst will und habe ich mehr Zeit für Euch.
Ich gehe mit gutem Gewissen und aufgrund eigener Entscheidung!
Mit dem Vierzeiler von Ringelnatz will ich schließen:
Ein Rauch verweht,
ein Wasser verrinnt,
eine Zeit vergeht,
eine neue beginnt!
Ich wünsche meiner Nachfolgerin, Dir liebe Anita, Kraft und eine erfolgreiche Zeit, Ihnen allen ebenfalls eine gute Zeit, eine Zeit im Frieden bei guter Gesundheit!
SERVUS!
Giessen, 27. Januar 2010 / Foto: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
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