GIESSEN VERNISSAGE TV
ein Format der medialen Bildberichterstattung
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GESSEN (fsy). Wie angedockte Schmarotzer aus Putz-Materialien, die ansonsten am Bau Verwendung finden, sehen die eigenartigen Gewächse von weitem aus, die mich bei näherer Betrachtung an die oberste Schicht der Sahne-Torten meiner Tante Hedwig erinnern.
Aus der Ferne wirkt das ganze wie ein ungeordnetes, pilzartiges Geflecht, das sich an der Decke ausbreitet, entlang des Stofflichen wuchert und sich irgendwie einen beharrlichen außerirdischen Weg bahnt. Aber wohin?

Jáchym Fleig im Neuen Kunstverein in Giessen
Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de
Und auch die Außenhaut des Gebäudes, besonders der Raumspalt an den Winkeln zwischen Wand und Dachvorbau wird von dem seltsam krumpeligen Geschnörkel fest umschlossen und bedeckt. Steht man direkt unter der Decke im Innenraum und blickt nach oben, entdeckt man die feinen runden schmuckvollen Formen. Wie aus dem Spritzbeutel heraus gedrückt und als chaotische Verzierung angebracht.
Tatsächlich: das Deckenrelief von Jáchym Fleig sucht die paradoxe Verbindung von abstraktem Muster und ornamentalem Schnick-Schnack aufzuheben, indem der Ausstellungsort als Kunst- und gleichzeitig als öffentlicher und historischer Raum in seiner Mehrdimensionalität mit einbezogen wird. Die bildhafte Präsenz wird durch gegenständliche Leerräume umrandend abgedeckt. Phantastisch!

Putzfeste ornamentale Flieger am Deckenrelief
Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de
Weil die Spritzbeuteltechnik es wunderbar zulässt, entsteht dadurch eine 2. amorphe Schicht als Stoff an der Decke und die eigentlich unsichtbaren Zeichen können zu Bildinhalten und Bildgegenständen werden, sobald der Betrachter sie zu erkennen vermag und ihnen eine semantische Zuordnung gibt. Dann bilden sie eine klare Form und bekommen sekundenschnell eine Gestalt und bilden das Gegenteil von amorph in einer verborgenen Gegenständlichkeit ab.

Jáchym Fleig mit Janine Schmutz (Kunsthistorikerin aus Basel) im Neuen Kunstverein in Giessen
Foto: Frank Sygusch / Giessen-Server.de
Ob Bauschmuck oder Verzierung als Stuck; ob Spritztortenform in Zucker, Gips oder Putz: ohne symbiotische Formgebung entsteht kein neues Kleid für den Kunstraum des Neuen Kunstvereins in Giessen. Das Deckenrelief breitet sich aus und die Architektur des historischen Raums wird förmlich um- und verschlungen.
Die Austellung ist im Neuen Kunstverein Giessen e.V. (Licherstrasse / Ecke Nahrungsberg)
bis zum 12. März zu sehen
Öffnungszeiten: Mi. 16.00 bis 19.00 Uhr und Sa. 14.00 bis 17.00
und nach Vereinbarung
Tel.: 0641 - 250 94 44
Giessen, 02. Februar 2010 / Filmbeitrag: "Giessen Vernissage TV" und Fotos: Frank Sygusch (Giessen-Server.de)
September 2010
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